Iglesia ni Cristo - Geschichte

Die Iglesia ni Cristo (Kirche Christi) ist eine philippinische Religionsgemein- schaft, die 1914 von Felix Manalo (1886 - 1963) ins Leben gerufen wurde. Manalo wuchs in einem katholisch geprägten Elternhaus auf.
Da er zu der Ansicht gelangte, dass andere protestantisch orientierte Kirchen näher an der biblischen Wahrheit seien, verliess er die Katholische Kirche und schloss sich verschiedenen Freikirchen an. 1913 verstarb seine Frau und Manalo
zog sich zur Meditation in die Einsamkeit zurück. In einer Vision empfing er ein prophetisches Berufungs- erlebnis. Er kam zum Glauben, dass er der «Letzte Prophet Gottes» sei, nur er sei befugt, die wahre Bot- schaft Gottes zu vermitteln. Die anderen Kirchen seien vom wahren Glauben abgefallen. 1914 gründete er seine eigene Kirche, die «Iglesia ni Christo».
Die neue Kirche fand bald regen Zulauf und innert kurzer Zeit sammelte Manalo ca. 3000 Anhänger um sich. 1920, Manalo befand sich für ein Jahr in den USA um dort die protestantische Szene zu studieren, zwang ihn eine drohende Kirchenspaltung zur Rückkehr. In die Philippinen zurückgekommen, erhob er sich öffentlich in den Rang eines göttlichen Propheten.
Dazumal hatte die Iglesia ni Cristo nur regionale Bedeutung, wuchs jedoch im Laufe der Zeit und expandierte auch auf andere Inseln der Philippinen, nach dem Tod von Felix Manalo (1963) auch ins Ausland. Nachfolger wurde Erano G. Manalo (1925) einer der fünf Söhne von Felix Manalo.
Eranos Sohn Eduardo Manalo (1955) - also die dritte Generation - wurde bereits eingearbeitet und soll nach dem Tod seines Vaters Erano (inzwischen bereits im 87. Lebensjahr) die Kirchenleitung übernehmen. Zur Zeit fungiert er als «Deputy Executive Minister» und rechte Hand seines Vaters.

Auf den Philippinen zählt die Iglesia ni Cristo mehr als 2 Millionen Mit- glieder, dazu kommen noch - vorwiegend philippinische - Gläubige in anderen Ländern, besonders in den Vereinigten Staaten. Schätzungen sprechen von insgesamt rund vier Millionen Mitgliedern wenn nicht mehr.
Unbestritten ist, dass die Kirche an Wachstum zunimmt. Weltweit gibt es in 87 Ländern Gemeinschaften der Kirche - mit Schwerpunkt USA (Hawaii / Kalifornien), Vorderer Orient und Europa. Im deutschsprachi-
gen Raum gibt es 13 Versammlungsorte in Deutschland, zwei in Österreich sowie zwei in der Schweiz (Kloten bei Zürich und Genf). Zur Gemeinschaft in Kloten zählen etwa 60 Mitglieder, die teilweise auch aus der Ost- und Nordwestschweiz kommen (nach Aussage eines Mitglieds auch aus Basel).
Die Mehrzahl der Mitglieder in Kloten sind zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt. Etwa 15% der Mitglie- der sind Schweizer, hauptsächlich Männer, die eine Filipina geheiratet haben, die der Kirche angehört. In der Schweiz fand der erste Gottesdienst bereits 1984 in Genf statt, in Zürich (Kirchberg) 1986.
Lehre

Felix Manalo versteht sich als letzter Prophet, als «Engel des Ostens», der die ursprüngliche Glaubenslehre als letzte Botschaft Gottes neu vermittelt. Die anderen christlichen Kirchen sind schon im ersten Jahr- hundert vom wahren Glauben abgefallen.
So sieht sich die Iglesia ni Christo als die Wiederherstellung des Ur- christentums. In den Lehren der Kirche entdeckt man mehrere Paral- lelen zu den Lehren von Jehovas Zeugen. So wird die Dreieinigkeits- lehre - Gott manifestiert sich in drei Personen, in Vater, Sohn und Heiliger Geist - abgelehnt und die Gött- lichkeit von Jesus Christus
bestritten. Christus gilt zwar göttlicher Botschafter,war jedoch nur ein Mensch. Die INC vergleicht Stellen in der Bibel, die die Unterschiede zwischen Gott und Christus aufzeigen sollen, u.a. Joh. 4:24 (Gott ist Geist ....) mit Lukas 24:39 (Seht doch meine Hände und meine Füsse...).
Ein Geist hat doch nicht Fleisch und Knochen wie ich) oder auch Psalm 90:2 (...schon bevor die Erde und die Welt da war, bist Du, Gott von Ewigkeiten her) mit Joh. 8:42 (...Ich bin nicht von mir selbst gekom- men, sondern jener Eine hat mich gesandt). Es gibt kein Weiterleben nach dem Tod, die «Seele» schläft, um dann wieder erweckt zu werden. Mitglied wird man durch die Taufe, der ein Bibelstudium vorausgeh- en muss.
Persönliche Interpretationen der Bibel sind unerwünscht. Nur die Führung der Kirche hat Interpretations- befugnis. Die Bibel wird nicht nur zur Begründung der eigenen Glaubenlehre genutzt, sondern auch als Beweis der «Irrlehren» der anderen christlichen Kirchen eingesetzt, insbesondere derjenigen der römisch-katholischen Kirche. Nur wer Mitglied der Kirche ist, d. h. der Iglesia ni Cristo, wird erlöst. Richtiger Glau- be allein reicht nicht aus.
In den neunziger Jahren sind die "Ten Commands" (Zehn Gebote) erlassen worden. Diese haben insbe- sondere die Einheit und Geschlossenheit der Kirche zum Ziel sowie den religiösen Gehorsam der Glaub- ensbrüder gegenüber der autoritativen Kirchenführung.

(Gebot 10: Du sollst nicht gegen die Kirchenverwaltung rebellieren od- er mit ihr streiten). Die Mitglieder bemühen sich um eine gesunde Leb- ensweise, Alkoholkonsum ist untersagt, Rauchen wird nicht gutgeheis- sen, jedoch toleriert.
Die Familie hat einen hohen Stellenwert. Kinder haben ihren Eltern zu gehorchen. Wenn körperliche Züchtigung notwendig erscheint, wird den Kindern zuvor erklärt warum diese stattfindet, so dass sie ver- stehen, dass diese zu ihrem eigenen Nutzen geschieht. Ebenso wird stark an das Sündenbewusstsein und die Reuepflicht der Gläubigen
appelliert. Immer wieder wird auch für Wachstum und finanziellem Wohlstand der Kirche gebetet. Da sich die Iglesia ni Cristo als die einzig wahre Kirche betrachtet, ist Oekumene kein Thema.
Organisation, Finanzen
Die Kirche wird sehr straff geführt. Oberstes Leitungsgremium ist die „Central Administration" mit zentral- em Hauptsitz in Diliman, Quezon City. Der „Central Administration" gehören - unter der Leitung des Executive Ministers Erano Manalo - ein Kabinett von zwölf weiteren "Senior Ministern" an.
In der Kirchenhierarchie folgen Gebietsleiter („District Officers"), Geistliche („Ministers"), Hauptdiakone und Diakone (Gemeindehelfer). Frauen dürfen nur das Amt einer Diakonisse oder einer Chorleiterin aus- üben. Höhere Leitungspositionen sind ihnen nicht gestattet.
Neben einer untadeligen Lebensführung setzt ein Aufstieg in die Kirchenhierarchie auch voraus, dass sich die gesamte Familie der Kirche angeschlossen hat. Das verstärkt den sozialen Druck, insbesondere auf andersgläubige Familienangehörige und hat in nicht wenigen Fällen Ehescheidungen zur Folge gehabt.

Die Kirche betont, dass Spenden freiwillig sind, im Gegensatz zu anderen Kirch- en wie zum Beispiel zum «Zehnten», der allgemein in Freikirchen üblich ist (10% des Einkommens werden der Kirche abgegeben). Es wird aber von erheblichem Spendendruck auf die Gläubigen berichtet.
Das Geld wird zentral verwaltet.
Die Kirche ist vermögend und es werden auf der ganzen Welt Grundstücke und Gebäude aufgekauft. Ne- ben ihrem Vermögen besitzt die Kirche neben der riesigen Tempelkirche in Diliman und der fast palast- ähnlichen Kirche auf Mactan-Island, auch Grund und Boden von vielen kleineren Ortskirchen. Der Grund- stückserwerb ist oft mit einem strittigen Antrag auf Steuerbefreiung verbunden. Link: inforel
