Manilas Powergirls vom Finanzamt

Manilas Powergirls vom Finanzamt

Sie heißen Ellen,Cheryll,Ludy,Edna oder May. Sie sind gewissenhaft und gottesfürch- tig und vor allem unbestechlich. Sie das meistgefürchtete Anti Korruptions-Komm- ando im philippinischen Staatsdienst. Vater im Himmel, beginnen sie ihr Morgengebet, hilf uns, damit auch dieser Tag erfolgreich wird. Denn ihr Job als Kassenprüferinnen der Nation ist nicht gerade ungefährlich.

Cheryll Apalisoc, Steuerbeamtin

„Ich befragte einmal einen Behördenchef“, sagt sie, „ich war angemeldet, er erwartete mich. Das ganze Gespräch über putzte der Mann sein Gewehr.“

Nelia Villeza, Steuerbeamtin

„Als unser größter Fall vor den Gerichtshof kam“, sagt die Teamchefin, „beteten wir, Gott möge beweisen, dass er für alle Filipinos da ist und nicht bloss für die Reichen.“ Vor ein paar Monaten schien es noch, als sei Gott zumindest nicht für Kassenprüfer da. Mordfall in Manila, das Opfer: Ein Steuerfahnder. Doch der Fall war komplizierter, eher ein privates Eifersuchtsdrama. Der Hintergrund: Auch viele Steuerbeamte leben in den besten Vierteln, leisten sich Autos und Geliebte. Finanziert durch Geldgeschenke derer, die sie überprüfen müssten.

Sheila S. Coronel, Journalistin

„Das ist ein Haus in einer der teuersten Wohngegenden hier. Der Besitzer ist ein Beamter, der etwa 300. 000 Pesos im Jahr verdient, umgerechnet etwa 5000 Euro. Jeder der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes hier muss laut Gesetz seinen Besitz angeben.Wir haben einmal diese Angaben mit dem verglich- en, was über Grundbucheinträge, Fahrzeugzulassungen und so weiter zugänglich ist. Und wir fanden her- aus, dass die Angaben vieler Beamter offensichtlich weit von der Wirklichkeit abweichen.“

Über solche „Lifestyle-Checks“, Überprüfungen des Lebensstils also, stürzte auch Staatspräsident Estrada, der nun vor Gericht steht. Umso mehr präsentiert sich vor den anstehenden Wahlen seine Nachfolgerin als Kämpferin gegen Bestechlichkeit. Doch nicht nur Gloria Arroyo verspricht da viel, auch jeder Gegen- kandidat, und sei er noch so schillernd. Ebenso wie sie alle die Armut abschaffen wollen, alles wie gehabt. „Ich werde Gloria wählen“, sagt sie dennoch, „sie verdient eine zweite reguläre Amtszeit.“

„Ich bin für den ehemaligen Polizeichef Lacson“, sagt er, „der ist am deutlichsten gegen Korruption und hat gezeigt, dass er es durchsetzt.“ „Das Hauptproblem ist“, sagt er schliesslich, „das fast alle Politiker hier mehr oder weniger korrupt sind". “Die Korruption macht die Armen noch ärmer, sagt Nelia, denn sie zahlten die Rechnung, beim Trinkwasser, bei Schulbüchern, beim Strom". Als der Gerichtshof Nelias Kassenprüferinnen recht gab, musste der Nationale Stromkonzern jedem Kunden Geld zurücker- statten.

Nelia Vilezza, Steuerbeamtin

„Seitdem haben sich hier viele Verbraucher in Initiativen organisiert, sie sind aufmerksam geworden, lassen sich von Anwälten beraten und wehren sich, nicht nur als Stromkunden, gegen die Konzernpraktik- en.“ Der Stromversorger hatte schlicht seine Gewinne erhöht, weil er auch Ausgaben, die mit der Branche nichts zu tun hatten, den Verbrauchern mitberechnet hat. Nun wächst auch die Kritik an Wasserkonzern- en. Kundgebung vorm Werkstor: Gebt zurück, was ihr den Kunden zuviel abgenommen habt, heisst es auch hier. Die Firma gehört einer der reichsten Familien des Landes.

Lito Camacho, ehem. Finanzminister

„Korruption und Manipulation beschädigt auch das internationale Ansehen der Philippinen, auch wenn es sie sicherlich auch anderswo gibt“, sagt uns ein Ex-Minister, der aus Protest sein Amt zurückgab. „Die Kosten für die Wirtschaft erhöhen sich, Entscheidungen sind nicht verlässlich, auf welcher Ebene auch immer.“ Was wäre am dringendsten zu tun, fragen wir. „Das erste ist Abschreckung. Sie müssen Korrup- tion dingfest machen, wo immer es geht, und diejenigen stoppen, die sie begehen.

Dann müssen sie eine Umgebung schaffen,die andere von Korruption abhält.“Eine Weile hatte es so aus- gesehen,als sei der jetzigen Regierung das gelungen. Den Betreibervertrag für ein neues Flughafen Ter- minal, einst mit auffälligen Gewinnversprechen auf den Weg gebracht, hatte sie prüfen und von Gerichten annulieren lassen. Auch deutsche Aktionäre, ob nun profitversessen oder naiv, mussten einsehen, dass sie zu hoch gepokert hatten. Und auch die Detailarbeit der Vorzeigefrauen hat bewiesen, dass die Anti Korruptions-Einsätze Früchte tragen, solange sie sich ihre Sicht nicht trüben lassen.

Ludy de Leon, Steuerbeamtin

Manila Steuer Finanzamt

„Wir sind ja nur kleine Leute“, sagt Ludy, „aber auch wenn wir starke Gegner haben, wir vertrauen auf unsere Dokumente, dafür kämpfen wir.

Dennoch, sagen die Journalisten:

Für viele, auch in den Steuerbehörden selbst, bleibt die Verlockung eines dis- kreten Geschäfts auf Gegenseitigkeit.

Sheila S. Coronel, Journalistin

„Wir haben in Interviews mit Geschäftsleuten auch immer wieder gehört, dass Steuerbeamte ihnen von sich aus angeboten hätten, sie sollten lieber eine Bestechungssumme zahlen, damit ihre Steuerschuld nicht gar so hoch ausfalle.“Wäre Korruption wahlentscheidend, müssten alle ihn wählen". Ex-Minister Rocco machte hier Schulbücher billig, indem er im Bildungssektor einen Schmiergeldsumpf austrocknete.

Doch bei der Wahl gilt er als Aussenseiter. Schlussrunde bei den Steuerfrauen: Schmiergeld wurde ihnen nie direkt angeboten, sagen sie, wohl aber über Mittelsleute, das sei die übliche Praxis. Der Quar- tiergeber etwa, wenn sie während einer Betriebsprüfung vor Ort wohnen, der komme dann und biete sich als Bote an.

Und, werden die Wahlen etwas ändern? Wann immer hier Wahlen sind, hoffen wir darauf, dass danach jemand das Land gut führt, die Menschen zusammenbringt und auch sie ermuntert, ihr bestes zu geben. Und keiner, der nur persönliche Interessen verfolgt. Letzte Frage: Warum sind hier ausschliesslich Frau- en. Sind die weniger bestechlich? Keine Ahnung, sagte uns am Ende Cheryll, dass dies hier eine Frauen- runde sei, sei reiner Zufall. Link:daserste.de