Norma geht leer aus
Der Mann, der die Deponie schließen lässt, ist General Fidel Ramos, der dem Diktator Marcos als Polizeichef und stellvertretender Generalstabschef gedient hat und zwischen 1992 und 1998 selbst zum Präsidenten der Philippinen aufsteigt. Die Leute aus Tondo wollen das erbärmlich Wenige, das ihnen die Besteigung des Smokey Mountain bisher brachte, nicht hergeben.
Und wenn, dann nur gegen eine wirkliche Alternative. Also ringt sich die Ramos-Regierung zu einem spektakulären Projekt durch: Es wird ein Abkommen zwischen der staatlichen National Housing Authority und dem Geschäftsmann Reghis Romero geschlossen, wonach dessen Baufirma R2 Builders auf einem 21 Hektar großen Areal am Smokey Mountain und auf weiteren 40 Hektar aufzuschüttenden Geländes 3.500 Wohneinheiten für die "Squatter Families" bauen soll.
Im Gegenzug darf die Firma einen Teil der sanierten Fläche sowie sämtliche Wohnungen vermarkten, die über die vereinbarten 3.500 hinaus entstehen. Die Kosten werden auf 3,46 Milliarden Peso (seinerzeit 80 Millionen Dollar) veranschlagt. Das von beiden Vertragsparteien gepriesene große Ziel: den Schandfleck Smokey Mountain beseitigen und einem Teil der Community von Tondo ein erschwingliches Zuhause geben.
In den folgenden Jahren wird der Vertragstext immer wieder korrigiert - bis schließlich Anfang 2004 die rosa und cremefarben gestrichenen Häuser stehen. Die ersten Bewohner ziehen ein und gleich wieder aus, denn die Neubauten erweisen sich als unbewohnbar. Die Gebäude sind zwar auf planiertem, aber noch gashaltigem und nicht entsorgtem Terrain des Smokey Mountain entstanden.
Ein Reinfall, eine Katastrophe für Zehntausende aus Tondo, eine Farce und Geschäftsposse, wie sie Manila nicht eben selten erlebt. Bei diesem Deal sind Millionen von Pesos in den Privattaschen der Auftragnehmer versickert. Für das Asyl der kleinen und großen Trostlosigkeiten aber bleibt alles beim Alten.
Am 7. Februar 2007 veröffentlicht die Zeitung Manila Times einen Bericht, wonach in Tondo etwa 3.000 Menschen, es könnten auch mehr sein, eine neue, Einkommen schaffende Tätigkeit entdeckt hätten: Sie verkauften eine ihrer Nieren zum Preis von bis zu 120.000 Pesos. Da allein in Japan über 10.000 Menschen auf eine Nierentransplantation warteten, schreibt das Blatt, eröffne sich also ein "neuer Markt für die Armen Manilas".
Ein Jahr später planen Regierungsbehörden wie die Philippine Ports Authority, die National Housing Authority und das Department of Public Works and Highways unter der Formel, wir müssen endlich dem Elend zu Leibe rücken und das Nordhafengebiet von Tondo modernisieren, eine neuerliche Umsiedlung der dort lebenden Menschen.
Diesmal könnten nahezu 850.000 betroffen sein, aus Navotas und Caloocan City und den anderen nördlichen Distrikten von Tondo. "Nur diejenigen, die dort seit einer langen, langen Zeit leben und das nachweisen können", sagt Norma Alvarez, "erhalten von der Stadtverwaltung eine kleine Entschädigung von vielleicht 15.000 Pesos. Die meisten Leute aber, die gehen wie wir leer aus."@ https://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Philippinen/muell.html
