Von Panama nach Jolo - "Terrorbekämpfung" mit Tradition

Die Bevölkerung im vorwiegend muslimischen Süden der Philippinen, auf der rohstoffreichen Insel Mindanao und in der Sulusee, hatte sich seit 1571 hartnäckig gegen die spanische Kolonialmacht zur Wehr gesetzt und deren Plan vereitelt, auch diesen Teil des Archipels ihrer Kontrolle zu unterwerfen. So folgte dem Spanisch-Amerikanischen Krieg (1898) bereits im Februar 1899 der Philippinisch-Amerikanische Krieg.

US-Präsident Theodore Roosevelt erklärte diese »Insurrektion« als neuer Kolonialherr offiziell zwar am 4. Juli 1902 für beendet. Doch auf Jolo dauerten die Kampfhandlungen bis 1916 an. Diese erste militärische US-Intervention in Asien – beschönigend »pacification«, »Befriedung«, genannt – dezimierte die gut sechs Millionen Einwohner zählende philippinische Bevölkerung.

In seinem Jahresbericht 1903 vermerkte US-Generalmajor George W. Davis: »Es wird notwendig sein, nahezu sämtliche Bräuche auszumerzen, die bislang das Leben (der Moros) auszeichneten. Sie sind ein grundlegend verschiedenes Volk; von uns unterscheiden sie sich in Gedanken, Worten und Taten, und ihre Religion wird eine ernste Hürde bei unseren Bestrebungen darstellen, sie im Sinne des Christentums zu zivilisieren.

Solange der Mohammedanismus vorherrscht, kann der angelsächsischen Zivilisation nur mühsam der Weg geebnet werden.« Mindanao blieb bis in jüngster Zeit die höchstmilitarisierte Region der Philippinen. Nach dem 11. September 2001 eskalierten Counterinsurgency (Aufstandsbekämpfung) und Counterterrorism – wiederum mit Hilfe US-amerikanischer Spezialeinheiten (SOF).

Unter dem Vorwand, die »radikalfundamentalistische Abu Sayyaf« aufzureiben, der Verbindungen zur Al Qaida Osama bin Ladens unterstellt werden (was philippinische Geheimdienstoffiziere als Unfug abtun), eröffnete Washington im Januar 2002 auf Basilan offiziell »die zweite Front gegen den weltweiten Terror«.

Am 10.August 2002 reiste Verteidigungsminister Angelo T. Reyes nach Washington. Dort ging es in Gesprächen mit seinem Kollegen Donald H. Rumsfeld vor allem um den verstärkten SOF-Einsatz auf den Inseln im Rahmen eines koordinierten Counterterrorism.

Seit die innere Panamakanal-Zone Ende Dezember 1999 nach 96jähriger US-Oberhoheit der Souveränität Panamas unterstellt wurde, entfiel zugleich ein ideales Terrain für »jungle warfare« – Counterinsurgency in tropischem Dschungelgelände.

Die südphilippinische Insel Jolo (wo die Abu Sayyaf im Sommer 2000 ausländische Geiseln festgehalten und erst nach Zahlung hoher Lösegelder freigelassen hatte) ist in Kreisen des Pentagon als »Panama-Ersatz« im Gespräch. Der Vorteil aus Sicht der Militärstrategen:

Das Terrain gilt, da Teil der einzigen US-Kolonie in Südostasien, als freundliches Umfeld; US-Truppen können dort gemäß bilateraler Abkommen auf unbestimmte Zeit verweilen; militärische »Befriedungen« richteten sich gegen den organisierten Moro-Widerstand; schließlich ließen sich von Jolo aus auch die Entwicklungen im krisengeschüttelten Indonesien zielgenauer verfolgen.

Legitimiert wird der unbefristete Einsatz von etwa 3000 GIs in der Region mit der angeblichen Verbindung von Abu Sayyaf zur indonesisch-malaysischen Jemaah Islamiya. Diese wird für die Bombenattentate auf Bali Mitte Oktober 2002 verantwortlich gemacht, die 200 Menschenleben forderten.http://ag-friedensforschung.de/regionen/Philippinen/werning2.html