Klima der Gewalt

Zahlreiche Abu-Sayyaf-Mitglieder, derentwegen momentan eine US-phi­lippinische Streitmacht auf den Inseln Basilan und Jolo mit jeweils über 5000 Soldaten mobil macht, sind in einem Klima von Zerstörung und Gewalt aufgewachsen. Kein Wunder: Die »Wiege« der Organisation ist Basilan.

Dort herrschte mit Wahab Akbar lange Jahre ein Gouverneur, der in den frühen 1990er Jahren selbst Gründungsmitglied der Abu Sayyaf war und noch heute Kontakte mit der Gruppe pflegt, zumindest wenn ihm das opportun erscheint. So nutzt Akbar die staatlich verordnete Antiterrorkampagne, um mißliebige politische Gegner auszuschalten, die er öffentlich der Mitgliedschaft in der Abu Sayyaf bezichtigt.

Akbar ist heute Basilans Abgeordneter im Kongreß, während zwei seiner drei Ehefrauen den Gouverneurs- und Bürgermeisterposten in Isabela, der Hauptstadt Basilans, besetzen. Gleichzeitig läßt er keine Gelegenheit aus, um die Präsenz US-amerikanischer Soldaten auf Basilan zu loben.

»Balance des Terrors« nennt er das. Akbar sähe es am liebsten, wenn Basilan Teil der USA würde, urteilt Professor Roland Simbulan, der an der Universität der Philippinen Politikwissenschaften lehrt.

Die Folge ist eine Kultur der Gewalt. Jugendliche in der Region wachsen in dem Glauben auf, daß das Tragen eines Gewehrs ihnen Achtung verschaffe. Zukunftschancen haben ohnehin die wenigsten; denn für Ausbildung, Erziehung und medizinische Betreuung hat die Regierung in Manila stets weniger ausgegeben als für das Militär. Rache und Vergeltung ist daher ein häufiges Motiv für Jugendliche, sich der Abu Sayyaf anzuschließen.

Entweder sind ihre Eltern, enge Verwandte oder Freunde von Regierungssoldaten erschossen oder ihr Hab und Gut von diesen geplündert worden. In diesem Treibhaus von Elend und Gewalt nimmt die Militarisierung stetig zu Das politische Geschäft verkommt hingegen zum Ränkespiel.

Das mit Abstand lukrativste Geschäft ist Kidnapping. Davon erfährt man im Ausland natürlich nichts, solange nur philippinische oder phi­lippinisch-chinesische Geschäftsleute entführt und gegen Bezahlung beträchtlicher Lösegelder wieder freigelassen werden. https://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Philippinen/abusayyaf2.html