San Carlos

San Carlos Stadtgalerie (City Gallery)

San Carlos ist die sauberste Stadt, die wir so bisher auf den Philippinen noch nicht gesehen haben und später noch sehen werden. Verstärkt wird der gesamte positive Eindruck durch etliche ansehnliche Privathäuser, die sich mit vielen bunten Topfblumen und -Minibäumchen vor ihrem Haus geschmückt haben. Noch überwiegen die Padicabs (auch Trisicads ge- nannt = ein Fahrrad mit überdachtem Beiwagen) das Straßenbild; eine Fahrt kostet pro Nase 3 P ! Die etwa 120 000 Seelen des Distrikts weisen eine überdurchschnittliche Zuwachsrate von über 3% auf. Und das nicht durch Zuwanderung, son- dern durch die Geburtenrate. Das bedeutet, in

30 Jahren wird sich die Bevölkerung vermutlich verdoppeln. Fünf Familien teilen sich somit den gesamten Grundbesitz, eine davon mehr als die anderen, und hat damit das Obersagen. Hier herrscht eine funkti- onierende demokratische Diktatur, die ihresgleichen in den ganzen Philippinen sucht. Opa Ledesma hatte den Plan San Carlos zu der Metropole in den zentralen Visayas auszubauen, was nun zügig von den Enk- eln vorangetrieben wird und vom Sohnemann,

der inzwischen Senator ist, mit Geldern aus Manila unterstützt wird. Grundlage ist dabei eine Art Mono- poly der Zuckerbarone. Wenn mal wieder eine 6 gewürfelt wird, entsteht ein Flughafen, der bis 2005 in Betrieb gehen soll, um der überlaufenen Cebu City den Rang abzulaufen. Das Ganze wird in einem zu- kunftsweisenden 30-Jahre-Entwicklungsplan eingebunden, für den so mal eben eine neue, selbstver- ständlich demokratisch-diktatorische Stadtverordnung erlassen wurde: jeder folgende Bürgermeister muss sich daran halten, um Kontinuität zu gewährleisten - und das mehr oder weniger einstimmig.

San Carlos - Hafen

Letztere Bemerkungen sind in den Philippinen unbekannte Begriffe, da jeder neue Funktionär sofort die Baumaßnahmen des Vorgängers ein- stellen lässt. Schließlich will man verhindern, dass auch noch nachträg- lich Lorbeeren geerntet werden. Und die Fünf werden dafür sorgen, das ist sicher. Bei der nächsten 6 werden großzügig Straßen geplant. Indem die Seitenstreifen für eine spätere Verbreiterung zunächst nur mit Schot- ter gefüllt werden, wird für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich weit vor- ausgedacht, denn ein Aufkauf in vielleicht 10 Jahren bedeutet enorme Zusatzkosten.

Die zur Zeit nur geduldeten, mehr oder weniger illegalen Hütten dagegen lassen sich in einer Übernachtaktion plattmachen. Eine weitere 6 ? Ehemalige Zuckerrohrfelder werden der Stadt geschenkt, auf der schon Anfänge eines Peoples Park (Reclamation Area) entstanden sind, der in den nächsten Phasen mit etlichen Attraktionen ausgestattet werden soll. Auf anderen Flächen ist bereits die neue, moderne City Hall entstanden, umgeben von einer ebenso großzügigen Center Mall.

San Carlos Festival

Eigentlich ein großer Park, etwa 400 m nördlich der Gaisano Mall (diese befindet sich direkt neben dem Busterminal), lädt er zum Verweilen ein. Ein klassischer Pavillon und vier kleine Bars, die sich leider gegenseitig mit - allerdings guter - Musik beschallen, locken am Abend bis Mitter- nacht vorwiegend den Mittelstand zu einem Umtrunk.

Drei riesige Akazien, dicht mit Efeutute bewachsen, Kinderspielplatz, weite Rasenflächen mit beweglichen Fußballtoren und ein Basketballfeld sind nicht nur das Ziel für Sportler, hier lassen sich auch Familien zu

einem Picknick nieder. Eine relativ saubere öffentliche Toilette steht zur Verfügung. Auch Krankenhaus (leider mangelt es an Medikamenten) und Schulen wirken modern, der Hafen wurde bereits stark aus- gebaut und, man mag es kaum glauben, es existiert ein funktionierendes Abfallsystem! Mit dazu beige- tragen hat der deutsche Entwicklungsdienst, der einen technischen Berater der Stadtverwaltung zur Seite gestellt hat. Link: nikswieweg