Luis Taruc

Luis Taruc (* 21. Juni 1913 in San Luis, Pampanga; † 4. Mai 2005 in Quezon City) war ein philippinischer Politiker. Von 1942 bis 1954 führte er die komm- unistische Widerstandsbewegung Hukbalahap. Taruc stammte aus bäuerlichen Verhältnissen. Als Student in Manila fand er Kontakt zu den kommunistischen Intellektuellen Pedro Abad Santos und Juan Felio und schloss sich der komm- unistischen Bewegung an.
1942 wurde er Anführer der bäuerlichen Befreiungsbewegung Hukbalahap, die die japanischen Invasoren und zugleich die Großgrundbesitzer bekämpfte. Der Guerrillakampf gegen die Japaner trug wesentlich zu deren Rückzug von den Philippinen 1945 bei. Der amerikanische Militärkommandant Douglas MacArth- ur erklärte die Hukbalahap jedoch für illegal und ließ Taruc verhaften.
Taruc unterstützte 1946 die Präsidentschaftskandidatur von Sergio Osmena und wurde ins Parlament gewählt, doch der gewählte Präsident Manuel Roxas erkannte seine parlament- arische Immunität nicht an. Deshalb floh Taruc in die Berge und setzte den Guerrillakampf der Hukbala- hap fort. Dabei ging es ihm auch um die Anerkennung der Hukbalahap-Leute als Befreiungskämpfer ge- gen die Japaner.
1954 erreichte der Journalist Benigno Aquino in Verhandlungen mit Taruc, dass dieser seinen Widerstand aufgab und die Hukbalahap die Waffen niederlegte. Taruc wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Nach sei- ner Haftentlassung setzte er sich weiter für eine Landreform zugunsten der Kleinbauern ein. Link: wikipedia
Die Huks und ihr Führer Luis Taruc - Aufstand auf den Philippinen
Auf den Philippinen haben 'Wahlen" stattgefunden. Präsident Quirino wurde in seinem Amt bestätigt. Während der Wahlhandlungen kam es zu blutigen Zwischenfällen. Vorher waren bereits 5000 Personen mit „dissidenten" Anschauungen verhaftet worden. Seit dem Kriege ist das Land nicht zur Ruhe gekomm- en, aus den Unruhen, die weit in die Vergangenheit zurückreichen.

Die Bevölkerung der Inseln zerfällt in nnzählige Gruppen, von denen sich, sprachlich gesehen, sogar bis heute neun verschiedene erhalten haben. Noch heute leben in der unmittelbaren Nähe der Hauptstadt Manila in unzugänglichen Waldgebieten die primitiven und scheuen Negritos.
Im Norden der Insel Luzon aber haben sich die Bauern erhalten, die von alters her Reisauf terrassierten Feldern mit komplizierten Bewäs- serungsanlagen bauen. Im Süden der Inselgruppe leben sogar noch mohammedanische Stämme. Im übrigen aber wurde das ganze Ge- biet seit der Christianisierung durch die Spanier mit einer Schicht spanische;'" Kolonjalkultux überzogen, die tn Ostasien einzig dasteht
und ihres gleichen nur in Südamerika findet. Auch die eingeborenen Sprachen wurden nach. und nach zurückgedrängt, und Spanisch trat an ihre Stelle. Bis nach dem Spanisch-Amerikanrscrien Krieg die Insel 1898 in amerikanische Hände überging. Die Amerikaner haben erfolgreich das moderne amerikanische demokratische System eingeführt.
Heute stehen die Inseln als ein modernes und christliches Staatswesen eigener Prägung in Ostasien als Nachbar Japans, Chinas, Indiens und der unruhigen indonesischen Inseln und als Vorposten amerikan- ischer Kultur.
Jedoch, so erfolgreich die politische und wirtschaftliche Entwicklung der letzten fünfzig Jähre im allge- meinen schon war — man konnte doch nicht erwarten, daß die innere Staatsstruktur det Philippinen dieselbe Kraft und Zähigkeit erhielte wie andere Staaten, die, seit Jahrhunderten auf einem einheitlichen Yolknum beruhen. Heute zwar werben über diese Autostraßen durch die Inseln gebaut, logisch das der, so plötzlich geschaffene Kontakt mit primitiven Völkern einer organischen Entwicklung, nicht immer günstig ist.
Und nun erst die Komplikationen, die die moderne Wirtschaft hervorrief! Seit ihrer wirtschaftlichen An- lehnung an die Vereinigten Staaten wurden die Philippinen mehr und mehr zu einem Exportland von Zucker, Reis und Tabak. Dabei wurde zugunsten des Exports vielfach die heimische landwirtschaftliche Produktion soweit umgestellt, daß die Filipinos für ihre Ernährung vom Import abhängig wurden.

Diese Abhängigkeit vom Weltmarkt aber mit seinen vielfachen Schwank- ungen führte besonders in der näheren Umgebung von Manila zur Bild- ung eines zahlenmäßig geringen, aber sehr reichen Großgrundbesitzer- standes,dem heute eine unverhältnismäßig große Anzahl Besitz und bei- nahe rechtloser Pächter gegen übersteht.
Nur die fern der Hauptstadt lebenden Reisbauenden Bauern bilden heute eine verhältnismäßig stabile Schicht,während das Gebiet von Zentral Lu- zon, nördlich der Hauptstadt, seit Jahrzehnten einen Unruheherd dar- stellt. Gerade dort haben sich Zustände ergeben, die an jene in Griech- enland oder Burma erinnern.
So kam es soweit, daß hundert Kilometer von Manila entfernt sich das Land in den Händen einer Aufstän- digen- Armee befindet, die gegen die Regierung kämpft. Diese „Hukbalahap"—eine Abkürzung von "Huk- bo ng Bayan Laban sa mga Hapon" , zu Deutsch: Volksarmee gegen die Japaner — sind ein Überbleibsel des letzten Weltkrieges. Aber sie kämpfen weiter.
Die ungünstigen wirtschaftlichen und sozialen Zustände, die noch keine philippinische Regierung seit dem Krieg zu bessern vermochte, sind schuld daran. An diesen Reihen kämpfen die Pächter der Reisfelder in Zentral-Luzon für eine erträgliche Regelung ihrer Verpflichtungen gegenüber den Grundbesitzern. Freilich, die Verschuldung dieser Pächter ist zum Teil so groß, daß ihnen nur 8 v. H. der Ertragnisse ihrer Arbeit verbleibt.
Und doch war das Ergebnis der Kämnfe zwischen den Großgrundbesitzern und den Pächtern bis heute immer das gleiche: immer weniger und immer reichere Großgrundbesitzer und mehr und noch ärmere Pächter. Der Führer der Aufständischen, der „Huks", ist Laus Taruc, ein schmaler kränklicher, aber ener- gischer junger Bauernsohn.
Als Schüler des Sozialisten Pedro Abad Saritos fand er nach der japanischen Besetzung schnell) den Weg zu den kommunistischen Widerstandsgruppen, die sich in dem Reisiand gebildet hatten. Damals, schon wenige Wochen nach dem Fall von Manila und noch ehe die Festung Corregidor von den Japanern erobert worden war, hatte sich unter seiner Führung im Hinterland die „Volksarmee gegen die Japaner" gebildet.

Und tatsächlich gelang es den „Huks" während des Krieges, ein be- trächtliches Gebiet für die Japaner unzugänglich zu halten. Die „Huks" behaupten, 25 000 Japaner, Spione und Kollaborateure getötet und an die 1200 Gefechte gegen die japanische Armee geführt zu haben.
Heute beträgt ihre politische Befreiungsbewegung ungefähr 40 000 Mitglieder, die wohl darauf aus sind, daß sie mindestens drei umfass- ende Provinze Gebiete nördlich von Manila den ganzen Krieg hindurch bis heute selbständig verwalten vermöchten. Übrigens sind die Huks." nicht kommunistisch im landläufigen Sinne.
Nur die obersten Führer, die Leute in der näheren Umgebung von Luis Taruc, mögen „doktrinär gefestig- te" Kommunisten sein. Im Grunde, aber bestehen die „Huks" aus verzweifelten verarmten Bauern; um für ein erträgliches Leben zu kämpfem. Und was Luis Taruc und, seine Mitarbeiter angeht, so brachten die Amerikaner sie zunächst für sieben Monate in Untersuchungshaft.
Es gelang ihnen jedoch nicht, die „Huks" entwaffnen, und die Großgrundbesitzer, die zum großen Teil den Krieg über ihre Geschäfte mit den Japanern gemacht hatten, hüteten sich nach wie vor, ihre Ländereien zu besuchen. Sie fürchteten immer noch die Schüsse aus dem Hinterhalt.
Bei der Präsidentenwahl im Jahre 1946. standen die „Huks" auf der Seite des bisherigen Präsidenten Ser- gio Osmena: sie wollten verhindern, daß General Manuel Roxas den sie haßten, zum Präsidenten gewählt würde; Roxas siegt, jedoch und als eine seiner ersten Amtshandlungen sandte er 5000 Polizisten in das von den Aufständischen besetzte Gebiet. In den beiden folgenden Jahren gab es immer wieder regelrecht Gefechte zwischen der Polizei und den "Huks".Darin findet sich aucn ein interessantes Dokument, das die psychologischen Hintergründe der Bewegung aufdeckt.
Es ist. das Verhör eines jungen Offiziers det Aufständischen,'• den " die Polizisten gefangennahmen. Nach Aussagen dieses Mannes erwarteten die „Hufes" die baldige Ankunft der Russen und durch sie die völlige Unabhängigkeit und Freiheit. Es sollte dann eine kommunistische Regierung ausgerufen werden.
Die Aufgabe der „Huks" bestünde — so erklärte der junge Ofßzier — darin, diese Ereignisse gründlich vorzu" bereiten. Roxas starb im Frühjahr 1948 an einem Herzschlag und sein Nachfolger Quirino ver- suchte, die Dinge neu zu ordnen. Er wurde dabei beeinflußt von seinem Bruder Antonio, einem eleganten Rechtsanwatt mit sozialistischen Neigungen.
Dieser veranlagte ihn zu einem längeren Briefwechsel mit dem in den Reisfeldern verboreenen Taruc, und schließlich wurde eine Art Waffenstillstand geschlossen. Luis Taruc kehrte nach Manila zurück, und Präsi- dent Ouirino verkündete eine Amnestie für alle Aufständischen.
Einen Sommer lang spielte Taruc eine proße Holle in Manila. Er war der Gart des Präsidenten und ver- kündete in unzähligen politischen Versarnrnlurtgen, daß er loyal an der Regierung mitarbeiten wolle in der Hoffnung, es werde eine Regelung der Verhältnisse nunmehr ernstlich in Angriff genommen.
Ob er an diese Regelung selbst eeglaubt hat, ist jedoch zweifelhaft. Wahrscheinlich war sein Aufenthalt im Sommer 1948 in Manila nor ein geschicktes Manöver, den Einfluß der versönnKchen 'Haltung des Präsi- denten auf seine Anhänger zu neutralisieren.
Er mußte sich sa?en, daß das Amnestieane-ebot des Präsidenten vi<»le seiner Leute zur Rückkehr in geordnete Verhältnisse verlocken würde. Und indem er auf dieses Angebot einging, spielte er die Rolle ein« Mannes, der den Worten Ouirinos glaubte, denn nur so konnte er seine Armee unter seiner Führung erhalten.
Offensichtlich war und blieb er von der Hartnäckigkeit der Großgrundbesitzer überzeugt. Diesen gelang es dann auch, sämtliche Regelungen zu umsehen, so daß die wirtschaftlichen Verhältnisse des Reislandes dieselben blieben.
Im Herbst 1948 verschwand Taruc dann plötzlich aus Manila. Der Buschkrieg begann von neuem. Ver- geblich evakuierte die Regierung ganze Dörfer und sandte Truppen und Flugzeuge in das aufständische Gebiet — bis heute ohne Erfolg. Link: zeit-online
