Rückendeckung aus den USA

Auf Jolo operieren außerdem Marinebrigaden, Sondereinsatzkommandos der philippinischen National- polizei und Rangerverbände gemeinsam mit US-Spezialeinheiten (U.S. Joint Special Operations Task Force-Philippines, kurz: JSOTFP) unter dem Kommando des amerikanischen Oberst William Coultrup, um mit den Abu Sayyaf einen vermeintlich integralen Bestandteil der Jemaah Islamiyah (JI) »zu eliminieren«, die Militärstrategen als südostasiatischer Ableger des Al-Qaida-Netzwerks gilt.

Laut Coultrup und JSOTFP-Sprecher Major John Hutcheson geht es vorrangig um zweierlei: »Ausländisch- en Terroristen« (gemeint sind damit im wesentlichen malaysische oder indonesische JI-Mitglieder) sollen sichere Unterschlupf- und Ausbildungsmöglichkeiten auf Jolo verwehrt und die unzureichend gesicherten Seewege diesseits und jenseits der Sulu-See intensiver kontrolliert werden.

Nach US-amerikanischen Angaben sind dauerhaft etwa 100 amerikanische GI auf Jolo stationiert, wo sie lediglich in humanitären Projekten engagiert seien und ihren philippinischen Kameraden bei der Auf- standsbekämpfung assistierten.

Am 21. August kündigte US-Verteidigungsminister Robert Gates an, insgesamt 600 Mitglieder amerika- nischer Spezialeinheiten permanent im Süden der Philippinen zu belassen. Während Politiker und Militärs in Manila und Washington immer wieder beteuern, es handele sich dabei nicht um Kampfeinsätze der GIs, sehen das Kritiker vor Ort und Militärexperten wie der an der staatlichen University of the Philippines lehr- ende Professor Roland G. Simbulan anders.

Für sie steht außer Frage, daß US-Soldaten sporadisch direkt in Kampfhandlungen involviert sind und an- sonsten die sicherheits- sowie entwicklungsrelevanten Aspekte im Rahmen der Aufstandsbekämpfung ko- ordinieren. Das geschieht mittels Aufstellung Mobiler Trainingteams (MTT), kleiner beweglicher Einheit- en, die in Kooperation mit örtlichen Kräften beim Aufbau bürgernaher Projekte (z.B. Brunnenbau), bei der Durchführung (zahn-)medizinischer Reihenuntersuchungen und der psychologischen Kriegführung behilf- lich sind – getreu der traditionellen Devise »Herzen und Hirne der Bevölkerung zu gewinnen«.

Flankiert wird all das mit »nicht-traditionellen Elementen«, worunter das Einbinden von entwicklungs- politischen Organisationen und konservativen Think-tanks verstanden wird. Jolo und Mindanao waren und bleiben in der Region Hochburgen des Einsatzes solcher Institutionen und Organisationen wie der United States Agency for International Development (USAID), dem U.S. Institute for Peace (USIP), der National Endowment for Democracy und des Peace Corps, die auf je unterschiedliche Weise dafür sorgen sollen, selbst die entlegensten Orte gegen das »Einsickern von Aufständischen und Terroristen« zu feien.

Wenngleich die USA in ihrer einzigen und einstigen Kolonie in Südostasien Ende 1992 ihre größten auß- erhalb des nordamerikanischen Kontinents gelegenen Militärstützpunkte schließen mußten, ermöglichte es das vom philippinischen Senat Ende Mai 1999 ratifizierte Visiting Forces Agreement (VFA), daß seitdem über 40 000 US-Soldaten die Philippinen im Rahmen gemeinsamer Balikatan (Schulter an Schulter)-Ma- növer betreten und dort eine Zeitlang verweilen konnten.

Gegen das VFA und die geltende Landesverfassung verstoßen unter anderem die Anlandung von US- Schiffen mit Nuklearwaffen an Bord und die Installierung US-amerikanischer Militäreinrichtungen. Doch solche existieren bereits außer auf Jolo in den Städten General SantosDavaoCotabato und Zamboang auf  Mindanao.

Nach Recherchen der globalisierungskritischen Organisation Focus on the Global South (Bangkok) hat das Pentagon beispielsweise den militärischen Dienstleister Global Contingency Services LLC beauftragt, für 14,4 Millionen Dollar ein »base development«-Projekt in Mindanao zu errichten.

Im Militärjargon handelt es sich um »forward operating bases« (dt. Vorwärtsbasen), die der JSOTFP je- derzeit zur Verfügung stehen und meist auf Militärgelände der philippinischen Streitkräfte angesiedelt sind. Diese für eine Vorwärtsverteidigung geeigneten Einrichtungen dienen als Schaltstellen zur Umsetz- ung der Aufstandsbekämpfung Manilas.https://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Philippinen/flucht.html