Totgesagte leben länger
Abu Sayyaf meldet sich mit Geiselnahme zurück - Hintergründe und aktuelle Nachrichten
Rainer Werning (Autor)
Die Geiselnahme vor einem Jahr, als unter anderem auch drei Deutsche in Gefangenschaft gerieten, war ein Medienereignis und zog manche diplomatische Intervention, wahrscheinlich aber noch viel mehr verdeckte Geheimdienstaktivitäten nach sich. Am Ende konnten alle Seiten zufrieden sein: die überlebenden Geiseln, die Banditen von Abu Sayyaf, Präsident Estrada, der offenbar an dem Deal auch etwas verdiente, und der Libysche Präsident Gaddafi, dessen Vermittlungsrolle in der Geiselaffäre ihn gleichzeitig wieder auf die internationale politische Bühne brachte.
Vieles von dem, was danach passierte (Bombenangriffe auf südphilippinische Dörfer, in denen die Terroristen vermutet wurden, erneute kleinere Entführungsmaßnahmen, von denen aber keine Europäer betroffen waren) entzog sich wieder dem Blick der sensationsgierigen Medien hier zu Lande. Aufhorchen lässt die erneute Geiselnahme vom Sonntag, dem 27. Mai 2001, weil erstens unter den Geiseln sich auch drei amerikanische Staatsbürger befanden und weil zweitens die neue Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo nun zeigen kann, ob sie mit dem Problem besser umzugehen weiß als ihr abgesetzter und unter Korruptionsverdacht stehender Vorgänger.
