Kugeln statt Reis
Im Süden der Philippinen leben Hunderttausende Flüchtlinge im Belagerungszustand – vor einem Jahr eskalierten erneut Kämpfe zwischen Regierungstruppen und dem Moro-Wider- stand
Auf den südphilippinischen Inseln Mindanao, Basilan und Jolo, Südostasiens ältester Konfliktregion, herr- scht seit einem Jahr vielerorts wieder Krieg. Mehrfach mußte dort die Zivilbevölkerung die ebenso para- doxe wie schmerzliche Erfahrung machen, immer dann tiefer in Deckung gehen zu müssen, wenn mal wieder lauthals von Frieden die Rede war.
»Heute leben wir erneut in einem Frieden,der jedoch dem Zustand einer dauerhaften Belagerung gleicht«, sagt Mohaiya M. Die Mittfünfzigerin und ausgebildete Sozialarbeiterin ist seit Jahren in unterschiedlichen Nichtregierungsorganisationen auf Mindanao und Jolo engagiert.
Bereits 1976 und 1996 konnte sie miterleben, wie nach langen Verhandlungen zwischen der Regierung in Manila und der damals größten Widerstandsorganisation der muslimischen Bevölkerung im Süden des Inselstaates, der Moro Nationalen Befreiungsfront (MNLF), feierlich Friedensabkommen unterzeichnet wurden.
Krux - Das ist eben das Hindernis bzw. Problem
Beide Abkommen wurden rasch zur Makulatur. Im Sommer 2000 erklärte der damalige Präsident Joseph E. Estrada dem Moro-Widerstand gar den »totalen Krieg« und drohte, ihn – so wörtlich – »zu pulverisier- en«. Unvergeßlich die Szenen,da der in Khakiuniform gekleidete Präsident mit dem Helikopter einschweb- te, um seine Soldaten auf den Trümmern zerbombter Moscheen und Schulen mit gekühltem Bier und ge- grilltem Schweinefleisch bei Laune zu halten.
