Sibuyan Island

Sibuyan Island - Strand

Die 456 km2 große Insel Sibuyan liegt 350 Kilometer südlich der philip- pinischen Hauptstadt Manila. Von ihren 50.000 Einwohnern leben mehr als die Hälfte unterhalb der staatlich definierten Armutsgrenze. Die Provinz Romblon, in der Sibuyan liegt, belegt hinsichtlich ihres Human Development Index nur den 64. Rang unter den 77 philippinischen Pro- vinzen. Sibuyan ist erdgeschichtlich seit geraumer Zeit durch Tiefwasser- gräben vom Rest der Philippinen getrennt. So konnte auf ihr eine einzig- artige Tier- und Pflanzenwelt entstehen, derentwegen Sibuyan auch als "Galapagos der Philippinen" bezeichnet wird. Besonderes Kennzeichen der

Insel ist die Existenz verschiedener Waldformen, die von Mangroven- über Moos- und Auen- bis hin zum Bergwald des 2.058 Meter hohen Mt. Guiting-Guiting reicht. Eine nahe liegende Möglichkeit, den Lebens- standard auf Sibuyan nachhaltig zu heben, wäre daher z.B. die mit Augenmaß betriebene Entwicklung von Tourismusprojekten. Dem entgegen stehen allerdings die Interessen von zahlreichen Bergbau- unternehmen aus dem In- und Ausland, die die reichen Nickelvorkommen der Insel ausbeuten wollen.

Sibuyan liegt in den Visayas, 12 Grad Nord, 122 Grad Ost, mitten in den Philippinen. Gegen den Pazifik ist die Insel abgeschirmt durch Südluzon und Masbate, gegen das Südchinesiche Meer durch die Insel Mindoro.

Der “Lonely Planet, Philippines”, nennt Sibuyan a blessed island (geseg- net), weil die Insel von dem brutalen Abholzen so vieler anderer Inseln weitgehend verschont blieb und weite Teile seit 1996 den Status einer protected area als Natural Park geniessen. Auch Roland Hanewald (alle seine Publikationen sind unbedingt lesenswert) bezeichnet Sibuyan

in seinem Abenteuerhandbuch nach wie vor als eine seiner Lieblingsinseln. Mit seinem zentralen Gebirge (Mt. Guiting Guiting, 2.050 m), den Dschungeln, die die Hänge bedecken, den glasklaren Flüssen und Wasserfällen, bietet die Insel dem Naturliebhaber alles was er sich wünscht.

Dazu kommen noch die Korallenriffe und mit Cresta de Gallo, genannt Isla, auch noch eine kleine, im Süden vorgelagerte Insel, mit einem Strand, der seinesgleichen sucht. In den Tropen befürchtet man allerlei Gefahren, die überall lauern.

Doch nichts von allem, keine giftigen Schlangen oder sonstige gefährliche Tiere, keine Mücken auf den Dschungelwanderungen, kein Malaria, kein verseuchtes Wasser. Impfungen sind nicht erforderlich.

Das ganze Jahr über weht eine leichte Brise mit Temperaturen um 30 Grad C. Ab Juni / Juli setzt die feuchte Jahreszeit ein, d.h. Tagsüber bauen sich hohe Gewitterwolken auf, die dann meistens nachts abregnen und zum Frühstück lacht wieder die Sonne.

Eine Monsunregenzeit wie Indien kennt Sibuyan nicht, lediglich ein richtiges Tiefdruckgebiet beschert schon mal “schlechtes Wetter”. Die Taifune, die südöstlich im Pazifik entstehen, ziehen in aller Regel nördlich der Insel durch die Philippinen. Link: sibuyan

Sibuyan Island - Stoppt den Bergbau

Sibuyan Island Beach

Die von der philippinischen Regierung geförderten umfangreichen Berg- bauprojekte stellen eine erhebliche Bedrohung für Mensch und Natur dar. Die Proteste der betroffenen Bevölkerung werden immer lauter – auch auf der Insel Sibuyan (Provinz Romblon), die aufgrund ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt als "Galapagos der Philippinen" gilt.

Dort wurde am 03. Oktober 2007 der Umweltaktivist und Gemeinderat Armin Rios Marin während einer Protestveranstaltung vom Sicherheits-

personal eines Bergbauunternehmen erschossen. Damit erreichte der Kampf der "Sibuyanos" gegen den vor allem von australischen Firmen vorangetriebenen Bergbau eine neue Stufe der Eskalation.

Vom geplanten Nickelabbau betroffen wären neben dem Mount Guiting-Guiting Nationalpark auch das Schutzgebiet der etwa 1.700 Ureinwohner vom Volk der indigenen Mangyan-Tagabukid, deren Lebens- grundlagen durch die mit dem Bergbau einhergehenden Schäden unwiderruflich zerstört werden würden.

Unmittelbar nach dem Tod von Armin Rios Marin widerrief der für Umwelt- und Bergbaubelange zustän- dige Minister Lito Atienza eine bereits erteilte Genehmigung zum Einschlag von 70.000 Bäumen und er- klärte, dass er den Bergbauprojekten auf der Insel äußerst kritisch gegenüberstünde. Damit gibt es neue Hoffnung, dass der Bergbau von Sibuyan doch noch verhindert werden kann – insbesondere, wenn der politische Druck auf die Entscheidungsträger aufrechterhalten und durch internationale Proteste verstärkt wird !

Sibuyan Island - Bergbau

Die Philippinen sind allerdings nicht nur ein besonders arten-, sondern auch ein sehr rohstoffreiches Land (z.B. Kupfer, Nickel, Gold, Silber und Kobalt). Das hat dem Land die Aufmerksamkeit zahlreicher intern- ational tätiger Bergbauunternehmen (z.B. BHP Billiton, TVI, Rio Tinto, Lafyette, Pelican) eingetragen.

Die philippinische Regierung fördert Bergbauprojekte ausdrücklich als Teil ihrer Strategie zur Armuts- bekämpfung. Sie ist dafür in vielen Fällen sogar bereit, ihre eigenen Gesetze zum Schutz von Umwelt und Menschenrechten zu umgehen und Abbaupraktiken zu dulden, die weit hinter international geltenden Sicherheitsmaßstäben zurückbleiben.

Dabei ist durch zahlreiche Studien (u.a. von UN und Weltbank) belegt, dass die Förderung von Bergbau- projekten im Rahmen einer langfristigen und auf Nachhaltigkeit angelegten Entwicklungsstrategie im Normalfall keinen Sinn ergibt.

Von einer derartigen Politik profitieren fast ausschließlich die Bergbauunternehmen. Die langfristigen Folgen der Umweltzerstörung und die sozialen Kosten haben dagegen die jeweiligen Entwicklungsländer und in ihnen zumeist die ärmeren Bevölkerungsschichten zu tragen.

Zudem sind die Auswirkungen für die langfristigen Entwicklungschancen der Region in den meisten Fällen katastrophal. Es besteht weitestgehende Einigkeit, dass die Zukunft der Philippinen in der Nutzung ihrer erneuerbaren Ressourcen, d.h. vor allem in einer umweltverträglichen Entwicklung von TourismusLand- wirtschaft und mariner Ressourcen, liegt.

Die Verwüstung und Kontamination ganzer Landstriche durch den Bergbau gefährdet dieses langfristige Ziel in erheblicher Weise. Auch kurzfristig sind kaum nennenswerte Vorteile zu erwarten.

Untersuchungen auf lokaler Ebene (z.B. in Marunduque und Benguet) zeigen, dass durch den kapitalin- tensiven maschinellen Bergbau in aller Regel für die oft kaum ausgebildete Bevölkerung vor Ort kaum Jobs entstehen. Auch größere Steuereinnahmen sind im Gegenzug für die Zerstörung von Umwelt und Lebensgrundlagen durch den Bergbau kaum zu erwarten.

Denn internationale Bergbauunternehmen werden vor allem mit Hilfe umfangreicher Steuererlasse und -erleichterungen auf die Philippinen gelockt. Ende 2006 lagen nicht weniger als 2.000 Anträge für Berg- bauprojekte vor.

Sibuyan Island - Nationalpark

Der Mount Guiting-Guiting Nationalpark wurde 1996 gegründet, um die einzigartige Natur Sibuyans zu schützen.

Noch im selben Jahr wurde die Insel Teil eines von der Europäischen Union geförderten Naturschutz- programms, National Integrated Protected Areas Programme (NIPAP), in dessen Rahmen die Einrichtung von acht Schutzgebieten mit 10,6 Millionen Euro gefördert wurde.

Der Park selbst ist 160 km2 groß und nimmt zusammen mit seiner 100 km2 großen Pufferzone mehr als die Hälfte der Insel ein. Seine Schutzbestimmungen bedeuteten für die Mangyan-Tagabukid, deren Leb- ensraum sich weitgehend auf dem Gebiet befindet, erhebliche Einschränkungen ihrer Lebensweise.

Daher wurde mit Unterstützung der Niederlande und des philippinischen WWF ein Projekt ins Leben gerufen, das die Integration der Lebensweise der indigenen Bevölkerung vom Volk der Mangyan-Tagabukid in das Schutzkonzept zum Ziel hatte (Integrated Conservation and Development Project (ICDP)).

Sibuyan Island - Mangyan-Tagabukid / Ancestral Domain

Die heute ca. 1.700 Mangyan-Tagabukid sind eines der am wenigsten erforschten indigenen Völker der Philippinen. Sie leben in den höher gelegenen Waldregionen Sibuyans. Ihre Existenz auf der Insel wird bereits in den Berichten der spanischen Eroberer des 16. Jahrhunderts erwähnt.

Wie fast alle Indigenen pflegen sie eine außerordentlich enge Beziehung zu ihrem Land, dessen Natur sie als beseelt begreifen. Ihren Lebensunterhalt bestreiten sie als Jäger und Sammler sowie durch Subsis- tenzlandwirtschaft.

Die Rechte der Mangyan-Tagbukid wurden 2001 nach den als fortschrittlich geltenden Vorschriften des Indigenous Peoples Rights Act (IPRA) gestärkt, indem ihre traditionellen Siedlungsgebiete als "Ancestral Domain" ausgewiesen wurden.

Damit genießen sie auf einer Fläche von 79 km2, die sich zu 60 Prozent mit der Fläche des Nationalparks überschneidet, besondere Rechte gegenüber Verwaltung und anderweitigen wirtschaftlichen Interessen. In der Praxis werden diese Rechte allerdings oft missachtet.

Sibuyan Island - Natur und Ureinwohner existenziell bedroht

Sibuyan Island im Nebel

Erheblich vom geplanten Nickelabbau auf Sibuyan betroffen wären die etwa 1.700 Ureinwohner vom Volk der Mangyan-Tagabukid, die in den höher gelegenen Waldregionen Sibuyans leben und deren Lebensgrund- lagen durch die mit dem Bergbau einhergehenden Verwüstungen zerstört würden.

Dabei ist nicht nachvollziehbar, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass Bergbauunternehmen auf der Insel ihre Aktivitäten entfalten. Sibu- yan gilt aufgrund seines Artenreichtums als das "Galapagos der Philippin-

en" und wurde 1996 in ein von der EU mit 10,6 Millionen Euro gefördertes Naturschutzprogramm auf- genommen. Der "Mount Guiting Guiting Nationalpark" und die ihn umgebende Schutzzone nehmen mehr als die Hälfte der Insel ein.

Den Mangyan-Tagabukid wurde im Rahmen eines als wegweisend geltenden Umwelt- und Entwicklungs- projekts umfassende Rechte in ihrem Stammesgebiet eingeräumt, das weitgehend mit dem Gebiet des Nationalparks identisch ist. Die Wahrnehmung dieser Rechte war von Beginn an schwer durchzusetzen. Nun aber sind in Anbetracht der lockenden Profite auch der Nationalpark und damit der Lebensraum der Mangyan-Tagabukid akut gefährdet. Link: gfbv.it

Sibuyan Island - Konsequenzen

Sibuyan ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich die Förderung von Bergbauprojekten meist nicht mit dem langfristigen Ziel nachhaltiger Entwicklung in Einklang bringen lässt.

In Anbetracht der fatalen Auswirkungen des Bergbaus ist es besonders bedenklich, dass eine Reihe großer internationaler Konzerne (unter ihnen Pelican Resources Ltd. and BHP Billiton) Einfluss auf regionale Unternehmen gewonnen haben und so - unter Umgehung der Beteiligungsrechte der Mangyan-Tagabukid und der lokalen Bevölkerung - die Exploration der reichen Nickelvorkommen vorantrieben.

Die dabei genutzten Genehmigungen (small-scale mining permits) verbieten zwar den Einsatz schweren Geräts, sind aber in jedem Fall nur die Vorstufe des geplanten großflächigen Nickelabbaus, der das Öko- system der Insel - und damit unausweichlich auch das Gebiet des Mount Guiting-Guiting Nationalparks und der Ancestral Domain der Mangyan-Tagabukid - im wahrsten Sinne des Wortes verwüsten würde.

Auch die die Insel säumenden Mangrovenwälder und vorgelagerte Korallenriffe wären in diesem Fall akut gefährdet. Mit der Zerstörung der einzigartigen Natur aber wäre jegliche Chance dahin, die Insel in nach- haltiger Weise zu entwickeln und so zu bleibendem Wohlstand zu gelangen.

Sibuyan Island - Hoffnung für Sibuyan

Die Bedrohung, der Sibuyan durch die Aktivitäten der Bergbauunternehmen ausgesetzt ist, ist - wie erwähnt - alles andere als ein Einzelfall. Allerdings ist hier aufgrund der einzigartigen, noch weitgehend unberührten Natur der Konflikt zwischen dem Umweltschutz als Voraussetzung einer nachhaltigen Ent- wicklung und der diesem Ziel zuwiderlaufenden und im Ergebnis katastrophalen Bergbauförderung der Regierung besonders deutlich und symbolträchtig.

Es ist eine bittere Ironie des Schicksals, dass es offenbar des Todes von Gemeinderat Marin bedurfte, damit die Proteste gegen die Machenschaften der Bergbauunternehmen auf Sibuyan endlich auch poli- tisches Gehör finden.

Unmittelbar nach dem Tode Marins widerrief der zuständige Minister des Department for Environment and Natural Resources (DENR), Lito Atienza, eine von seinem Vorgänger erteilte Genehmigung zum Einschlag von 70.000 Bäumen.

Im gleichen Atemzug bekundete Atienza, dass er Bergbauprojekten auf der Insel äußerst kritisch gegen- überstünde. Ohne jeden Zweifel sind die Bergbauunternehmen nach dem Tod von Gemeinderat Marin in die Defensive geraten.

Auch wenn der Anlass tragisch ist, die Chancen, den Bergbau von Sibuyan zu verhindern, haben sich damit erst einmal verbessert. Dafür aber ist es unbedingt notwendig, den politischen Druck auf die Entscheidungsträger aufrecht zu erhalten bzw. weiter zu erhöhen. Link: gfbv.it