Ein neuer Markt für die Armen

Eine 2004 vom privat betriebenen Gesundheits- und Sozialzentrum Canossa in Auftrag gegebene Untersuchung ergab, dass in einem nahe gelegenen Bezirk 68 Prozent der Haushalte ihren Unterhalt mit Knoblauchschälen verdienen. Und dass 99 Prozent der Befragten am Tag weniger verdienen als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn von 350 Pesos (umgerechnet etwa neun Franken).

Laut dieser Studie leiden auch 55 Prozent an Infektionen der Atemwege, 15 Prozent an Durchfall, 8 Prozent an Hauterkrankungen und 22 Prozent häufig an Fieber. Weil sie in der Regel mit weniger als zwei Franken am Tag auskommen müssen.

Vor allem die Tuberkulose ist hier weit verbreitet. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2003 stehen die Philippinen ganz oben: In keinem anderen Staat im Westpazifik gibt es so viele Tuberkulosekranke. Täglich sterben 75 Filipinos an Tuberkulose - einer Krankheit, die seit langem heilbar ist -, jedes Jahr infizieren sich 100 000 Menschen.

Dennoch wird im Gesundheitswesen gespart, wie Emma Manuel, radiologische Assistentin des Tondo Medical Center, erläutert. Und das obwohl die Regierung im Finanzjahr 2006 gerade mal 10,4 Milliarden Peso (270 Millionen Franken) für das Gesundheitswesen ausgab - umgerechnet 3 Franken und 25 Rappen pro Einwohnerin. Ihre Klinik habe 2006 3,2 Millionen Franken erhalten - davon blieben nach Abzug der Personalkosten lediglich 620 000 Franken für Behandlungen, Operationen und den Erhalt der Gebäude übrig.

«Noch in den späten siebziger Jahren bat man nach einer Röntgenaufnahme allenfalls um eine Fünfpesospende», sagt Emma Manuel, die auch dem Vorstand der unabhängigen Alliance of Health Workers angehört. «Heute aber kostet eine solche Aufnahme mindestens 120 Pesos für Erwachsene und das Doppelte für Kinder - unerschwinglich für die Familien, mit denen wir es Tag für Tag zu tun haben.»

Anfang Februar veröffentlichte «The Manila Times» einen Bericht, wonach letztes Jahr allein in der Hauptstadt rund 3000 Menschen eine neue Einnahmequelle entdeckt hätten. Sie verkaufen eine ihrer Nieren zum Preis von 70 000 bis 120 000 Pesos (etwa 1800 bis 3100 Franken). Da allein in Japan über 10 000 Menschen auf eine Nierentransplantation warten, habe sich, so die Zeitung, hier ein «neuer Markt für die Armen» aufgetan.@ https://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Philippinen/manila.html