Mohr

Der Begriff Mohr ist eine seit dem Mittelalter verwendete Bezeichnung für Menschen mit dunkler Haut- farbe, zum Beispiel historisch in Bezug auf Kuschiter und Mauren oder später allgemeiner für Schwarz- afrikaner.

Er wird nur noch selten gebraucht und heute – wegen seiner kolonialen und teilweise rassistischen Ver- wendung – häufig als negativ empfunden. Viele reale Personen und fiktive Gestalten wurden in der eu- ropäischen Kulturgeschichte als Mohren wahrgenommen, beschrieben und abgebildet.

Einige dieser Personen und Gestalten haben als Wappenfigur in die Heraldik Eingang gefunden, andere dienten als Vorlage für musische Werke. Der Begriff und das Bild des Mohren fand außerdem Eingang in zahlreiche Folgebegriffe, zum Beispiel im Bereich der Fauna und Flora.

Insbesondere die Verwendung von bildlichen Darstellungen des Mohren als Unternehmenslogo und in der Werbung für bestimmte Produkte, aber auch im Rahmen unterschiedlicher Bräuche hat die Zwiespältigkeit des Begriffs zwischen historischer Entwicklung und Verwendung als stereotype Bezeichnung deutlich ge- macht, die eine bestimmte Vorstellung von einem Dunkelhäutigen weckt, und vor allem nach 1960 zu Diskussionen um dessen diskriminierenden Charakter geführt.

Mohr - Sprachgeschichtliches

Das Wort ist bereits im Althochdeutschen des 8. Jahrhunderts in der Form mōr belegt. Ursprünglich be- zeichnete es, gleich wie später im Mittelhochdeutschen (in der Form mōr oder mōre) einen Mauren.

Der Begriff Maure selbst stammt vom Griechischen μαῦρος, was so viel wie „schwarz, dunkel, dunkel- häutig, dunkelhaarig“ bedeutet. Mauretanien bedeutet daher zunächst das Land der Dunkelhäutigen.

Das lateinische maurus kennzeichnet in aller Regel bereits den Mauren als Herkunftsbezeichnung (aus der Provinz Mauretania bzw. dem Königreich Mauretanien). Im Mittelhochdeutschen wurde dann nicht selten zwischen swarzer mōr („Maure mit dunkler Hautfarbe“) und mōr („Maure“) differenziert.

Sogar heute noch findet sich im Deutschen die Bezeichnung schwarzer Mohr, was man aber eher als unnötige Doppelung (Tautologie) oder als literarische Betonung empfindet. Sehr früh belegt ist auch die Verbindung von mōr und Ethiops (Bewohner Äthiopiens).

Andererseits wurden jedoch sowohl das einfache mōr als auch hellemōr („Höllenmohr“) als Synonyme für den Teufel verwendet, den man sich damals mit schwarzer Hautfarbe vorstellte. So dichtete Walter von der Vogelweide: „Nun lehret ihn sein schwarzes Buch, das ihm der Hölle Mohr gegeben hat und aus ihm lesen sie nun vor.“

Von Anfang an ist also eine ambivalente Bedeutung zwischen Herkunft und Hautfarbe gegeben. Da zu- gleich das griechische Wort μωρός moros („töricht, dumm, gottlos“) mitschwingt, wurde der Begriff schon sehr früh als mehrfaches Stereotyp verwendet.

Erst im 16. Jahrhundert erwarb das Wort Mohr im Deutschen die ausschließliche Bedeutung eines Men- schen mit schwarzer Hautfarbe, während der Maure fortan als solcher bezeichnet wurde.

Als im 18. Jahrhundert der Ausdruck „Mohr“ dann zunehmend durch den Begriff „Neger“ ersetzt wurde, kam es dabei auch zur Gegenüberstellung von edlem Mohr (vorkoloniale Vorstellung) und primitivem Neger (koloniale Vorstellung).

Auch der Versuch, zwischen schwarzafrikanischen „Negern“ und weißafrikanischen „Mohren“ im Zuge der Rassentheorien zu differenzieren, ist heute obsolet. Die Bezeichnung Mohr für einen Menschen dunkler Hautfarbe wird heute nur noch in historischen Zusammenhängen verwendet.

Wie auch der Ausdruck „Neger“ kann „Mohr“ als ein rassistisch diskriminierender Ausdruck verstanden werden.

Mohr - Bedeutung in anderen Sprachen

Im Französischen wird sowohl le more als auch le maure (auch Lemaure) in der Regel als „der Maure“ verstanden. In den aktuellen Wörterbüchern gilt die Schreibweise mit o daher lediglich als orthogra- phische Variante.

Die Sarden nennen die vier „Mohren“ auf ihrem Wappen und auf ihrer Fahne Sos Bator Moros, wobei Moru mit Braun- bzw. Dunkelhäutiger zu übersetzen ist. Die Korsen sprechen entsprechend von U Moru.

Beides ist im Deutschen eher mit „der Maure“ zu übersetzen als mit „der Mohr“. Im Italienischen bedeutet il moro zunächst der Mohr im Sinne von „der Dunkle“ (siehe Ludovico Sforza) oder Schwarzbraune , nicht aber „der Schwarze“ (il nero).

Es ist eine Bezeichnung, die eher auf die dunkelhäutigen Mauren bezogen wird, denn auf Schwarzafri- kaner. Im Spanischen ist el moro ebenfalls nicht der Mohr, sondern historisch eine Bezeichnung für die arabisch-muslimischen Mauren, die Spanien zwischenzeitlich erobert hatten. Heute wird es hauptsächlich als negativ besetztes bis diskriminierendes Wort für muslimische Araber allgemein verwendet.

In diesem Zusammenhang ist auch der Beiname „Matamoros“ für den heiligen Jakobus den Älteren zu sehen, der in der Übersetzung und Ikonographie meist als Maurentöter bzw. Maurenschlächter, nur selten als Mohrentöter bzw. Mohrenschlächter wiedergegeben wird.

Auch im Englischen wurden früher mit „the Moors“ die mittelalterlichen muslimischen Einwohner von al-Andalus, also der Iberischen Halbinsel, und des Maghreb bezeichnet, deren Kultur moorish genannt wird. Der Mohr als schwarzer Afrikaner ist im Englischen dagegen analog zum Mittelhochdeutschen the blackamoor.

Die muslimische Glaubensgemeinschaft in Sri Lanka wird im Englischen ebenfalls als „moors“ bezeichnet, auch wenn kein direkter Bezug zu Afrika besteht. Die Religionszugehörigkeit zum Islam führte zur Über- nahme dieser Bezeichnung für andere moslemische Gruppen.

Mohr als Stereotyp

Selten beruhen mitteleuropäische Darstellungen von „Mohren“ auf tatsächlichen Begegnungen, weit eher auf Reisebeschreibungen und überlieferten Darstellungen.

Historische Abbildungen von Mohren folgen daher oft einem Stereotyp: dunkle bis schwarze Haut, dicke Lippen, krauses Haar, oft mit großen Ohrringen oder anderen Attributen „wilder Völker“.

Zahlreiche Wortprägungen, historische Namen, Wappen und Abbildungen haben dieses Bild des „Mohren“ bis heute erhalten. Begegnungen zwischen Europäern nördlich der Alpen und Afrikanern hatten bis ins 18. Jahrhundert Seltenheitswert.

Zwar lebten und kämpften in der Römerzeit auch dunkelhäutige Afrikaner als Soldaten der römischen Armee in Mitteleuropa, doch endete dies mit der Zeit der Völkerwanderungen. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit sind bildliche Darstellungen von Menschen schwarzer Hautfarbe nördlich der Alpen daher eine bemerkenswerte Ausnahme, während in den italienischen Staaten wie der Republik Venedig der Kontakt zu Afrika nie abriss.

Was für die christliche Komponente im Blick auf den „Höllenmohr“ und den „schwarzen Mann“ zutrifft, hat sich im Mittelalter durch die veränderte Heiligendarstellung und -verehrung (vor allem Schwarze Madonn- en, dritter hl. König, Hl. Mauritius) und durch die positive Verwendung von Mohren in bischöflichen Wapp- en (unter anderem Freising, Würzburg) relativiert.

Erst seit der Kolonialzeit kommen diese „Mohren“ aus Afrika und Amerika auch als Sklaven an die euro- päischen Höfe. An Fürstenhöfen, aber auch bei reichen Bürgern, wird es bis ins 18. Jahrhundert eine Prestigesache bleiben, „Hofmohren“ zu haben, gewöhnlich als Kammerdiener („Kammermohren“) oder soldatisch gekleidete, eher zur Zier dienende Wachen.

Viele andere kamen auch zum Militär, meist als Spielleute. Bekannte Mohren sind beispielsweise Anton Wilhelm Amo († nach 1753), der „hochfürstliche Mohr“ Angelo Soliman († 1796) und Ignatius Fortuna († 1789). Soliman endete makabrerweise als ausgestopftes Präparat in der Sammlung des Naturhis- torischen Museums.

Ein relativ frühes Beispiel für die anthropologische Einordnung von Mohren zwischen europäischem Mensch und Affen stellt das im Jahr 1784 erschiene Buch Über die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer von Samuel Thomas von Soemmerring dar.

Diese Auffassung gehört in den Rahmen der Scala Naturae, der „Stufenleiter der Wesen“. Diese Vor- stellung ordnete allem Leben einen festen Platz in einer Hierarchie „niederer“ und „höherer“ Wesen zu.

Offiziere aus Hessen-Darmstadt hatten dem Mediziner Körper von in Deutschland verstorbenen Sklaven zur Sezierung überlassen. Diese „Mohren“ waren aus Amerika mitgebracht worden, sind hier aber an der mangelnden klimatischen Anpassung, durch Infektionskrankheiten oder durch Selbstmord gestorben.

Sömmering stellte seine Befunde dieser Sektionen Befunden gegenüber, die er an den Leichen von Euro- päern und exotischen Tieren gewonnen hatte. Er sah das „praktische Vorurtheil“ bestätigt, „dass im all- gemeinen, im Durchschnitt, die afrikanischen Mohren doch in etwas näher ans Affengeschlecht, als die Europäer gränzen.

Sie bleiben aber drum dennoch Menschen.“ Schließlich dienten einige Mohren als Ausstellungsattraktionen auf Jahrmärkten, Wandermenagerien, später in speziellen Völkerschauen (beispielsweise im zoologischen Garten der Firma Hagenbeck). Die Blütezeit der Völkerschauen war in Europa zwischen 1870 und 1940.

May Ayim, eine der Pionierinnen der afro-deutschen Bewegung und der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland, übt in diesem Zusammenhang in der zweiten Hälfte des 20. Jh. deutliche Kritik an der christlich-abendländischen Farbsymbolik, die „die Farbe Schwarz von jeher mit dem Verwerflichen und Unerwünschten in Verbindung“ gebracht habe:

„Entsprechend sind in der frühen Literatur Beispiele zu finden, wo weiße Menschen durch unrechtmäßiges Verhalten zu ‚Mohren‘ werden. Im Kirchenvokabular des Mittelalters wurden in markanter Weise die Bezeichnungen ‚Aethiops‘ und ‚Aegyptius‘ zeitweise als Synonyme für den Begriff Teufel benutzt.

Religiös bestimmte Vorurteile und Diskriminierungen bildeten so einen Teil des Fundamentes, auf dem sich in der Kolonialzeit mühelos ein Konglomerat rassistischer Überzeugungen entfalten konnte, welches die Schwarzen Heiden (Mohren) zu Schwarzen Untermenschen (Negern) werden ließ.“ May Ayim (1997)

Das „Mohrenland“: Zur geografischen Herkunft der „Mohren“

Heute wird der Begriff „Mohr“ mit Menschen aus Subsahara-Afrika in Verbindung gebracht, der historische Sprachgebrauch zielt dagegen auf Menschen aus nordafrikanischen Regionen, vor allem aus Nordostafrika (Äthiopien, Eritrea, Abessinien, Aksum, Nubien) und Nordwestafrika (Mauretanien, Westsahara, Mali, Ma- rokko, Algerien, siehe Bidhan).

Im Deutschen hat das Wort „Mohr“ allem Anschein nach historisch eine stärkere Affinität zum altgriechi- schen Wort ethiopos (für „verbranntes Gesicht“). Die Identifizierung von Mohren mit Mauren kommt von der zugrundeliegenden Lautähnlichkeit und dem spanischen Einfluss, wo moro aus historischen Gründen das Wort für den arabisch-islamischen Mauren ist.

Wenn im Mittelalter, so zum Beispiel auch im Zusammenhang mit dem „Freisinger Mohr“, latinisiert von caput aethiop(i)s bzw. caput ethiopicum die Rede ist, hat dies im damaligen Kontext daher nicht unmitt- elbar etwas mit Äthiopien zu tun, sondern ist bereits allgemein mit „Mohrenkopf“ zu übersetzen.

In diesem Sinne übersetzt auch Martin Luther das Land Kusch, das sich südlich an Ägypten anschloss (Ezechiel 29,10) und im griechisch-römischen Sprachraum den Namen Äthiopien erhielt (so auch in der Septuaginta), konsequent mit „Mohrenland“.

Dabei gibt der Prophet Jeremia (Jer 13,23) den Ausschlag, wo es heißt: „Kann etwa der Kuschite seine Haut wandeln oder der Panther seine Flecken?“. Auch hier steht bei Luther „der Mohr“.

Der Prophet Jesaja hat dagegen bei seiner Beschreibung der Kuschiten (Jes 18) nicht auf die Hautfarbe angespielt, sondern stattdessen auf ihre Körpergröße („hochgewachsen“) und Unbehaartheit („blank“).

Im Blick auf den äthiopischen Kämmerer scheint Luther außerdem die Begriffe „Morgenland“ und „Mohr- enland“ miteinander zu identifizieren. 1670 schrieb Jerónimo Lobo über die „wahre Beschaffenheit des Mohrenlandes, sonderlich des abbysinischen Kayserthums“.

Andererseits verstand Giovanni Antonio Cavazzi da Montecuccolo 1694 bei seiner historischen Beschreib- ung des „occidentalischen Mohrenlandes“ darunter neben anderen Gebieten die drei Königreiche Kongo, Matamba und Angola.

1728 erschien erstmals in Deutsch der Bericht von Bartolomeo de Rogatis Von dem Verlust des König- reichs Spanien und dessen Wieder-Eroberung aus denen Händen der Mohren, womit wiederum die Maur- en gemeint sind.

1894 wurde das Buch Dr. Adschai Samuel Crowther, der erste evangelische Neger-Bischof, oder Mohren- land wird seine Hände ausstrecken zu Gott veröffentlicht. Hier liegt also auch Nigeria im Mohrenland.

Sogar Anfang der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts erschienen noch Titel wie Als Mohrenland noch christlich war ... (G. von Massenbach, 1933), Der Erstling aus Mohrenland (Biographisches von Samuel Ali Hussein, 1932) oder Altes und Neues aus dem Mohrenland (Kirchen- und Missionsgeschichtliches von Christoph Schomerus, 1934), wobei hier sowohl „Mohr“ und „Neger“ austauschbar werden als auch zu- nehmend ganz Afrika zum „Mohren-“ bzw. „Negerland“ wird.

Mohren in der europäischen Kulturgeschichte - Die Sibylle Agrippina

Die Sibylla Agrippina wird als einzige unter den Sibyllen als Mohrin im Purpurgewand dargestellt, zum Beispiel durch den flämischen Maler Jan van den Hoecke (1611-1651).

Mohren in der europäischen Kulturgeschichte - Biblische Gestalten

Da Luther in seiner Bibelübersetzung die Kuschiter generell mit Mohren identifizierte, gelten heute auch einige biblische Gestalten als Mohren bzw. Mohrinnen. Dagegen sprechen die Einheitsübersetzung von Kuschitern und die King James Bible von Äthiopiern.

Mohren in der europäischen Kulturgeschichte - Die Frau des Moses

Moses heiratete eine Kuschitin (siehe Zippora). Die entsprechende Passage im Buch Numeri 12,1 heißt bei Luther: „Und Mirjam und Aaron redeten wider Mose um seines Weibes willen, der Mohrin, die er genommen hatte, darum dass er eine Mohrin zum Weibe genommen hatte...“

Mohren in der europäischen Kulturgeschichte - Serah, der Mohr und Tirhaka, König der Mohren

Auch beim kuschitischen Heereszug gegen König Asa (2 Chr 14,7-8) ist bei Luther vom „Sieg Asas über die Mohren“ die Rede und von deren Anführer „Serah, der Mohr“. Nach Pierer's Universal-Lexikon von 1857 handelt es sich um einen ägyptischer König, der bei den klassischen Schriftstellern Osorthon heiße und um 950 v. Chr. von Asa besiegt worden sei.

Im Zweiten Buch der Könige (19,9) und in Jesaja (37,9) nennt Luther Thirhaka „König der Mohren“ bzw. „der Mohren König“. Es handelt sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um Taharqa, König von Kusch bzw. Nubien, der von um 690 bis 664 v. Chr. regierte.

Mohren in der europäischen Kulturgeschichte - Äthiopischer Kämmerer

In der Apostelgeschichte (Apg 8,26) ist von einem äthiopischen Kämmerer der Königin Kandake - bei Luther aus dem „Mohrenland“ - die Rede, der vom Diakon Philippus getauft wird.

Dieser Mohr gilt als Gründer, Philippus als Vater der äthiopischen Kirche. Schon der Kuschite, bei Luther wieder „Mohr“, Ebedmelech war zu Zeiten des Propheten Jeremia als Hofkämmerer beschäftigt (Jer 38 -39). Immerhin rettet dieser den Propheten aus der Zisterne.

Die Darstellung der „Taufe des Kämmerers“ wurde im 16. und 17. Jahrhundert speziell in den Nieder- landen ein beliebtes Sujet, unter anderem bei Abraham Bloemaert (1566-1651) und Rembrandt (1606 -1669).

Mohren in der europäischen Kulturgeschichte - Die Mohrin im Hohenlied Salomos und die Königin von Saba

Anders verhält es sich in Bezug auf das Hohenlied der Liebe, das allgemein dem König Salomo zuge- schrieben wird. Er beschreibt dort seine Geliebte als dunkelhäutig (1,5-6): „Ich bin schwarz, aber gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems, wie die Hütten Kedars, wie die Teppiche Salomos.

Sehet mich nicht an, dass ich so schwarz bin; denn die Sonne hat mich so verbrannt.“ Aufgrund dieser Beschreibung, also nicht aufgrund einer Übersetzung folgte der Schluss, dass es sich um eine Mohrin handeln müsse.

Diese Figur wird der Tradition gemäß mit der Königin von Saba identifiziert. Daher haben mittelalterliche Künstler geschlossen, dass die Königin von Saba eine Mohrin gewesen sein müsse.

Eine frühe und recht eindrückliche Darstellung in diesem Sinne findet sich im romanischen Verduner Altar in Klosterneuburg aus dem Jahr 1181. Und ebenfalls am Ende des 12. Jahrhunderts findet sich in Parma eine Statuen-Darstellung der Königin von Benedetto Antelami (um 1150 – um 1230).

Er gestaltete sie als mittelalterliche Prinzessin, dunkelhäutig und mit blondem Haar.

Mohren in der europäischen Kulturgeschichte - Schwarze Madonna

Vermutlich in der allegorischen Übertragung des Hohenliedes auf Jesus (Gott) und Maria (Kirche) und in Anlehnung an die Darstellungen der Königin von Saba kam es zu Darstellungen von Maria, der Mutter des Jesus von Nazareth, als Mohrin, siehe Schwarze Madonna.

Die ältesten, der Legende nach wie viele Ikonen dem Evangelisten Lukas zugeschriebenen, Bildnisse von Schwarzen Madonnen, stammen wohl aus dem 6. bis 9. Jahrhundert, die entsprechenden Statuen aus dem 12 und 13. Jahrhundert.

Die Tradition von Oropa im Piemont erzählt davon, dass der heilige Bischof Eusebius von Vercelli († 381) im 4. Jahrhundert, nach seiner Teilnahme am Konzil von Nicaea, eine Schwarze Madonna mitgebracht und in die von ihm gegründete Klosterzelle gebracht habe. Die heute dort verehrte Statue stammt da- gegen eher aus dem 13. Jahrhundert.

Mohren in der europäischen Kulturgeschichte - Der Mohr der heiligen drei Könige

Einer der Heiligen Drei Könige wird seit dem 12. Jahrhundert, verstärkt seit etwa Anfang des 14. Jahr- hundert als schwarzer Afrikaner dargestellt. Hintergrund ist die schon ältere Auffassung von Augustinus und Hrabanus Maurus, dass die drei Könige Nachfahren der drei Söhne Noahs seien und die drei damals bekannten Erdteile repräsentieren.

Je nach Region und Tradition unterschiedlich wird Caspar – der „jüngste“ König, der Weihrauch bringt –, Melchior oder Balthasar als Mohr dargestellt. Zunächst war es wohl überwiegend Balthasar, der auch als König von Saba aufgefasst wurde, doch später in der Volkstradition am häufigsten Caspar, der diese Kennzeichnung erhielt.

Die Volkstradition kann sich dabei auf Pseudo-Bedas Codex Vaticanus (traditionell ins 10. Jh. datiert) berufen, wo Kaspar als Mohr genannt wird. Melchior wird unter anderem in der Geschichte „Warum der schwarze König Melchior so froh wurde“ von Karl Heinrich Waggerl so beschrieben.

Diese Auffassung wurde im Mittelalter auch im Ingeram-Codex von 1459 vertreten. Die dunkle Hautfarbe, die man dem König zuschrieb, entstammt wohl einer Fehldeutung eines überlieferten Textes.

Dennoch hat sich die Darstellung eines Königs als Mohr in der Bildenden Kunst bis heute erhalten. Insbe- sondere in der Gotik- und Renaissance-Malerei nördlich der Alpen entwickelte sich der dunkelhäutige nach und nach zum schwarzen König:

Während im Ingeram-Codex König Melchor ein Mohrenwappen führt, ist es in einem Tiroler Wappenbuch aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts der selbst hellhäutig dargestellte König Balthasar.

Im religiösen Brauchtum rund um das Dreikönigsfest, insbesondere beim Sternsingen, wird traditionell ein König geschwärzt. Auf diesen Brauch abhebend zeigen mehrere bundesdeutsche Briefmarken einen Mohr- enkönig.

Mohr - Hl. Mauritius

Der hl. Mauritius († um 290) wurde - ähnlich wie auch der Hl. Maurus - aufgrund seines Namens in langer Tradition als Mohr gesehen. Nicht selten wurde im deutschen Alltagssprachgebrauch aus dem Vornamen Mauritius bzw. Maurus die geschliffene Kurzform Mohr.

Mauritius war zunächst Schutzpatron Burgunds. Am 21. September 937, am Vorabend des Festes des Heiligen Mauritius, gründete der im Jahr zuvor zum König gekrönte Otto I. in Magdeburg in Anwesenheit von zwei Erzbischöfen, acht Bischöfen und zahlreicher weltlicher Adliger das Mauritiuskloster.

Nach seiner Heirat mit Adelheid, der Tochter von König Rudolf II. von Burgund, im Jahr 951, erhielt Otto I. von deren Bruder König Konrad III. von Burgund zum Weihnachtsfest 960 die Reliquien des hl. Mau- ritius aus der Abtei Saint-Maurice im Schweizer Kanton Wallis, die er ins Mauritiuskloster brachte.

955 ließ er den ersten Magdeburger Dom bauen, der der hl. Katharina von Alexandrien und dem hl. Mau- ritius geweiht ist. Historischer Hintergrund ist wohl der Sieg gegen die Ungarn auf dem Lechfeld von 955, den Otto auf die Hilfe des hl. Mauritius zurückführte.

962 ließ Otto I. sich im Zuge seiner Krönung zum Kaiser von Papst Johannes XII. auch das Fest des Heiligen bestätigen. Zur Zeit der Ottonen und Stauferkaiser breitete sich die Verehrung von Mauritius in ganz Deutschland aus, er wurde zum Reichsheiligen und zum vom Hochadel bevorzugten Kriegerheiligen.

Unter anderem wurde die von ihm der Legende nach übermittelte „Heilige Lanze“ als Reichskleinodie in wichtigen Kriegszügen des Reiches vorangetragen. Vom 12. Jahrhundert an fand die Salbung des Kaisers im Petersdom zu Rom am ursprünglich von Otto I. gestifteten Mauritius-Altar statt.

Der Mauritiuskult in Magdeburg blühte unter Erzbischof Wichmann von Seeburg wieder auf, ab 1209 im nach der Feuerzerstörung (1207) unter Erzbischof Albrecht I. von Käfernburg neu errichteten Dom. Darin befindet sich eine Vielzahl von Mauritiusdarstellungen, auch eine der ältesten figürliche Statuen, die ihn als Mohr zeigt (um 1250).

Zunächst vereinzelt - zum Beispiel in der Deutschen Kaiserchronik aus dem 12. Jahrhundert - vom späten 14. Jahrhundert an immer häufiger wird Mauritius als Mohr dargestellt und gilt seither auch als Patron aller Handwerker, die mit Farben zu tun haben.

Ihm wurden immer zahlreicher neue Kirchen geweiht. Immer häufiger wurde er Wappenfigur auf den Schildern von Adelsgeschlechtern und Städten - darunter am bekanntesten die Adelsfamilien Wolffskeel und Grumbach sowie die Stadt Coburg.

Der Heilige findet sich auch auf dem ältesten Siegel der Stadt Ingolstadt von 1291, aber wohl noch nicht als Mohr. Die Stadtpfarrkirche St. Moritz zu Ingolstadt trägt wohl seit dem 13. Jahrhundert dieses Patro- zinium, enthält aber ebenfalls keine Mohren-Darstellungen.

Ein von Hans Mielich (1516-1573) gemalter Ritter-Mohr Mauritius findet sich dagegen im Hochaltar des Ingolstädter Münsters. Die Kombination von Mohrenkönig und dem hl. Mauritius als Mohr erscheint auf dem Dreikönigsaltar von Hans Baldung aus dem Jahr 1507, der sich heute in den Staatlichen Museen Berlins befindet.

Gemalt wurde er für den Halleschen Dom.[30] Für die Stiftskirche St. Moritz in Halle malte Matthias Grünewald (1475-1528) im Auftrag des Erzbischofs von Magdeburg einen hl. Mauritius.

Mohr - Moses, der Äthiopier

Moses der Äthiopier bzw. der Schwarze war ein christlicher Einsiedlermönch in Ägypten, Glaubensbote bei den Sarazenen und späterer Bischof. Er wurde um 320 in Athiopien geboren und starb dort um 390/395. Als Äthiopier hatte er dunkle Hautfarbe und wurde daher traditionell als „Mohr“ dargestellt. Er ist der erste namentlich bekannte schwarzafrikanische Heilige und gilt als Patron der Afroamerikaner.

Mohr - Belakane

Die schöne Sarazenenkönigin Belakane in Wolfram von Eschenbachs Parzival ist eine Mohrin. Ihr und Gahmurets Sohn Feirefiz wird als Elster-Mischling vorgestellt („schwarz-weiß-gescheckt“). Der Sohn von Feirefiz und Repanse de Schoye wird dereinst der sagenumwobene Priesterkönig Johannes sein. Die Spekulationen über einen historischen Hintergrund dieser Figuren sind vielfältig und umstritten.

Mohr - Ludwig der Mohr und Alessandro de Medici

Der Mailänder Herzog Ludovico Sforza (1452-1508) hat bei den Italienern den Beinamen il Moro („der Dunkle“), ebenso wie der Florenzer Herzog Alessandro de Medici (1510-1537), wobei bei ihm il Moro meist mit „der Maure“ wiedergegeben wird.

Der Mohr von Venedig

Der Mohr von Venedig, der später durch Shakespeares Schauspiel Othello (um 1604, gedruckt 1622), dem Karl Meisls Theaterstück Othellerl, der Mohr von Wien oder Die geheilte Eifersucht (1806) und durch die Opern von Gioacchino Rossini (1816) und Giuseppe Verdi (Otello, 1887) bekannt wurde, war ur- sprünglich nur dem Familiennamen, nicht der Hautfarbe nach ein Mohr.

Shakespeare hatte dabei die Novelle Un Capitano Moro aus den Degli Hecatommithi (1565) von Giambat- tista Giraldi († 1573) als Grundlage verwendet. Die Moral dieser Novelle zielte auf die Unklugheit euro- päischer Frauen, wenn sie temperamentvolle Männer anderer Völker heiraten.

Historisches Vorbild dieser Novelle war Cristofalo Moro, der 1505 als Gouverneur der Republik des heili- gen Markus nach Zypern zog, um dort die Insel gegen die heidnischen Türken zu verteidigen.

Während Othello bei Giraldi seine Frau aus Eifersucht ermordet und dieser Mord später von deren Ver- wandten gerächt wird, tötet er sich bei Shakespeare nach Einsicht in seinen Irrtum selbst. Der historische Capitano Moro dagegen kehrte wohl nach drei Jahren wieder nach Venedig zurück, wobei seine Frau auf der Rückfahrt starb, was ihn in tiefe Trauer stürzte.

Während Giraldi eindeutig von der „negrezza“ des Mohren sprach, ist es in der Shakespeare-Forschung umstritten, ob die Bezeichnung „moor“ mehr auf die Herkunft, die Kultur oder die Hautfarbe oder eine Mischung daraus zielt. 1692 wurde vom Kapuziner-Missionar Dionigi de Carli eine von diesem Komplex unabhängige Schrift mit dem Titel Der nach Venedig überbrachte Mohr in Deutsch veröffentlicht.

Benedikt der Mohr

Benedikt der Mohr (um 1526 in San Fratello bei Messina in Italien, † 4. April 1589 in Palemero auf Sizi- lien) wurde als Kind von äthiopischen Sklaven in Sizilien geboren, wirkte später als Mönch auf Sizilien und Ordensoberer in Palermo.Er wurde 1807 von der katholischen Kirche heilig gesprochen.

Der Mohr Peters des Großen

Der Mohr Peters des Großen mit Namen Abraham Petrowitsch Hannibal († 1781)  war ein abbessinischer Fürstensohn und Vorfahr von Alexander Sergejewitsch Puschkin, der dessen Lebensschicksal später in einem Roman ausgestaltete.

Hannibal kam zunächst als Sklavenkind an den ottomanischen Sultanshof nach Konstantinopel und dann über den Gesandten Tolstoi als Sekretär an den Zarenhof, wo er 1705 - mit dem Zaren als seinem Paten - getauft und später von diesem wie sein eigener Sohn geliebt wurde.

Herangewachsen, nahm er eine militärische Laufbahn, fiel dann aber in Ungnade, als er sich nicht ver- heiraten lassen wollte. 1976 entstand über ebendiesen Mohren im Stile eines Märchens der sowjetische Film Wie Zar Peter seinen Mohren verheiratete von Alexander Mitta.

Schwarzer König beim Schach

In mittelalterlichen Schachbüchern wird der Schwarze König als Mohr charakterisiert, so zum Beispiel im Konstanzer Schachzabelbuch von 1479 (heute in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien).

Der Mohr von Riedlingen

Die Fasnet in Riedlingen an der Donau kennt einen Mohren, die Riedlinger selbst sind die dazugehörigen „Mohrenwäscher“. Für diesen Umstand wird folgende Geschichte als Begründung angeführt: In Riedlingen gastierte einmal ein Zirkus, bei dem unter anderem ein Schwarzer, ein „Mohr“ war.

Da die Einwohner Riedlingens bislang noch nie einen Schwarzen gesehen hatten, glaubten sie, es handle sich dabei um einen Weißen, der sich nicht gewaschen habe. Sie packten ihn, brachten ihn zum Markt- brunnen und versuchten, den Mohr weiß zu schrubben, was jedoch nicht gelingen wollte.