Eduardo Masferre - Teil 1
Eduardo Masferre kennt kaum jemand diesen Namen und die ihn kennen sind meist Insider wie ernst- hafte Hobbyfotografen, Ethnologen oder Antropologen. Masferre ist massgeblich dafür verantwortlich, dass uns viele Fotos der Igorots erhalten sind, die das Leben in den 30er bis 50er Jahren zeigen und eine fantastische Dokumentation dieser Stämme darstellen, die doch in vielem von den anderen Stämm- en der Ebenen abweichen. Eduardo Masferre wurde am 18. April 1909 in Sagada geboren. Sein Vater, Jaime Masferre war Spanier und seine Mutter, Mercedes Langkew eine Einheimische aus Sagada.
Ursprünglich war Jaime ein spanischer Soldat, der zum Bauern wurde und insbesondere Zitrusfrüchte und Kaffee anbaute. Noch vor Eduardos Geburt kamen episkopalische Missionare nach Sagada, die Jaime in seiner Residenz aufnahm und die das Wort Gottes unter den Einheimischen verbreiteten. 1907 zog Jaime mit den Missionaren um und sie bauten an der Stelle der heutigen Pfarrkirche “St. Mary the Virgin” einen “Compound”, der die Kirche und allerlei Nebengebäude einschloss. Eduardo verbrachte die ersten fünf Jahre dort mitten unter den Landarbeitern und Bauarbeitern, die die Kirche erbauten.
Die meisten der Familien auf dem Gelände waren Ilocanos. Das Missionsgelände war ein moderner Ein- schnitt in Sagada, denn ausserhalb sah man nur die typischen Häuser der Igorots. Im Compund hingegen gab es neben der Kirche und der Schule auch verschiedenen Shops und Läden einschliesslich eines klein- en Krankenhauses. Eduardo lebte im Compund mit realtiv wenig Kontakt zu den Einheimischen Animist- en. 1915 im zarten Alter von sechs Jahren übersiedelte Eduardo nach Spanien um dort die Grundschule zu besuchen. Er lebte im Haus einer Tante. 1922 kam Eduardo nach Sagada zurück.
Den High School Abschluss in der Mountain Province High School in Baguio bestand er mit Bravour und in St. Marys School in Sagada wurde Eduardo zum Lehrer ausgebildet, wo er 1931 auch seine erste Arbeit als Englisch -und Geschichtslehrer begann. Während seiner Studienzeit hatte er erste Kontakte mit der Photographie, indem er einem ansässigen Lehrer beim Entwickeln der Bilder half. In seiner freien Zeit wanderte er viel in der Umgebung von Sagada und lernte das Leben der Einheimischen besser kennen.
Er wollte dieses Leben in Bildern festhalten und bestellte sich deshalb aus den USA eine billige Kodak Box Kamera um seine ersten Gehversuche in der Photographie zu machen. Da ihm niemand etwas über Foto- graphie beibringen konnte dort oben in den Bergen, probierte er alles mögliche aus und entwickelte auch all seine Fotos selbst, bis er eben seinen unverkennbaren Stil gefunden hatte. 1935 starb seine Mutter und Eduardo gab das Unterrichten auf und kümmerte sich statt dessen um die Geschäfte seiner Mutter, die erfolgreich mit allerlei Gebrauchsgütern gehandelt hatte.
Dazu musste er nach Baguio ziehen, wo die Geschäfte der Mutter ihren Sitz hatten. Dort eröffnete er auch ein Photostudio, das erste seiner Art in Baguio, und ergänzte damit eine wichtige Dienstleistung in der Stadt. Aber immer wieder zog es ihn zurück nach Sagada und er erwanderte in diesen Jahren viele Teile der Kordilleren um die Bergvölker in ihrem Ursprung zu fotografieren. Masferre war ein Perfektionist und 95% seiner Bilder fielen diesem Anspruch zum Opfer, da er alles gnadenlos vernichtete, was nicht sein- en Qualitätsansprüchen genügte.
Während des Krieges schloss sich Eduardo den Guerillas an und wurde Mitglied der 121. Infantrie Armee der USA. Während dieser Zeit wurden seine Kamera und viele seiner Bilder gestohlen,von denen nur we- nige wieder gefunden wurden, so dass seine Fotoreportagen aus den 30 er Jahren leider unvollständig sind. Sein Vater starb in einem Bombenangriff und sein Fotostudio in Bontoc wurde zerstört. Das Studio in Baguio überlebte den Krieg. Nach dem Krieg eröffnete Eduardo ein neues Studio in Bontoc und setzte seine fotografischen Wanderungen fort. Die nächsten 10 Jahre waren wohl die wertvollsten seines Schaff- ens. 1951 machte er Nena Ogues, einer Kankana-ey aus Kapangan, einen Heiratsantrag und 1951 hei- rateten die beiden. Link: phillife
Eduardo Masferre - Teil 2
Nach der Hochzeit half Nena im Studio,insbesondere zeichnete sie etliche Fotos mit Farbe aus. (Hand Col- oring) Eduardo begann die Farm seines Vater wieder zu bewirtschaften und pflanzte fast alles neu. Neb- en den Obstbäumen züchtete er Geflügel und Kaninchen um seine wachsende Familie zu unterstützen. Die beiden hatten insgesamt sechs Kinder und anfänglich kam das Fotografieren etwas zu kurz, aber bald nahm er seine Wanderungen zu den verschiedenen Stämmen in den Kordilleren wieder auf.
Seine Fotos blieben lange Zeit in den Philippinen ohne jede Anerkennung, aber im Ausland wurden einige Spezialisten auf seine Arbeiten aufmerksam. Hier im Land dauerte es bis in die späten 80er Jahre um das Talent Masferre als solches anzuerkennen. Es begann 1982 mit einer Ausstellung in Baguio 1982, ge- folgt von einer weiteren 1983 in Manila. Aber nur die Profis sahen die Kunst in seinen Bildern, in den Me- dien wurde er kaum oder nur kurz erwähnt. Erst seine 3. Ausstellung in Manila 1988 brachte ihm die An- erkennung, die seine Arbeiten verdienten.
Diese Ausstellung wurde nach Manila auch in Cagayan de Oro, Cebu, Davao und Bacolod gezeigt. Finan- ziert wurde das ganze von Mobil Philippines. Im Ausland hatte Masferre auch etliche Ausstellungen so unter anderem 1982 in Dänemark und 1986 und 89 in Tokio. 1989 wurden Masferres Arbeiten auf der Ausstellung Les Recontres de la Photographie in Arles in Frankreich gezeigt und diese Ausstellung, auf der nur die Creme de la Creme zu sehen ist, brachte den grossen Durchbruch. Seine Arbeiten wurden gelobt, bewundert und anerkannt und gewannen etliche Preise.
Masferre war bis heute der einzige philippinische Fotograf, der zu dieser Ausstellung eingeladen worden war. 1991 erwarb das Smithonian Institute mehr als 100 seiner Bilder und konservierte diese Bilder in den besten Labors. Die Fotos waren dort für sechs Monate ausgestellt und tourten anschliessend durch die USA von Küste zu Küste. Des weiteren wurde diese Ausstellung auch in England und ganz Europa ge- zeigt und zog viele Menschen in ihren Bann. 1988 wurde auch ein grosser Bildband veröffentlicht unter dem Titel: E. Masferre, People of the Philippine Cordillera:
Photographs 1934 – 1956 Mobil Philippines finanzierte 1500 Bildbbände, die kostenlos an Schulen, Mu- seen und Büchereien weiter gegeben wurden. Im Januar 1999 erheilt Masferre seine grösste Anerkenn- ung: Er wurde zum nationalen Artisten erklärt,der einzige philippinsiche Fotograf dem diese Ehrung je zu- teil wurde. Leider durfte er das nicht mehr erleben, da er im Juni 1995 verstorben war. Zur Zeit seines Todes wurde seine Bilder gerade überall in den Vereinigten Staaten gezeigt. Masferres Bilder sind zeit- lose Aufzeichnungen einer längst vergessenen Epoche in den Bergen von Nordluzon. Sie haben eine ver- gessene Kultur mit all ihren Sitten, Gebräuchen und Traditionen am Leben erhalten.
Seine Beerdigung in Sagada zog viele tausende von Menschen an, die dem Fotografen die letzte Ehre er- wiesen. Als wir 2006 in Sagada waren,besuchten wir auch die Galerie von Eduardo Masferre. Man kann im Peters und bei anderen nachlesen, dass es extrem schwierig ist in die Galerie eingelassen zu werden und wir gehörten zu den Glücklichen. Als wir vor verschlossenen Türen dort standen, rief ich einige Male “Tao Po” und nach einigen Minuten kam eine alte Dame aus dem Garten zum Haus hoch. Es war Nena Masferre, die Frau des verstorbenen Fotografen. Einige Minuten später liess sie uns in die Galerie.
Und dort sahen wir die besten Arbeiten von Eduardo. Wir waren alle sehr beindruckt. Nach der Besichtig- ung der Galerie unterhielten wir uns über zwei Stunden mit Nena, die uns viel aus dem gemeinsamen Leben mit ihrem Mann erzählte.Sie erzählte auch viele Geschichten von den Igorots unter anderem auch von dem Kampf der Kalinga gegen den geplanten Stausee am Chico River . Und sie erzählte, dass die Kopfjagd noch lange nicht ausgestorben ist, sondern das Konflikte auch heute noch so gelöst werden, aber eben heimlich, still und leise. Dieser Tag wird für mich unvergessen bleiben. Da ich aus Rechtlichen Gründen die Bilder hier nicht einstellen kann – ein Brief nach Sagada blieb leider unbeantwortet – werde ich hier Links einsetzen, die euch einiges an Fotos von Masferre zeigen. Link: phillife
Bilder über die Igorots
People of the Buntoc (Igorots) - Photographs by Eduardo Masferre (1909-1995)
National Gallery Eduardo Masferre
Photo Results for Eduardo Masferre
Photo Album: Eduardo Masferre: A Tribute to Sagada
