Vermittler unerwünscht
Nie zuvor habe ich Abhoud Syed Mansur Lingga, den sonst so gefasst auftretenden und ruhigen Wissenschaftler und Leiter des muslimischen Institute of Bangsamoro Studies, derart verbittert erlebt. Professor Lingga, der seit langem die Verhandlungen zwischen der Regierung und der MILF begleitet und analysiert, reiste Mitte Mai auf Einladung des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte (UNHCHR) in die USA.
Thema der Konferenzen, an denen er teilnehmen sollte: die Friedensperspektiven in den Südphilippinen. Bei seiner Ankunft in Los Angeles wurde ihm jedoch beschieden, dass er «unerwünscht» sei; 24 Stunden später sass er wieder in einem Flugzeug zurück nach Manila. Lingga im Gespräch mit der WOZ: «Wenn dich jemand einlädt und der Gastgeber lässt dich plötzlich nicht mehr ins Haus, dann bestehst du doch nicht auf einem Einlass.
Also flog ich lieber nach Manila zurück, statt mich in den USA auf ein Verfahren mit der Immigrationsbehörde einzulassen.» «Welch schäbige Behandlung», empört sich ein Kollege des Professors, der an einer Universität auf Mindanao lehrt und ungenannt bleiben möchte. «Und die musste er sich ausgerechnet in dem Land bieten lassen, das sich als Bastion der Wahrung von Demokratie und Menschenrechten versteht.»
Die US-Behörden, sagt er, «werden immer paranoider, offensichtlich gilt ihnen jeder Muslim als potenzieller Terrorist». Anfang August wird Lingga anlässlich von Menschenrechtshearings in Genf auftreten. Wenn man ihn einreisen lässt.
Die neue alte Präsidentin
Bis vor kurzem noch sollte das Ergebnis der philippinischen Präsidentschaftswahl vom 10. Mai am 3. Juni bekannt gegeben werden. Dann wurde die Bekanntgabe auf den 10. Juni verschoben. Mittlerweile könnte es Ende Monat werden.
Spätestens am 30. Juni, so sieht es die Verfassung des Inselstaates vor, muss das neue Staatsoberhaupt, das auch der Regierung vorsteht, vereidigt worden und in den Malacanang-Palast zu Manila eingezogen sein. Und wie die Dinge stehen, wird dort in den nächsten sechs Jahren die alte und neue Präsidentin residieren: Die 57 Jahre alte Gloria Macapagal-Arroyo, kurzerhand GMA genannt.
Die von Statur zierliche GMA hatte stets Grosses im Sinn. Schliesslich genoss sie das Privileg, als Tochter von Expräsident Diosdado Macapagal - er amtierte von 1962 bis 1966 - im Malacanang-Palast aufgewachsen zu sein. Eine ähnliche Herkunft hat übrigens ihre indonesische Kollegin, Präsidentin Megawati Sukarnoputri. Deren Vater Ahmed Sukarno war Anfang der sechziger Jahre der erste Präsident Indonesiens, bevor er 1966 von putschenden Generälen mithilfe der USA politisch kaltgestellt wurde.
GMA studierte an der Georgetown University in Washington, D.C., lehrte als promovierte Ökonomin an verschiedenen Universitäten in den Philippinen, wurde Ministerin, Senatorin und 1998 Vizepräsidentin des Landes. Am 20. Januar 2001 - zeitgleich mit ihrem transpazifischen Vorbild George Bush - wurde sie als Präsidentin vereidigt. Ihr Vorgänger, der Exschauspieler Joseph Estrada, hatte wegen zahlreicher Korruptionsaffären vorzeitig den Hut nehmen müssen (er befindet sich noch immer, wiewohl unter privilegierten Bedingungen, in Haft).
GMAs Gegenkandidaten boten - bis auf eine, von vornherein chancenlose Ausnahme: den früheren Erziehungsminister Raul Roco - noch schlechtere Alternativen. Neben Fernando Poe Junior hatten sich ein ehemaliger Polizeichef mit einer dunklen Vergangenheit sowie der evangelikal-fundamentalistische Wanderprediger Bruder Eddie Villanueva für das höchste Amt im Staate beworben. Auf sie alle fällt der lange Schatten des einstigen Diktators Ferdinand Marcos; sie hatten ihm gedient und pflegen noch heute enge Kontakte zu dem nunmehr von Madame Imelda Marcos geführten Clan. @ http://ag-friedensforschung.de/regionen/Philippinen/werning3.html
