Hukbalahap

Hukbalahap

Die Hukbalahap war eine antijapanische Widerstandsbewegung auf den Philippinen zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Der vollständige Name der Bewegung auf Tagalog ist Hukbo ng Bayan Laban sa mga Hapon (antijapanische Volksarmee).

Die Hukbalahap gilt als die am besten organisierte und effektivste Or- ganisation im Widerstand gegen die japanische Armee in Südostasien. Ihr Anführer war Luis Taruc. Sie richtete sich nicht nur gegen die jap- anischen Besatzer, sondern auch gegen die Großgrundbesitzer, zu der- en Ungunsten sie eine soziale Revolution und Landreformen durchführ- en wollte.

Ende 1944 kontrollierte sie Zentralluzon. Auch in anderen Teilen der Philippinen untergrub sie die Herr- schaft der Japaner und leistete einen großen Beitrag bei der Zurückeroberung der Philippinen durch die USA. Nach der Rückkehr der Amerikaner erklärte General MacArthur die Hukbalahap sofort als Rebellen- organisation und ließ Luis Taruc verhaften.

Bei der Wahl 1946 unterstützte die Hukbalahap die von Sergio Osmeña angeführte Democratic Alliance. Die Anführer der Hukbalahap wollten auf den Philippinen marxistische Ideale verwirklichen. Von 1946 bis 1954 führte die Hukbalahap einen Aufstand durch, bei dem es auch um die Anerkennung als Freiheits- kämpfer des Zweiten Weltkrieges und um einen Anteil an Reparationen ging. 1950 waren einige philip- pinische Provinzen unter der Kontrolle der Hukbalahap. Nachdem Luis Taruc 1954 freiwillig aufgab, löste sich die Bewegung auf.

Da der Bedarf nach Landreformen bestehen blieb, entstand die Hukbalahap in den sechziger Jahren neu. Sie stellte ihre Aktivitäten im Jahr 1970 endgültig ein, nachdem Präsident Marcos 1969 eine Militäroffen- sive gegen sie veranlasste. Aufgrund der Auflösung der Hukbalahap gründeten einige ihrer ehemaligen Mitglieder zusammen mit weiteren Personen im Jahre 1969 die maoistische New People's Army. Link: wikipedia


Die Hukbalahap Bewegung - Antijapanische Widerstandsbewegung

„Unsere Opfer zählen nicht“ - „Ohne uns hätten die Alliierten den Krieg nie gewonnen“

Remedios Gomez-Paraisa, ich komme aus Anao, einem Ort in der Provinz Pampanga. Mein Vater war dort Bürgermeister als die Japaner 1942 unser Land überfallen haben. Sie haben allen Regierungsbeamten befohlen,sich zu ergeben und ihre Waffen abzuliefern. Mein Vater verweigerte diesen Befehl und versteck- te sich. Er wurde verraten und fiel den Feinden in die Hände.

Weil er es ablehnte, mit ihnen zu kollaborieren, folterten sie ihn zu Tode. Ich ging deshalb zusammen mit meinem Bruder in den Untergrund. Damals war ich noch ein Teenager. Wir haben uns am Fuß des Berges Arayat versteckt und haben dort begonnen,die Landbevölkerung zu organisieren.Wir konnten eine Schwa- dron aufstellen. Aber anfangs hatten wir nur eine einzige Waffe – die Pistole meines Vaters. So begann unser Kampf in der Hukbalahap.

Hukbalahap ist ein Wort aus der philippinischen Landessprache Tagalog und bedeutet: „Antijapanische Volksbefreiungsarmee“. So nannte sich die größte Widerstandsbewegung auf den Philippinen im Zwei- ten Weltkrieg. Remedios Gomez-Paraisa ist heute eine rüstige alte Dame mit langen, schwarzen Locken, elegant gekleidet. Damals kommandierte sie eine Einheit der philippinischen Partisanen.

Remedios Gomez-Paraisa

Nach Anschlägen auf die japanischen Truppen sind wir oft in die Berge geflüchtet. Dort lebten wir manch- mal zwei, drei Tage oder auch eine ganze Woche nur von essbaren Pflanzen,die wir an Flussufern gesam- melt hatten. Das war sehr hart und viele von uns sind gestorben. Denn wir hatten auch keine Medizin, um Verwundete zu behandeln. Wir Überlebenden hatten einfach nur Glück. Aber wir kannten damals keine Furcht. Wir sahen es als unsere Pflicht an, unser Land zu verteidigen. Und als die alliierten Truppen end- lich landeten, hatten wir ihnen den Weg bereits frei gekämpft.

Das Bodenpersonal schaut gespannt zu, wie unsere Jagdbomber einer nach dem anderen von ihren Ein- sätzen zurückkehren. Jeden Tag werden wir erneut daran erinnert, dass wir unsere Stärke diesen wilden Adlern verdanken. Die Piloten sagen nichts, doch die Einschusslöcher in ihren Maschinen legen Zeugnis ab von ihren tollkühnen Luftkämpfen. Der Kommandant überreicht ihnen Geschenke. Aber wir alle in Japan sind aufgerufen, unsere tapferen Kämpfer zu unterstützen.

Erzählerin

Eine japanische Wochenschau aus dem 2. Weltkrieg: ein Offizier in weißer Uniform beschenkt Bomberpi- loten mit Reiswein. Lachend halten die Männer die Flaschen in die Kamera und grüßen ihren Kaiser Hiro- hito. Der selbsternannte Nachfahre der Sonnengöttin Amaterasu schickte mehr als sechs Millionen Sol- daten in den Krieg, um ein Reich zu erobern, das die halbe Welt umfassen sollte: von Indien im Westen bis zur Küste der Vereinigten Staaten im Osten. Sein Eroberungsfeldzug - und damit der 2. Weltkrieg in Asien - begann schon 1931: mit der Besetzung der Mandschurei im Norden Chinas.

Danach stießen japanische Truppen weiter nach Peking, Schanghai und Nanking vor. Korea, damals eine japanische Kolonie, diente der kaiserlichen Armee als Aufmarschgebiet und Nachschubbasis. Eineinhalb Millionen Frauen und Männer aus Korea mussten Zwangsarbeit leisten: in japanischen Kohlegruben und Waffenfabriken, an der Front und in der Etappe.

Hwang Kum-Ju

Ich bin 83 Jahre alt und heiße Hwang Kum-Ju. Mit zwölf Jahren kam ich aus der Provinz in die Stadt Ham- bung und mit neunzehn habe ich mich auf einen Aufruf der Japaner gemeldet. Es hieß,sie würden Mädch- en und junge Frauen als Fabrikarbeiterinnen suchen. Mein Arbeitsplatz sollte in Jirin sein, in der Mand- schurei. Die Japaner versprachen mir, dass ich nach zwei Jahren wieder in meine koreanische Heimat zurückkehren könnte. Tatsächlich haben sie mich sechs Jahre festgehalten. Jahrzehnte lang habe ich mit niemandem darüber reden können, was ich damals erleiden musste.

Erzählerin

Hukbalahap

Hwang Kum-Ju ist eine zierliche Frau mit einem Gesicht voller Falten, einem grauem Zopf und wachen Augen hinter einer Brille mit Gold- rand. Beim Gehen stützt sie sich auf einen Spazierstock, und wenn sie redet, stößt sie damit energisch auf den Boden.

Über ihre damaligen Erlebnisse kann sie auch ein halbes Jahrhundert später noch nicht vor einem Mikrophon sprechen. Aber sie hat sie aufgeschrieben: Als wir in Jirin ankamen, begrüßten uns Frauen, die schon länger dort waren, mit den Worten: ‚Es wäre für Euch besser gewesen, unterwegs zu sterben, als hier anzukommen und arbeiten zu

müssen. Tatsächlich bestand unsere ‚Arbeit’ darin, Japanischen Offizieren und Soldaten sexuell zu Diensten zu sein. Der erste, der mich vergewaltigte, war ein Offizier. Weil ich mich wehrte, schlug er mich, bis ich ohnmächtig wurde.

Danach sperrten sie mich zusammen mit anderen Mädchen in eine Holzbaracke mit sechs winzigen Räu- men. Sie hatten keine Türen. Die Eingänge waren nur mit Decken verhängt. Ständig gingen hier Soldaten ein und aus – bis nach Mitternacht. Viele Frauen zogen sich ansteckende Krankheiten zu. Einige waren vom Unterleib bis zum Bauchnabel mit eiternden Wunden übersät und hatten gelb geschwollene Gesich- ter. Sie landeten in einer Isolierstation und von dort verschwanden sie einfach. Niemand hat sie jemals wiedergesehen.

Ich habe meine Vergangenheit aus Scham nach dem Krieg verheimlicht. Wem hätte ich mich auch anver- trauen sollen? Nach Hause zurückzukehren, kam nicht in Frage. Hätte ich meine Geschichte erzählt, hät- ten mich die Leute wie eine Aussätzige behandelt. Deshalb habe ich geschwiegen und auch nicht gehei- ratet. Erst als in den neunziger Jahren Kim Hak-Sun, eine Leidensgefährtin, im Fernsehen auftrat und dazu aufrief, das Schweigen endlich zu brechen, habe auch ich mich entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Alle Welt sollte erfahren, dass die Japaner Zehntausende junge Frauen mit Arbeitsangeboten ge- lockt, aber dann verschleppt und viele von ihnen umgebracht haben.

Aus allen asiatischen Ländern, die Japans Streitkräfte im Zweiten Weltkriegüberfielen,aus Mal- aya, Indonesien, Burma, den Philippinen und China deportierten die Japaner Frauen in ihre Mil itärbordelle - insgesamt bis zu 200.000!

Die Japaner haben sich verhalten wie Tiere, nicht wie Menschen. Möge der Himmel sie bestraf- en!

Tim Ko

Lebten 1931 noch 840.000 Menschen in Hongkong, so waren es 1938 bereits 1,6 bis 1,8 Millionen. Nach- dem die japanischen Truppen 1938 auch Guangdong, die chinesische Nachbarprovinz Hongkongs, einge- nommen hatten, kamen so viele Flüchtlinge in die Stadt, dass ihre Einwohnerzahl auf das Doppelte an- stieg. Tim Ko ist Historiker und Mitarbeiter des Hongkonger Geschichtsmuseums. Den Vernichtungskrieg, den die Japaner in China schon seit 1937 führten, nennt er als Grund für den Massenexodus. Besonders berüchtigt war die japanische „Spezialeinheit 731“.

Wir lernten in der Grundausbildung, wie sich mit biologischen Waffen so viele Menschen wie möglich in kürzester Zeit töten ließen, und wir haben diese Methoden in China in der Region um Shijiazhuang einge- setzt. Shinozuka Yoshio war Armeearzt der „Spezialeinheit 731“.

Wir hatten den Befehl, alle Frauen, Kinder und Alten chinesischer Herkunft umzubringen. Die Kinder, weil sie aufwachsen und zu Feinden Japans werden könnten, die Frauen, weil sie weitere Kinder gebären kön- nten und die Alten, weil sie gegen uns spionieren könnten. Insgesamt hinterließen die japanischen Trup- pen in China etwa zehn Millionen Opfer.

Die japanische Okkupation Hongkongs begann im Dezember 1941 und dauerte „drei Jahre und acht Mon- ate“. In einem Film des Geschichtsmuseums der Stadt kann man noch heute sehen wie die Besatzer eng- lische Straßenschilder durch japanische ersetzten, wie Japanisch als Pflichtfach in den Schulen eingeführt wurde und wie sich die chinesischen Einwohner Hongkongs vor jedem japanischen Wachposten verbeugen mussten.

Tim Ko

Meine Großmutter erzählte mir als erste von der japanischen Besatzung. Mein Großvater konnte dies nicht mehr, denn er kam damals um. Auch hier in Hongkong haben die Japaner viele Chinesen umge- bracht. Die japanischen Militärpolizisten, die Kempeitai, brauchten dafür keinen Grund. Sie exekutierten die Leute mitten auf der Straße. Sie waren das Gesetz, so wie die Gestapo in Deutschland. Den Großvater meines Schulfreundes, er war Bauer, haben die Japaner bei der Feldarbeit niedergeschossen.

Ohne jeden Anlass. Sie nahmen ihn einfach als lebendige Zielscheibe. Ein Großonkel von mir ist auf die selbe Weise umgekommen. 1944, als der Nachschub aufgrund einer Seeblockade der Alliierten ausblieb und es in Hongkong nicht mehr genug zu essen gab, trieben die Japaner Chinesen auf der Straße zusam- men und setzten sie auf einer Insel vor der Küste aus. Dort sollten sie verhungern.

Ricardo José

Verglichen mit dem Rest von Südostasien gab es in den Philippinen im Zweiten Weltkrieg den höchsten Anteil an Opfern und nirgends sonst war die Zerstörung größer als hier. Die Zahl der Filipinos, die im Krieg ums Leben kamen, liegt – nach offiziellen Angaben der Regierung – bei etwa 1,1 Millionen. Das war ein extrem hoher Prozentsatz: einer von 16 Filipinos starb im Krieg. Ricardo José ist Dozent für Geschich- te an der Universität der Philippinen in der Hauptstadt Manila.

Ein Grund für die Sonderrolle der Philippinen war ihre zentrale Lage in Südostasien. Von hier aus ließen sich die Schifffahrtslinien kontrollieren, die für die Japaner wie für die US-Amerikaner unverzichtbar war- en. Deshalb wurde unser Land gleich zweimal zum Schlachtfeld: zu Beginn und gegen Ende des Krieges. Die Philippinen standen vor dem Krieg unter US-amerikanischer Kolonialherrschaft. Aber die Amerikaner hatten 1935 versprochen, die Filipinos zehn Jahre später in die Unabhängigkeit zu entlassen. Mitten in dieser Übergangsperiode erfolgte 1941 der japanische Angriff. Wir hatten bereits eine philippinische Über- gangsregierung und auch eine eigene Armee.

Hukbalahap

Anders als in Indien, Burma, Malaysia und Indonesien schien unsere Unab- hängigkeit zum Greifen nahe. Für die Filipinos war deshalb nach dem japan- ischen Überfall völlig klar, dass die Japaner keine Befreier, sondern Feinde waren. Achtzig Prozent der Bevölkerung unterstützten deshalb auf die eine oder andere Weise den Widerstand gegen die japanischen Besatzer.

Eine Million Filipinos war auch bereit, in verschiedenen Guerilla-Bewegungen gegen die Japaner zu kämpfen. Das Problem war nur: es gab nicht genug Waffen. Auf zwanzig Freiwillige, die zu den Partisanen gingen, kam nur ein Gewehr. Luis Taruc führte die größte und schlagkräftigste philippinische Gu- erilla, die „antijapanische Volksbefreiungsarmee“ Hukbalahap an. Wir waren gegen Nazismus, Faschismus und den japanischen Militarismus, aber auch gegen den Imperialismus der Amerikaner. Aber wir kamen zu dem Ergebnis,

das Letzterer das kleinere Übel darstellte. Wir hofften, dass selbst das kapitalistische Amerika nach dem Krieg demokratischer würde.

So begannen wir schon 1939 mit dem Boykott japanischer Güter und organisierten in der Hauptstadt Ma- nila und in den größten Provinzen der Hauptinsel Luzon Demonstrationen gegen Nazismus, Faschismus und den japanischen Imperialismus. Und weil ich dabei einer der populärsten Redner war, forderten unse- re Parteiführer mich auf, eine antijapanische Guerilla aufzubauen, die Hukbalahap.

Die japanische Luftwaffe flog ihre ersten Angriffe auf die Philippinen am 8. Dezember 1941, sieben Stun- den nach ihrer Attacke auf Pearl Harbor. Die Bomber zerstörten die "Clark Air Base" und fast alle dort stationierten Flugzeuge der US-Luftwaffe. Nur wenig später landeten schon japanische Bodentruppen auf der Halbinsel Bataan, nördlich von Manila.

Von den 80.000 Soldaten, die in Bataan gegen die Japaner kämpften,waren mindestens sechzig- bis sieb- zigtausend Filipinos. Die wenigen Amerikaner hielten sich in den hinteren Reihen und wurden wesentlich besser verpflegt als die Filipinos, die sich den Japanern entgegen warfen, obwohl sie schlecht ausgerüstet waren.

Jeder philippinische Soldat hatte gerade mal fünf Kugeln. Zum einen, weil die Amerikaner damals selbst nicht über genügend Gewehre verfügten, zum anderen aber, weil sie sich nicht trauten, die Filipinos zu bewaffnen. Denn sie sagten sich:

„Wenn wir ihnen Gewehre geben, was wird sie daran hindern, diese auf ihre Kolonialherren zu richten, auf uns?“So mussten die Filipinos mit billigen,ausrangierten Gewehren aus dem Ersten Weltkrieg vorlieb neh- men. Mehr konnte sich die philippinische Übergangsregierung nicht leisten. Den gut bewaffneten Japanern waren die Filipinos damit nicht gewachsen.

Im Februar 1942 hatten die japanischen Truppen die Verteidiger der Halbinsel Bataan eingekesselt und von jeglichem Nachschub abgeschnitten. Hunger und Malaria rafften Tausende dahin. Der Oberbefehls- haber der US-Streitkräfte, Douglas MacArthur,hatte sich mit den ihm verbliebenen Soldaten auf der klein- en, zur Festung ausgebauten Insel Corregidor in der Bucht von Manila verschanzt. Im März 42 floh er nach Australien.

Luis Taruc

Als in Bataan und Corregidor noch gekämpft wurde, trafen wir uns am 26. und 27. März 1942 mit 2000 Partisanen der Hukbalahap zu einem Kongress und bereiteten uns auf den bewaffneten Kampf vor, falls die Japaner die gesamten Philippinen erobern sollten.

Als die amerikanisch-philippinischen Streitkräfte sich kurz danach den Japanern ergaben, versuchten wir, in Bataan möglichst viele ihrer Waffen und Munition zu übernehmen. Es gelang uns tatsächlich, 5.000 bis 7.000 Gewehre und Munition zu sichern. Denn zwei bis drei Tage lang waren die Japaner vor allem damit beschäftigt, ihren berüchtigten „Todesmarsch“ zu organisieren.

Ricardo José

Der „Todesmarsch“ war eines der größten Verbrechen des Krieges. Als sich unsere Truppen auf der Halb- insel Bataan ergaben, waren sie ausgehungert, krank und schwach. Trotzdem zwangen die Japaner sie, achtzig Kilometer weit zu Fuß bis in das Lager Capas in der Provinz Tarlac zu laufen.

Etwa 60.000 Kriegsgefangene traten den Marsch an, aber nur die Hälfte von ihnen, zwischen 25.000 und 30.000, sollte in dem Konzentrationslager ankommen. Von den restlichen 30.000 konnten einige fliehen, die anderen wurden ermordet. Deshalb sprechen wir von einem Todesmarsch.

Die Japaner haben unterwegs Gefangene massenhaft liquidiert. Sie ermordeten jeden, der strauchelte oder fiel. Sie gaben den Männern kaum etwas zu essen und nur sehr wenig Wasser und das im April 1942, im heißesten Monat des Jahres. Selbst in der größten Mittagshitze mussten die Gefangenen weiter marschieren. Irgendwann hatten sie so großen Durst, dass sich manche in schmutzige Kanäle am Weges- rand stürzten.

Hukbalahap

Sie wurden von den Japanern mit Bajonetten erstochen oder erschoss- en. Andere stießen die Japaner vor anrückende Panzer und ließen sie  niederwalzen. Ein japanischer Offizier fuhr auf einem Panzer an der Ko- lonne vorbei und schlug den Gefangenen mit seinem Samuraischwert reihenweise die Köpfe ab.

Die wenigen regulären philippinischen Soldaten,die den Japanern ent- kommen konnten, hatte US-Kommandant MacArthur vor seinem Abzug aufgefordert,die Waffen niederzulegen und auf seine Rückkehr zu war- ten. Nach dem Fall von Bataan und Corregidor nahmen die Filipinos

den Widerstand gegen die Japaner selbst in die Hand und kämpften für ihre Befreiung. Überall auf den Inseln und in allen Provinzen entstanden Guerilla-Truppen. Einige glaubten an die US-amerikanischen Versprechen und hofften auf MacArthurs Rückkehr. Andere vertraten den Standpunkt: „Wir kämpfen für die Befreiung der Philippinen, ganz egal ob die Amerikaner zurück kommen oder nicht.“ Tatsächlich wäre der Krieg ohne den Widerstand der Filipinos anders verlaufen, denn als die amerikanischen Truppen zu- rückkehrten, hatten die philippinischen Guerillas bereits die meisten Orte befreit.

In Zamboanga formierte sich eine Guerilla, die aus Teilen der regulären Streitkräfte und Zivilisten be- stand. Sie verfügte über 300 Leute. Wir zogen uns aufs Land zurück und den Japanern blieb nur die Stadt.

Musa O. Ani stammt von Mindanao, der zweitgrößten der 7107 philippinischen Inseln. Noch mit neunzig Jahren trägt er voller Stolz seine alte Uniformjacke und eine Militärmütze, die ihn als Veteran des Wider- standes ausweist.

Musa O. Ani

Auch wenn wir kaum Waffen hatten und sie nur mit Buschmessern angreifen konnten, trauten sich die Japaner bald nicht mehr in die von uns kontrollierten Gebiete. Die Japaner landeten am 25. Dezember 1941 in Jolo, um acht Uhr morgens. Alle flohen in den Dschungel. Um zehn Uhr forderten sie die Leute per Lautsprecher auf, zurück in die Stadt Jolo zu kommen und versprachen, den Zivilisten kein Haar zu krümmen.

Sie plünderten die Geschäfte der chinesischen Kaufleute und verteilten daraus Weihnachtsgeschenke an diejenigen, die nach Jolo zurückkehrten. Hadji Abundi Ajiji war Mitglied einer muslimischen Partisanenbe- wegung auf der südphilippinischen Insel Jolo. Dort lebt er auch heute noch in einem Elendsviertel am Ha- fen, gleich neben einer kleinen Moschee. Insgesamt schlossen sich 3.000 Mann unserer Widerstandsbewegung an.

Sie stand unter dem Kommando eines philippinischen Oberst namens Suarez und operierte in der gesam- ten Sulu-See. Auch ich meldete mich, obwohl ich erst 14 Jahre alt war. Ich gab mich als 18-jähriger aus, um der Guerilla beitreten zu können. Alle Widerstandskämpfer waren Muslime. Unsere Waffen kamen aus Australien und wurden mit U-Booten auf die Insel Tawi-Tawi gebracht. Am 15. April 1945 wurde ich bei Kämpfen gegen die stärkste japanische Garnison Batu Puti verwundet. Bis heute steckt eine Kugel in meinem Bein. Da waren die Amerikaner noch immer nicht nach Jolo zurückgekehrt. Aber die Guerilla hatte bereits weite Teile der Insel befreit.

Unsere Befreiungsarmee bestand aus 30.000 bewaffneten Kämpfern und 70.000 Reservisten, insgesamt also aus etwa 100.000 Mann. Wir gingen nach der Devise vor: die japanische Armee ist unser Waffenla- ger. Wir greifen sie an,wann immer es möglich ist,Waffen und Munition von ihnen zu erbeuten. Die Volks- befreiungsarmee Hukbalahap operierte auf Luzon, der größten Insel der Philippinen mit der Hauptstadt Manila.

Wir hatten Spione in den Städten, die uns über die Stärke der japanischen Truppen informierten, wann immer diese ausrückten. Waren sie zu viele, zogen wir uns zurück. Denn die erste Regel unserer Guerilla war: nicht gegen den Feind kämpfen, wenn er stärker ist. War er jedoch nicht übermächtig, griffen wir aus dem Hinterhalt an. Und immer, wenn die Feinde eine Rast einlegen wollten, störten wir ihre Ruhe. Und zogen sie sich zurück, setzten wir ihnen nach. Als die amerikanischen Truppen nach drei Jahren auf die Philippinen zurückkehrten, hatten Partisanen schon fast das ganze Land befreit. Die Japaner verfügten nur noch über zwei Rückzugsgebiete:

Die „Clark Air Base“ und die Bergregion der Provinz Rizal. Die amerikanischen Truppen,die in unsere Pro- vinz Pangasinan einrückten, saßen in ihren Jeeps, musizierten auf der Ukulele und verteilten Schokolad- enriegel und Zigaretten an die Bevölkerung. Sie brauchten dort nicht mehr zu kämpfen, denn das hatten wir bereits für sie erledigt. Zusammen mit chinesischen Widerstandskämpfern gingen wir auch beim Marsch auf Manila voran und befreiten dort 4.000 amerikanische Zivilisten, die von den Japanern in der Universität Santo Tomas festgehalten wurden.

Als General MacArthur im Oktober 1944, zweieinhalb Jahre nach seinem Abzug, mit starken US-Verbän- den in die Philippinen zurückkehrte, zog sich ein Teil der 500.000 japanischen Besatzungssoldaten in die Hauptstadt Manila zurück. ... Auf ihrem Rückzug nahmen die japanischen Besatzer Rache an der philip- pinischen Zivilbevölkerung. Eines Nachts wurden wir plötzlich aus dem Schlaf gerissen. Ein Japaner brül- lte: ‚Aufwachen, alle aufstehen! Kommt sofort zum Baseball-Platz!’ Buenafortuna Hardillo lebt in Canlu- bang südlich von Manila in einer von Zuckerplantagen geprägten ländlichen Gegend.

Hukbalahap Karte

Mein Mann und ich hielten uns fest umklammert und liefen zu dem Platz, auf dem bald alle Einwohner von Canlubang versammelt waren. Um uns herum Japaner mit Maschinengewehren. Sie schrieen und drohten, uns alle zu er- schießen. Denn wir seien „Dorobo“ – „Gesindel“. Nur die Fürsprache eines Japaners, der schon vor dem Krieg in dem Ort gelebt hatte, verhinderte das drohende Massaker. Die Japaner zogen ab.

Kurz darauf schreckten wir wieder aus dem Schlaf hoch. Ein Schuss hatte uns aufgeweckt. Mein Mann kletterte auf einen Guava-Baum, um zu sehen, was los war und rief mir zu: „Lass alles stehen und liegen. Wir müssen sofort ver- schwinden.Die Japaner sind wieder im Anmarsch.“Schon fielen weitere Schüs- se. Und dann nahm das Schießen kein Ende mehr. Vor uns und hinter uns fie- len Leute getroffen zu Boden.

Wir versteckten uns eng aneinander gekauert in einem Kanalrohr und sahen, wie die Japaner immer mehr Leute erschossen. Mein Mann hielt mir den Mund zu, damit ich nicht aufschrie und flehte mich an, mich zu beruhigen, sonst würden sie uns hören und uns auch erschießen.

Als die Amerikaner Manila angriffen, liefen die japanischen Soldaten Amok und setzten alles daran, mög- lichst viele Menschen zu ermorden. Sie überschütteten Hütten mit Benzin und brannten sie mitsamt ihren Bewohnern nieder. Sie warfen Handgranaten unter die Leute. Sie befahlen Männern,in Reih und Glied an- zutreten und schlugen ihnen die Köpfe ab. Und sie vergewaltigten massenhaft Frauen.

Sie wüteten hier wie in der chinesischen Stadt Nanking. Um den Einmarsch der Amerikaner aufzuhalten, steckten sie den gesamten Norden Manilas in Brand und zogen sich selbst über den Fluss Pasig in die südlichen Stadtteile zurück.  Dort machten sie die Viertel Ermita und Malate dem Erdboden gleich und ließen die Gebäude der Universität in Flammen aufgehen.  Als die Amerikaner trotzdem den Fluss über- querten, begann ein Kampf von Haus zu Haus.

Wir hatten den Amerikanern den Weg nach Manila frei gemacht. Mit ihren Bomben zerstörten sie weite Teile der Stadt und töteten zahllose Filipinos. Dabei hatten sich Japaner, die wir in Manila eingekesselt und mit Hilfe amerikanischer Hubschrauber und über Lautsprecher zur Aufgabe aufgefordert hatten, nach einigen Scharmützeln tatsächlich ergeben.

Die Meinung der philippinischen Widerstandskämpfer und insbesondere die von sozialistischen Partisanen wie Luis Taruc und Remedios Gomez-Paraisa war nach dem Einmarsch der Amerikaner nicht mehr ge- fragt. Als sie uns befahlen, die Waffen abzugeben, waren unsere Anführer sehr verärgert.

Sie lehnten es ab, sich von US-Soldaten zurück in ihre Heimatprovinz Bulacan transportieren zu lassen. Sie gingen zu Fuß. Dort angekommen, wurden sie festgenommen und viele von ihnen liquidiert, etwa 200 Mitstreiter der Hukbalahap, darunter auch Frauen, die für die Befreiung Manilas gekämpft hatten.

Es war im März 1945. Wir trafen uns in San Fernando, in der Provinz Pampanga, um Berichte über den Stand des Krieges in den verschiedenen Landesteilen auszutauschen. Da tauchten plötzlich die Amerika- ner auf, sperrten uns alle ins örtliche Gefängnis und drohten, uns hinzurichten, weil wir anti-amerikanisch seien. Schließlich verfrachteten sie uns auf ein Schiff, mit dem ansonsten Kühe und Schweine transport- iert wurden, und verschleppten uns in die Strafkolonie Iwahig auf der abgelegenen Insel Palawan.

Bis 1968 verbrachte Luis Taruc insgesamt 16 Jahre und sieben Monate im Gefängnis. Als der Krieg 1945 zu Ende ging hatten wir noch Hoffnung, dass die USA uns 1946 nicht nur - wie versprochen - die Unab- hängigkeit zugestehen würden, sondern dass wir uns endgültig von US-amerikanischer Bevormundung befreien könnten.

Aber dem war nicht so. Wir mussten weiterhin ihre Militärstützpunkte in unserem Land dulden. Wir durf- ten unsere Exportprodukte nur an amerikanische Firmen verkaufen, die natürlich die Preise bestimmten. Und während wir stets eine Landreform gefordert hatten, schützten und hätschelten sie die philippinisch- en Großgrundbesitzer. 

Wir hatten dauerhaften Frieden, wahre Demokratie und Gerechtigkeit erhofft. Aber nachdem wir so lange für die Befreiung unseres Landes gekämpft hatten, dauerte es nur wenige Monate, bis wir erkannten, dass sich unsere Hoffnungen nicht erfüllen. Deshalb kehrten wir in die Berge zurück, um weiter zu käm- pfen.

Erst 1990, unter der Präsidentin Corazon Aquino, erkannte die philippinische Regierung auch die Hukbala- hap als Widerstandsbewegung an und bewilligte ihren Mitgliedern eine Rente. Wir bekommen 4.000 Pesos im Monat. 4.000 philippinische Pesos bekommt Remedios Gomez-Paraisa - das sind umgerechnet etwa 60 Euro. Zwei Euro pro Tag für vier Jahre Kriegsdienst!

Mehr erhielten die Kolonialsoldaten, die im Zweiten Weltkrieg auf Seiten der Alliierten gekämpft haben, auch in anderen asiatischen Ländern in der Regel nicht. Und Entschädigungen von den Japanern gab es schon gar nicht: nicht für die Angehörigen der Millionen Kriegsopfer in den überfallenen Ländern, nicht für die Millionen Zwangsarbeiter und nicht für die 200.000 Zwangsprostituierten der japanischen Armee.

Ein Mittwoch vor der japanischen Botschaft in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas. Ein paar Dutzend Frauen demonstrieren vor dem streng bewachten Eingangstor mit der japanischen Flagge. Die meisten sind schon über 80 Jahre alt und manche haben sich Klappstühle mitgebracht. Sie halten ihre Transparente im Sitzen:

Hukbalahap Karte

Strafen für die Verantwortlichen – Entschädigungen für die Opfer! Ja- pan, bekenne Deine Schuld! Korrigiere Deine Geschichtsbücher! Wir fordern ein Mahnmal für die geschundenen Frauen! Schon seit 12 Jahren demonstrieren diese Frauen jeden Mittwoch in Seoul. Im Februar 2004 trafen sie sich zum sechshundersten Mal. Hwang Kum-Ju war fast jedesmal dabei:

Mir geht es nicht ums Geld. Meine verlorene Jugend lässt sich nicht wieder gut machen. Aber ich werde hier bei Wind und Wetter so lange demonstrieren, bis sich die Japaner bei mir entschuldigt haben. Solange ich lebe, warte ich auf ein Schuldeingeständnis aus Tokio.

Als Nordkoreaner vor einigen Jahren einige Japaner entführten und fünf von ihnen umkamen, machten die japanischen Behörden ein Mordsgeschrei und

verlangten Entschädigungen von Nordkorea für die Opfer. Dieselben japanischen Regierungsstellen wollen von den Zehntausenden jungen und unverheirateten Mädchen, die ihre Soldaten im Krieg missbraucht haben, nichts wissen und nichts hören. Sie warten einfach darauf, dass Frauen wie ich sterben. Link: wikipedia/SWR2 Wissen

“Ohne uns hätten die Alliierten den Krieg nie gewonnen“