Bilibid Gefängnis

Muntinlupa City war einst berüchtigt als die Heimat der ein Höchst- maß an Sicherheit National Bilibid Gefängnis, in denen das Land die gefährlichsten Verbrecher eingekerkert waren bekannt. Gefangenen benutzt, um das Gefängnis als "nennen Munti" nach dem Ort errichtet werden. Heute ist es weitgehend erschüttert aus diesem negativen Bild, um eine der fortschrittlichsten Städte des Landes.
Muntinlupa ist die Heimat einiger der besten Unternehmen des Han- dels in der Metropole und ist der Standort des Ayala Alabang Village, zu einem der größten Landes Wohngemeinschaften, in denen viele der
Reichen und Berühmten leben. Unter den Dorf bekannte Einwohner gehören der ehemalige philippinische Präsident Fidel V. Ramos, Schauspieler Aga Muhlach und seine Frau, der Schauspielerin / Host Charlene Gonzalez, der Prinz von Brunei, Simone Snoeijenbos und ihr Bruder Mateo Snoeijenbos.
22.000 Häftlinge leben im "New Bilibid Maximum Security Prison". (Sicherheits Gefängnis) In Manilas Hochsicherheitsgefängnis "Bilibid" lernen Mörder, Vergewaltiger und Drogendealer, wie man Abendkleider schneidert. Mädchen! Jung, hübsch und super schlank. Goefry Fadares kann sich nicht satt sehen – und dabei rutscht ihm der Hammer aus der Hand und fällt auf seinen Fuß.
Geofry merkt nichts. Erst als ihm sein Kumpel Butch einen Klaps gibt, zuckt er zusammen. "Komm schon. Wir sind hier zum Arbeiten und nicht zum Träumen", sagt Butch. Die Mädchen, es sind Models, nehmen die Männer in den orangefarbenen T-Shirts der Gefängnisbehörde gar nicht wahr, die ihnen mit offenen Mündern hinterher starren; blicken durch sie hindurch, als ob sie Luft wären.
Vielleicht haben sie aber auch Angst, wie die meisten, die das New Bilibid, Manilas Hochsicherheitsgefäng- nis zum ersten Mal besuchen. New Bilibid Maximum Security Prison in Muntinlupa,am Stadtrand von Ma- nila gelegen, ist eine Festung aus Stacheldraht, Beton und mit Wehrtürmen: auf 270 ausbruchsicheren Hektar leben zweiundzwanzigtausend Insassen.

In diesem Gefängnis gibt es fünf Kirchen, einen Markt, Bars, Kioske, Suppenküchen, Frisörsalons und sogar Souvenirstände für Besucher; eine Parallelwelt hinter Mauern. Geofry hatte in seiner langen Karrie- re als Autodieb leider einmal Pech. Er wurde gefasst, und der Richter gab ihm zwanzig Jahre, was Geofry etwas übertrieben fand.
"Meint ihr, die wissen, dass sie heute Abend unsere Kleider vorführen werden?", fragt jemand. Schweigen. Dann fahren Geofry und seine Kumpel emsig mit ihrer Arbeit fort: sie tackern Girlanden an die Ge-
fängnismauern, sie schrauben Bühne und Catwalk zusammen, wischen den Boden, schleppen Schein- werfer und Kabel, stellen Sessel im Gesellschaftsraum auf, in dem heute Abend die erste Modenschau in der Geschichte von Manilas Hochsicherheitsgefängnis stattfinden wird.
Sogar Schauspieler werden erwartet, Politiker, Moderatorinnen, das Fernsehen wird berichten. Es ist ein Tag, an dem man fast vergessen könnte, wo man sich befindet. Der Mann, der das möglich gemacht hat, lehnt an einer Säule und trägt eine Sonnenbrille von Gucci, mit Gläsern so groß wie Untertassen.
Puey Quinones ist einer der bekanntesten Modedesigner der Philippinen, zu seinen Kunden gehören Imel- da Marcos und der König von Swaziland, Schauspielerinnen, Models, Politikerinnen. Der 29-Jährige hat die Veranstaltung organisiert, hat die Behörden und die Gefängnisleitung überredet, die Models gebucht, die Einladungen verschickt.
Außerdem brachte er Geofry und Butch, dem Transvestiten Joshua, dem Drogenschmuggler Manuel und etlichen anderen Häftlingen bei, mit Fingerhut und Zwirn umzugehen. Und er zeigte ihnen, wie man Kleid- er entwirft, schneidert, mit Pailletten bestickt und feschen Mustern bemalt.
Ein Onkel von Puey Quinones, ehrenamtlicher Mitarbeiter eines Rehabilitierungsprogramms des Gefäng- nisses, war überzeugt, dass seines Neffen Talent dort gebraucht werde. Puey Quinones tippte sich an die Stirn, und dachte, das Thema sei erledigt. Der Onkel aber ließ nicht locker – und irgendwann war Quinon- es so genervt, dass er zumindest versprach, die Haftanstalt zu besuchen. "Nur ein einziges Mal, und nur ganz kurz."
Bilibid Gefängnis - Stumm vor Angst

Eine Woche später brachte ihn der Onkel ins New Bilibid Maximum Security Prison.
Dort saß Puey dann auf einem Stuhl, zitternd vor Angst, ein Häuflein Elend mit bleichem Gesicht.
Vor ihm saßen tätowierte Muskelmänner, die ihm ihre Pranken ent- gegenstreckten und sich vorstellten, etwa so: "Hi, mein Name ist
Ernesto und ich habe zwei Mädchen vergewaltigt und umgebracht." Die Häftlinge freuten sich über den Besuch, behandelten Puey Quinones mit Respekt, erzählten ihre Geschichten und stellten Fragen. Aber vor Angst brachte er keinen Ton hervor, er konnte "nur nicken oder den Kopf schütteln". Nach seinem ersten Besuch war er ganz wirr im Kopf.
So viele Geschichten, so viele Menschen! Viel spannender und so ganz anders als sein Alltag im Stadtteil Makati, dem Finanzdistrikt Manilas. Jeder Häftling gehört einer Gang an, deren jede nach Provinzen or- ganisiert ist. Früher schlugen sie sich aus Langeweile die Köpfe ein: Die Batman Bruderschaft gegen die Cebu Boys , die Sige Sige Sputniks gegen die Happy Go Luckies , alle gegen alle.
Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute engagieren sich die Gangmitglieder in Literaturclubs, Theatergrupp- en und Bands, unterrichten Lesen und Schreiben, sammeln Geld für eine Karaokeanlage. Ein Kongressab- geordneter, der wegen Korruption einsaß, ließ einen Tennis- und Basketballplatz bauen.
Und vierzig Schwerverbrecher schneidern Abendgarderobe in Puey Quinones Design-Workshop. Warren Zingapan, ein Hüne mit sanfter Stimme, verurteilt wegen Totschlags, ist Puey Quinones Verbindungs- mann zu den Insassen und Koordinator der Häftlingsprojekte.
"Wenn man schon sein ganzes Leben im Knast verbringt, sollte man mit der Zeit etwas Sinnvolles an- stellen – und das geht eben nur gemeinsam", sagt er. Warren sitzt in einer Bretterbude, die ihm als Büro dient, gleich neben den Tennisplatz. Er ist in Eile, denn ein Match steht bevor und sein Gegner ist ein Mörder. "Solche Leute lässt man nicht warten", sagt er, lacht und serviert Tee. Puey Quino sitzt neben ihm und grinst: "Jetzt übertreib nicht, Warren."

"Puey hat uns etwas zurückgegeben, was wir längst verloren hatten", sagt Warren. Würde, Hoffnung, das Gefühl, doch noch gebraucht zu werden, produktiv zu sein und aus seinen Talenten etwas machen zu können. Das Gefängnis mache aus Menschen schlaffe Sandsäcke, auf die man einprügeln kann, meint er.
Man vergisst alle Erniedrigungen, alle Beschimpfungen, irgendwann spürt man nichts mehr. Man verliert seinen Stolz, und eines Tages weiß man nicht mehr, wer man eigentlich ist. "Den Leuten eine zweite Chance zu geben ist besser, als sie einzu-sperren", sagt Puey Quinon-
es.Der Star-Designer und seine Schüler aus der Unterwelt sitzen nach den Workshops oft noch stunden- lang in den Unterkünften zusammen, reden, schmieden Pläne für die Zeit nach der Haft, verzehren das Essen, das Puey mitgebracht hat – Hamburger, Tapas – und trinken dazu selbstgebrannten Schnaps.
Manchmal, wenn sie bis in die frühen Morgenstunden gefeiert haben, übernachtet er im Knast. Inzwisch- en sind Pueys Besuche zum Ritual geworden, er kommt jeden Dienstag. Von jedem Abendkleid, das Puey Quinones in Manilas Edelboutiquen verkauft, erhalten die Gefangenen einen entsprechenden Anteil, hun- dert bis fünfhundert Pesos – das sind etwa acht Euro. Die Modelinie heißt Bilibid Fashion und ist ein Ver- kaufsschlager.
Bilibid Gefängnis - Geborgen im Gefängnis
Die Besuche sind zu einer Art Therapie für den Modeschöpfer geworden: ein Ausbruch aus der Welt des Scheins, der Reichen und Schönen, weit weg von Small Talk und Klatsch. Die Arbeit mit seinen Schülern ist der Realtiy Check , den er braucht, um kreativ zu sein. Hier in Bilibid findet er Inspiration.
Es ist seltsam, meint Quinones, aber im Gefängnis fühle er sich sicher und geborgen, fast wie zu Hause. "Das hier sind meine Brüder, und ich bin ihre verzogene kleine Schwester." Demnächst möchte der Desig- ner im Gefängnis bemalte Schals und Halstücher nach Europa exportieren.
Armil Tristan Manjarez – der sich jetzt Joshua nennt – hofft auf eine zweite Chance. Er war ein verzog- ener Bursche aus reichem Haus, dessen Homosexualität seinen Vater so sehr störte, dass er ihm das üppige Taschengeld strich. Vor Wut klaute Joshua mit zwei Freunden das Auto des Vaters; sie betäubten und entführten den Chauffeur, und als der aufwachte und fortlaufen wollte, prügelten ihn die zwei tot.

Joshua stand daneben und sah zu, völlig bekifft und sturzbetrunken. Am nächsten Tag wurden alle drei verhaftet. Der Richter verurteilte Joshua zu lebenslanger Haft. Das war vor acht Jahren. Heute ist Josh- ua einer von Puey Quinones talentiertesten Schülern.
"Wie dumm ich damals war", seufzt er, nimmt einen Spiegel aus sein- er Tasche und zieht sich die Lidschatten nach. "Ach, könnte ich nur die Zeit zurückdrehen. Ich würde alles anders machen." Erst im Ge-
fängnis habe er gelernt, was Toleranz bedeutet. Hier gebe es kein Problem, als Gay zu leben. Am schlim- msten sei der Kampf gegen die Langeweile, gegen das Nichtstun, die Ereignislosigkeit, sagt Joshua. Um acht Uhr abends treffen die Gäste ein, Frauen mit auftoupierten Haaren und falschen Brüsten, Männer in Ledersakkos und italienischen Designerschuhen. Manilas Bussi-Bussi-Gesellschaft gibt sich die Ehre. Eine Moderatorin des Staatsfernsehens interviewt Puey Quinones. Sie trägt ein Diadem im Haar und stellt die üblichen Fragen: ob er denn keine Angst habe und wie er zu dieser Arbeit kam, "mit Verbrechern".
Puey lächelt nur, redet von Vorurteilen und zweiten Chancen, und dass an diesem Abend "die Häftlinge die Stars sind, nicht ich". Während die Models über den Laufsteg trippeln, in Kleidern, die von Häftlingen entworfen wurden, sitzen diese in einer dunklen Ecke der Halle, bewacht von drei Wärtern. Erst ganz zum Schluss holt Puey Quinones seine Schüler auf die Bühne.
Die Jury hat Geofreys Entwurf zum schönsten Kleid des Abends gewählt, ein Mann mit Pferdeschwanz und Goldkettchen um die Handgelenke überreicht einen Scheck über 40.000 Pesos, umgerechnet 600 Euro. Da stehen sie nun und blicken verlegen zu Boden. Doch als der Beifall losbricht, das Johlen, Trampeln und Pfeifen gar nicht mehr enden will, blicken Geofry und Joshua grinsend ins Publikum und sind seit langer Zeit wieder einmal stolz auf das, was sie geleistet haben. Link: berlinonline
