Fingeressen - Kamayan Style

Fingeressen - Kamayan Style

Außerdem sollte ein Gast Zeit mitbringen, da an das Mahl lange Ge- spräche anschließen, wobei unter Fremden die jeweiligen Familien das Hauptthema sind. Dabei spielen Photos von Familienmitgliedern eine besondere Rolle.

Auf den Philippinen isst man mit der rechten Hand, die man unmittelbar vor Beginn wäscht (Linkshänder sollten auf ihre Besonderheit vor dem Essen hinweisen, um niemanden zu verstören). In Restaurants kann man auch auf Messer und Gabel ausweichen, aber im Familienkreis wird Besteck höchstens in der urbanen Elite verwendet.

Dann wickelt man einzelne Fleisch- oder Gemüsestücke in Fladenbrot ein und steckt sie sich in den Mund; oder man vermischt etwas Speise mit dem Reis zu einem hinreichend trockenen Brei, der entlang den anderen Fingern mit dem Daumen in den Mund geschoben wird. Diese Eßmethode bringt es mit sich, daß man nach europäischem Geschmack recht wenig Speise mit viel Reis oder Brot isst.

Messer sucht man hier vergeblich auf den Philippinen

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Reis, Reis und noch mal Reis. Ohne Reis gilt eine philippinische Mahlzeit erst gar nicht als solche. Zusammen mit gebackenem Fisch, kleinen Knoblauchwürsten oder Ei steht er daher bereits auf dem allmorgend- lichen Frühstückstisch.

Zum Mittag- und Abendessen folgt ein fröhliches Wiedersehen, stets in Begleitung von Fisch oder Fleisch und einer kleinen Gemüsebeilage. Auf den ersten Blick mag es eintönig wirken, aber komischerweise hängt mir das „weiße Brot“ noch immer nicht zum Hals heraus.

Als jemand, der nicht sehr wählerisch ist, kann man auf den Philippinen im Grunde fast alles bedenken- los essen. Aufpassen sollte man nur dann,wenn in der Nachbarschaft plötzlich ein Straßenhund weniger her- umstreunt und sich anschließend im nächstbesten Kochtopf wiederfindet. Obwohl es illegal ist, kann und will doch nicht jeder von dieser alten Tradition ablassen.

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Zudem wird auf den Philippinen mit den Fingern gegessen, was auch bis heute noch regelmäßig praktiziert wird. Gelegentlich lasse auch ich mein Besteck lieber unbenutzt.

Gräten und Knochen in dem oft nur grob zerkleinerten Fisch oder Fleisch spürt man so schon, bevor man sich damit im Mund verletzt. Davon ab- gesehen, werden ausschließlich Löffel und Gabel gereicht. Messer sucht man selbst in renommierten Restaurants vergeblich.

Neben den festen Hauptmahlzeiten gibt es vormittags und nachmittags je einen Snack, die sogenannte Merienda. Wer dabei an eine Kleinigkeit, wie etwa einen Apfel oder einen Keks denkt, hat weit gefehlt. Noch satt vom Mittagessen, wurde ich zur besten Kaffeezeit schon des Öfteren zu Burger oder Spaghetti genötigt. Filipinos lieben es zu essen und das sieht man vielen auch an.

Zum Essen trinkt man Leitungswasser. Darüber hinaus gelten Softdrinks als das eigentliche Nationalge- tränk der Philippinen. Zu jeder Gelegenheit, egal ob passend oder nicht, trinkt man Cola und andere Limonaden. Kaffee hingegen gibt es oft nur in der löslichen Variante. Tee findet man in diesem etwas anderen asiatischen Land wenn nur als Eistee, den es natürlich auch als praktisches Pulver zum Anrühren gibt.

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Zusammen mit billigem Gin entsteht so ein possierliches Mixgetränk für vergnügliche Abende. Zu einer guten Party gehört in der Regel aber auch philippinisches Bier, das einem Vergleich mit deutschen Sorten durchaus standhalten kann.

Zum Alkohol gibt es Pulutan, also Knabbereien wie Erdnüsse oder Chips. Die wohl berühmteste „Knabberei“ ist das Balut. Bei dieser etwas an- deren Delikatesse handelt es sich um ein halb ausgebrütetes, hart- gekochtes Hühner- oder Entenei.

Unter Einheimischen sind die Eier vor allem wegen der ihnen nachgesagten lustfördernden und heilenden Wirkung beliebt. Darüber hinaus setzen Filipinos dieses besondere Ei gerne Ausländern zum Probieren vor. Dabei entscheidet sich eindrucksvoll, wer das Zeug zum wahren Filipino hat.

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Eines Abends steht auch mir diese Prüfung bevor. Zusammen mit Freunden haben wir uns zu einer spontanen Straßenparty zusammengefunden. Es herrscht aus- gelassene Stimmung. Wir reden über Balut und ehe ich mich recht versehe, liegt eines der berüchtigten Eier vor mir auf dem Tisch.

Zunächst ziere ich mich noch. Zum Schluss siegt die Neugier. Nach Anleitung meiner Freunde öffne ich zu Anfang nur ein kleines Stück der Schale, streue Salz hinein und schlürfe die Flüssigkeit im Innern des Ei heraus.

Der Geschmack der Flüssigkeit erinnert an Hühnerbrühe. Nun pelle ich das ganze Ei. Deutlich erkenne ich den von Adern durchzogenen goldgelben Dotter und den 15 Tage alten braunen Embryo. Ein bisschen eklig sieht es ja schon aus - aber egal. Ich würze das Ei mit Essig. Jetzt heißt: Kopf ausschalten, rein- beißen - und runterschlucken !

Alles in allem täuscht das Aussehen über den doch nicht zu verübelnden Geschmack aus einer Mischung von Hühnerfleisch und Ei hinweg. Die Prüfung ist bestanden. Link: usinger-anzeiger