Konstruktion eines Moro-Subnationalismus
Der bewaffnete Kampf von Befürwortern einer philippinisch-muslimischen Nation,mit dem Ziel das „tradi- tionelle Land“ der muslimischen Bevölkerung in den Philippinen zurückzugewinnen, ist ein Beispiel für eine separatistische Nationalbewegung, die oben genannte Charakteristika einer vorgestellten politischen Gemeinschaft erfüllt. Folgende Schlüsselbegriffe, mit denen die nationalistische Ideologie der MNLF op- eriert, verdeutlichen dies. Die Produktion einer gemeinsamen subnationalen Identität oder auch eines Bürgertums, wird durch die nationalistischen Führer der muslimischen Separatistenbewegung mittels des Konzepts “Moro” vorangetrieben. Die geforderte Nation, “Bangsamoro”, ist durch klare Grenzen defi- niert und ihre Rechtmäßigkeit wird aus einer postulierten gemeinsamen Vergangenheit abgeleitet, die – ein Punkt auf den ich kurz gesondert eingehen werde- alternative Lesarten der muslimischen Historie ignoriert, um ein Bild der Einheitlichkeit der 13 muslimischen Gruppen zu zeichnen und somit eine ge- meinsame Identität zu untermauern.
Durch eine selektive Geschichtsdeutung wird so also der Mythos eines gemeinsamen Widerstandes ge- schaffen, aus dem sich die Legitimität der Bangsamoro-Nation ableiten soll. All diese Konzepte sollen dazu dienen, eine Identität zu schaffen, die sich über ethnische und regionale Zugehörigkeiten, aber auch über Klassenzugehörigkeiten, hinwegsetzen soll. Die MNLF will dabei, wie alle anderen nationalen Beweg- ungen, dort Homogenität schaffen, wo Heterogenität vorherrscht. Die Konstruktion einer modernen nat- ionalen Identität hat dabei, wie in Kapitel Fünf noch beschrieben werden wird, weniger Grundlagen in der sozialen Realität der muslimischen Bevölkerung als in der voranschreitenden “Erfindung der Tradition”. Link: universität berlin/asienhaus
