Der chinesische Friedhof in Manila

Unerbittlich ist die Sommerhitze in Manila. Kein Wind, und der Smog lässt die Menschen kaum atmen. Kinder schlafen auf blankem Beton.
Ein alter Mann liegt auf einem Stück Pappe und döst. Hoch auf dem Hügel - dort, wo auch im Sommer ein sanfter Wind durch die Zweige der Bäume weht-liegt die Millionaires Row, die Straße der Millionäre.
Sie liegt mitten in Little Beverly Hills und direkt neben dem größten Slum Südostasiens. Die mehrstöckigen Häuser in der Millionaires Row haben Klimaanlage und Fernseher, Polstermöbel und Bade- zimmer: Willkommen in der Welt der philippinischen Chinesen! Willkommen auf dem chinesischen Fried- hof von Manila !
Manila - Millionäre bleiben unter sich

In der Stadt der Toten ist es genauso wie im richtigen Leben: Die Reichen in der Millionaires Row bleiben am liebsten unter sich. Manche der Tempel sind mit purem Gold verziert und werden rund um die Uhr bewacht. Haus- meister kümmern sich um die Pflege der Grabstätten;an Allerheiligen kom- mt die Familie, spielt im Mausoleum Karten und isst. An normalen Sonn- tagen besuchen die Angehörigen die Gräber ihrer Liebsten mit buntem Pa- piergeld: Das legen sie auf das Grab, damit es dem Toten auch im Jenseits nie an Geld mangelt.
Manila - Symbole und Geschichten

35 Hektar groß ist der chinesische Friedhof von Manila, und seine Bau- werke sind ein Spiegel verschieden- er Stilepochen chinesischer Händler von Manila. Alle Bauwerke sind reich an Symbolik und reich an Geschicht- en.
Viele Eingangstore ziert in Rot das chinesische Glückszeichen für langes Leben. Löwenstatuen vor dem Eingang schützen vor bösen Geistern - eb- enso kleine Öfen, in denen Räucherstäbchen verbrennen. An der Front- seite der Grabmäler sind wie auf einem Altar die Fotos der Verstorbenen
zu sehen. Links ist die Seite der Ehefrau: Ist dort kein Foto, sonder nur ein Symbol in der chinesischen Glücksfarbe Rot, ist die Frau noch am Leben. In manchen Grabmälern wird das Bild des Mannes auf beiden Seiten von einem Frauenbild flankiert: Das waren jene Männer, die sich neben ihrer Ehefrau eine Geliebte leisteten.
Auch die Namen auf den Grabmälern erzählen Geschichten: In Little Beverly Hills liegt unter anderem ein Fabrikant mit seinem Sohn begraben: Beide wurden am selben Tag umgebracht. Ein paar Tage zuvor waren sie entführt worden. Man sagt, die Entführung habe ein Konkurrent in Auftrag gegeben, und die Familie der Toten habe kein Lösegeld bezahlt.
Manila - Die Geschichte der Chinesen
Auf dem chinesischen Friedhof in Manila sind neben buddhistischen Symbolen viele christliche Kreuze zu sehen. Die Philippinen sind katholisch: Bereits unter den spanischen Kolonialherren waren viele Chinesen zum katholischen Glauben konvertiert. Heute bekennen sich von den zirka 1,5 Millionen Chinesen in den Philippinen zirka 85 Prozent zum Christentum.
In der Nähe des chinesischen Friedhofs, von Biondo bis nach Santa Cruz, befindet sich die Chinatown von Manila: Den Spaniern waren die Chinesen suspekt. Darum wollten sie sie fern halten von Intramuros, der befestigten Stadt. 1594 gründeten sie für die Chinesen jenseits der Mauer und des Forts Santiago eine Siedlung. Das Misstrauen der Spanier war berechtigt: Die Chinesen erhoben sich mehrmals gegen die Spanier, wurden aber jedes Mal durch Repressalien bestraft.

Während der Zeit der Spanier wurden viele Chinesen durch den Galeon- enhandel reich. Heute sind sie ebenso wie damals als äußerst findige Händler bekannt.
Viele gehören zur reichen Oberschicht, und viele bekannte philippinische Persönlichkeiten haben chinesische Vorfahren.
Der unvergessene Freiheits- und Nationalheld der Philippinen, Dr. Jose Rizal, hatte ebenfalls chinesische Vorfahren.
Im chinesischen Friedhof von Manila bieten Grabpfleger (1) - bis (3) stündige Führungen an: Eingang Santa Cruz, Huertas Street. @ G. Dürselen
