Treibhaus der Gewalt
800 Opfer von Todesschwadronen im südphilippinischen Davao: Die Stadtoberen geben sich ahnungslos und beschwören "Law and Order"
Sie sind vermummt, tragen Baseballmützen oder schwarze Helme – und Jacken, in denen sie ihre tödlich- en Waffen verbergen. Meist preschen sie zu zweit auf einem Motorrad ohne Nummernschild heran, um ihr ausgemachtes Opfer mit gezielten Kopfschüssen niederzustrecken, mit Messern zu erstechen oder mit Eispickeln zu erschlagen.
So schnell die Täter kommen, so schnell verschwinden sie auch – am hellichten Tage, ohne Furcht, von Passanten erkannt, von Polizisten verfolgt, geschweige denn durch spätere Zeugenaussagen vor Gericht belastet zu werden.
Sie »haken« buchstäblich die Namen auf Listen ab, die ihre Hintermänner und Auftraggeber erstellt haben. Meist sind die Opfer Kinder und Jugendliche, deren einziges »Verbrechen« darin bestand, auf belebten Marktplätzen oder vor beliebten Einkaufzentren herumgelungert zu haben.
Die Rede ist von gedungenen Schergen („Henkersknecht“), die notfalls schon für mickrige 500 Pesos (zir- ka acht Euro) ihr mörderisches Auftragsgeschäft erledigen. Sie firmieren unter so schillernden Namen wie »Notorische Gang« oder »Retter des Volkes« und sind tatsächlich Mitglieder von Vigilanten-Gangs, Bürg- erwehren, die als »death squads« (Todesschwadronen) bezeichnet werden.
Auf der größten südphilippinischen Insel Mindanao ist die »Davao Death Squad« (DDS), die in der dor- tigen Metropole Davao City ihr Unwesen treibt, landesweit am meisten gefürchtet.
Davao ist flächenmäßig die größte Stadt des Inselstaates und sähe sich mit seinen etwa 1,5 Millionen Einwohnern gern auch als blühendes regionales Touristenzentrum. Zumindest wenn es nach dem Willen des 64jährigen Rodrigo R. Duterte ginge, von Haus aus Jurist und langjähriger Bürgermeister »seiner« Stadt.
