Viel Gloria, wenig Glanz

Die Philippinen vor den Präsidentschaftswahl

Rainer Werning (Autor)

Noch immer gilt der alte Spruch: «Lebende haben mindestens zwei Stimmen, und auch Tote wählen mit.» Deswegen wird - fünf Wochen nach der Wahl - weiterhin gezählt. Natürlich habe er gewählt, sagt Malik Alcantara (Name von der Redaktion geändert) schmunzelnd. Er macht auch keinen Hehl daraus, wen er bei der Präsidentschaftswahl am 10. Mai bevorzugte: eindeutig FPJ. FPJ - Kürzel sind im Lande üblich - steht für Fernando Poe Junior.

Dabei hatte der Exschauspieler Poe, 64, der sich in zahlreichen Actionfilmen in die Herzen der Armen spielte, nur einen klaren Programmpunkt vorzuweisen - nämlich sich selber. «The King», wie ihn seine Fangemeinde liebevoll nennt, brach vorzeitig die Schule ab, grosse Reden sind nicht seine Stärke, und Verfehlungen konnten ihm seine Gegnerinnen wohl nur deshalb nicht anhängen, weil er über keinerlei politische Erfahrung verfügt.

Poe kommt aus der Unterhaltungsindustrie, und schon allein das macht ihn für viele weniger suspekt als die in Winkelzügen erprobten «trapos», wie die traditionellen VollblutpolitikerInnen genannt werden. Auch im Süden, auf der Insel Mindanao zum Beispiel, hat Poe eine begeisterte AnhängerInnenschaft.

Die meisten erinnern sich noch gut, wie seine Fans mitfieberten, wenn ihr Idol auf der Leinwand kämpfte. Drohte dem Helden bei wilden Schiessereien ein Hinterhalt, erschallten anfeuernde Rufe: «Fernando, sa likod mo!» - «Fernando, pass auf, da will dir einer ans Leder!» Auch für Malik Alcantara ist und bleibt Poe der «King».