Mauer des Schweigens

Es sei »unmöglich« gewesen, »nichts von all diesen Tötungen mitbekommen zu haben, die mittlerweile zu einer Art Markenzeichen von Davao City geworden sind«. Folglich stelle sich die Frage, um »welchen Frieden und um welche Ordnung es sich handelt, wenn diese als Preis die außergerichtliche Hinrichtung von mehreren hundert Menschen fordern

Sie widersprach damit offen der Stadtverwaltung von Davao City, ihre Stadt als »Hochburg von Frieden und Ordnung« und als »Insel der Stabilität« darzustellen. An die Zuhörer appellierte sie, die Mauer des Schweigens endlich zu durchbrechen und sich durch Zeugenaussagen an der Aufklärung der Mordserie zu beteiligen.

Duterte und andere führende Politiker Davaos zeigten sich konsterniert und stritten die Existenz einer DDS erneut lautstark ab. Die Tötungen gingen einzig und allein auf das Konto von Straßengangs, die sich untereinander befehdeten.

Diese Sicht der Dinge, konterte am zweiten Tag der Anhörung die stellvertretende Direktorin der Asien- abteilung von Human Rights Watch, Elaine Pearson, widerspreche den Realitäten. Sie verwies auf eine neunmonatige Untersuchung ihrer Organisation, für die auch Interviews mit »Insidern von Todesschwa- dronen« geführt wurden.

All diese Morde, so Pearson, seien »eindeutig staatlicherseits sanktioniert«. In Davao hätten ausgiebige Recherchen ergeben, daß die DDS »ihre Aktionen mit der Polizei koordinierte, so daß diese nirgends zur Stelle war, wo die Bürgerwehren gerade operierten

»Mitglieder der Todesschwadron«, fügte Pearson hinzu, »brauchen nichts zu befürchten, weil die Voll- zugsbeamten gleichzeitig ihre Bosse sind, die sich umgehend um deren Freilassung kümmernhttps://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Philippinen/schwadronen.html