Die Engelmacher von Manila

Philippinen Abtreibungen für 10,00 € - 20,00 €

Der kleine Inri wurde nur drei Monate alt. In einem Slum in Manila hält Familie Ilumba Totenwache und trauert. Dabei hatten sie die Schwanger- schaft zunächst gar nicht gewollt. Mutter Angeles hatte mit Massagen und dubioser Medizin sogar eine Abtreibung versucht. Erfolglos.

Kurz vor der Geburt sagten die Ärzte dann, dass der Sohn mehrere schwe- re Behinderungen haben würde. Die Familie hatte den Kleinen trotzdem sofort in Herz geschlossen. Jetzt machen sich die Eltern schwere Vorwürfe, denn sie sehen in dem Abtreibungsversuch den Grund für Inris Behinder- ungen und den frühen Tod.

„Mein Kind musste leiden für das, was ich ge- tan habe.“

„Wir wollten abtreiben,“ sagt Vater Sokrates, „weil wir zu arm sind, wir haben drei Kinder, ich muss die Schule bezahlen, die Miete und verdiene wenig als Taxifahrer.“ Auf den Philippinen sind Abtreibungen verboten. Trotzdem gibt es pro Jahr nach Schätzungen 500.000 Schwangerschaftsabbrüche, die meisten in den Hinterhöfen der Elendsviertel - ohne medizinische Betreuung.  Denn viele wissen sich nicht anders zu helfen. Die Familien haben oft nicht genug Geld für Essen, geschweige denn für Verhütungsmittel. Je- des Jahr wächst so die Bevölkerung um über eine Million Menschen – die meisten kommen in den Slums zur Welt.

Kondome und die Pille

Kondome und die Pille – umsonst für Arme. Mehrere philippinische Städte versuchen so die Bevölker- ungsexplosion zu stoppen. Politiker wie Jospeh Juico und Ärzte informieren in Armenkliniken und Schulen über Verhütungsmethoden. In den Slums wissen die Menschen oft nur wenig darüber. Aber viele Familien haben Angst, noch mehr Kinder zu bekommen, fünf und mehr sind ganz normal – und mit dem jedem Baby wächst die Not. „Wenn Sie in die Slums gehen, dann sehen Sie dort Hunderte, und Aberhunderte von Kindern auf den Strassen rumlaufen.

Die Eltern sind nicht in der Lage, sich so um sie zu kümmern, wie es angemessen wäre. Die Menschen dort dursten geradezu nach Wissen, sie wollen es und brauchen es. Wir wollen ihnen die Möglichkeit bieten, zu einer angemessen Familienplanung. Doch vielen Städten fehlt das Geld dafür, und vom Staat kommt kaum Unterstützung. Denn die Regierung wirbt für natürliche Verhütungsmethoden – auf Druck der katholischen Kirche. Abtreiber und Arbeiter Satans wurde Joseph Juico von Priestern genannt, die Kondome für Teufelszeug halten.

Im katholischsten Land Asiens kann die Kirche Politikerkarrieren beenden – so groß ist der Einfluss auf die strenggläubige Bevölkerung. Ein Gesetz, künstliche Verhütungsmethoden massiv zu fördern, findet daher keine Mehrheit im Parlament. Die Kirche lehnt es ab und hat schon gewarnt, sich die Namen der Unter- stützer für die nächsten Wahlen zu merken. Unterdessen sind direkt neben dieser Kirche in Manila für rund fünf Euro verbotene Abtreibungspillen zu bekommen.

Zwischen Kräutern werden sie unter der Hand verkauft, geschmuggelt aus Thailand und Südkorea. Wir geben vor, Pillen für eine schwangere Freundin zu suchen und werden bei dieser Verkäuferin schnell fün- dig. Die Freundin solle die ganze Nacht nichts essen, und am Morgen die Pillen schlucken. Nach ein paar Stunden würden die Blutungen einsetzen. Alles sei ganz einfach und zu Hause zu erledigen.

Methoden für das Adoptionsprogramm auf den Philippinen

Tatsächlich enden Zehntausende Frauen nach Abtreibungen wegen Infek- tionen im Krankenhaus. Immer wieder kommt es sogar zu Todesfällen, weil bei Komplikationen kein Geld mehr das ist für den Arzt. Dann sieht der Mann im Hintergrund unsere verdeckte Kamera, die Frau bricht das Gespräch ab. Die Kirche antwortet auf den Abtreibungsboom mit Adop- tionsprogrammen. Ein Zuhause für die Engel nennt sich diese Einricht- ung. Schwester Pilar versucht Frauen mit ungewollten Schwangerschaft- en dazu zu bewegen, die Kinder trotzdem auszutragen und zu behalten. Sie bietet aber auch an, die Babies nach der Geburt hier vorübergehend oder ganz aufzunehmen, und sucht dann nach neuen Eltern. Einige der Kleinen hatten die Mütter irgendwo abgelegt, teilweise kaum noch lebensfähig, manche mit Behinderung- en. Bei dem Jungen sind ein Bein und die Finger verwachsen. „Alle Ärzte, denen wir dieses Baby gezeigt haben, bestätigen, dass die Frau starke Medizin genommen haben muss mit der hohen Wahrscheinlich- keit, dass sie versucht hat, abzutreiben."

Die Kinder bleiben meist nicht sehr lange im Heim. Denn Adoptiveltern werden schnell gefunden. Seine sind zum Beispiel schon auf dem Weg. Kinder aus der Einrichtung leben mittlerweile in der ganzen Welt. Die Erfolgsgeschichten des Hauses hängen im Treppenhaus. „Gott hat einen Masterplan für alles: Er hat einen Plan für dich, deshalb bist du auf der Welt, deshalb war deine Mutter stark genug, dich auf die Welt zu bringen. Und er hat einen Plan für alle anderen Babies. Und es steht uns nicht zu, in diese Pläne ein- zugreifen. Aber wir sind hier, um den Plan für Gott zu erfüllen".

Abtreibung vom zerstückelten Babyfötus auf den Philippinen

An diesem verdreckten Fluss sind wir verabredet mit einer Frau, die Ab- treibungen bei anderen durchführt für zehn bis 20 Euro. Wer sich dabei erwischen lässt – wird bestraft wie ein Mörder. 100te Abbrüche hat Nene schon eingeleitet. Die Mutter von drei Kindern hat es sich von einer an- deren zeigen lassen. Sie verabreicht zunächst Pillen und massiert, wenn das nicht wirkt, nimmt sie einen Katheder:

„Den schiebe ich so in den Unterleib,“ sagt sie, „da bleibt er 24 Stunden. Wenn der Fötus nicht raus- kommt, muss ich ziehen, das tut der Frau sehr weh.“ Die Babies würden ihr leid tun, aber sie mache es auch, um den Frauen zu helfen, darunter verzweifelte Schülerinnen und Prostituierte. „Ich fühle mich oft schlecht dabei, vor allem, wenn die Frauen sagen, sie seien erst im zweiten Monat, und es stellt sich heraus, dass sie schon weiter sind, etwa im dritten. Manchmal ist der Fötus schon ziemlich komplett.“ Nene stirbt wenige Tage nach dem Interview an einer Infektion: Sie war wieder schwanger gewesen – erfahren wir später - und hatte an sich selbst eine Abtreibung vorgenommen. Link: wdr