Rainer Werning (Autor)

Die Ärmsten werden immer ärmer, die Reichen reicher

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Von den 87 Millionen Filipinos und Filipinas müssen heute 65 Millionen (80 Prozent der Bevölkerung) mit umgerech- net weniger als zwei US- Dollar ihr Leben bestreiten. Seit 2000 sank das durchschnittliche Familieneinkommen um

zehn Prozent. Die Mehrheit der Armen (70 Prozent) lebt in den ländlichen Gebieten. Größte Leidtragende sind die Kinder. Lag die Kindersterblichkeitsrate im Jahre 1990 bei 24 pro tausend, betrug sie 2003 bereits 40 pro tausend. Ein Viertel der Kinder unter zehn Jahren – insgesamt 6,1 Millionen Kinder – leidet heute an Untergewicht.

Betrug der Anteil des Arbeitseinkommens 1979 noch 60 Prozent des nationalen Ein- kommens, so verringerte sich dessen Anteil im Jahre 2004 auf 37 Prozent. Beein- druckend ist demgegenüber der Anstieg der Unternehmensgewinne:

Allein zwischen 2001 und 2004 wuchsen die Profite der 1000 größten Unternehmen im Lande von umgerechnet 2,3 auf zehn Milliarden Dollar, während die gezahlten Mi- nimumlöhne in der Regel gerade einmal 44 Prozent jener Summe abdecken, die selbst von Regierungsbehörden als lebensnotwendig erachtet wird.

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Auf dem Lande ist die Zahl der Pachtbauern von 48 Prozent im Jahre 1971 auf 52 Prozent im Jahre 2004 gestiegen, die in einigen Gegenden zwei Drittel oder mehr ihrer Ernteer- träge den Landbesitzern abtreten müssen. Gleichzeitig sind die Reichen des Landes reicher geworden. Allein zwischen 2001 und 2005 vermochten die 1000 größten Unternehm-

en ihr jährliches Nettoeinkommen um 325 Prozent zu steigern. 10 Prozent der Be- völkerung verfügen über ein Einkommen, das 22mal höher ist als dasjenige der ärm- sten zehn Prozent der Bevölkerung.

Im vergangenen Jahr, so die Berechnungen des zuständigen Ombudsmanns der Re- gierung, versickerten umgerechnet vier Milliarden Dollar im Dschungel der Korruption. Das entspricht etwa einem Fünftel des Staatsbudgets. Heute gelten die Philippinen als das korrupteste Land Südostasiens, gefolgt von Indonesien. Die aktuelle Gesamtschuldenlast des Inselstaates beträgt knapp sechs Billionen Pesos (umgerechnet etwa 120 Milliarden Dollar), was 110 Prozent des Bruttoinlands- produkts entspricht.

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Um diesen Schuldenberg abzutragen, sind allein 2006 35 Prozent des Staatshaushaltes für Zinszahlungen ausgegeben worden – zu Lasten der Budgets für (Aus-) Bildung und Erziehung, Gesundheit und Ernäherung sowie Wohnungsbau. Heute stehen allein für Bild- ungseinrichtungen dermaßen geringe Mittel zur Verfügung, daß sich die meisten Eltern die gestiegenen Schulkosten ihrer Kinder nicht mehr leisten können. Die Folge: 2,5 Millionen Kinder arbeiten und 1,5 Millionen Kinder leben auf der Straße.

»Gegenwärtig sind über zehn Millionen Arbeiter oder etwa ein Drittel aller Beschäftig- ten«, so Sonny Africa, Leiter der Forschungsabteilung des unabhängigen philippini- schen Wirtschaftsforschungsinstituts IBON Foundation Inc., gegenüber jW: »entweder arbeitslos oder suchen,falls sie beschäftigt sind, darüber hinaus Arbeit.

Da die Regierung seit April 2005 die Kriterien von Arbeitslosigkeit schönte, müssen zu dieser Zahl zwischen eine und eineinhalb Millionen Arbeitssuchende zusätzlich gerech- net werden.«

»Und täglich verlassen etwa 3 200 Menschen das Land«, sagt Mary Lou U. Hardillo, von 2001 bis 2004 Vorsitzende von Babaylan, einem europaweiten Netzwerk von Filipinas, »um im Ausland Arbeit und ein besseres Leben zu suchen. Mittlerweile ist jeder zehnte Filipino im Ausland beschäftigt.

Deren Geldüberweisungen nach Hause erreichten laut der philippinischen Zentralbank mit umgerechnet 14 Milliarden Dollar einen Höchststand im vergangenen Jahr. Die in Manila beheimatete Asiatische Entwicklungsbank ADB schätzt indes den Gesamtbe- trag dieser Überweisungen auf zirka 25 Milliarden Dollar.«