Philippinisch-Amerikanischer Krieg

Mit dem Philippinisch-Amerikanischen Krieg von 1899 bis 1902 bezeichnet man den Kampf der philippinischen Unabhängigkeitsbe- wegung gegen die neue Kolonialmacht der Vereinigten Staaten. Unter Emilio Aguinaldo proklamierte die Unabhängigkeitsbewegung Katipun- an eine nationale Republik, die mit dem Ende des Widerstands ihre Grundlage verlor. Der Konflikt war eine direkte Folge des von den USA 1898 gewonnenen Spanisch-Amerikanischen Kriegs, bei der die Un- abhängigkeitsbewegung die USA gegen Spanien unterstützt hatte. Den amerikanischen Truppen gelang in einer Reihe von Feldzügen die
Unterwerfung der meisten Inseln des philippinischen Archipels und die Errichtung einer Kolonialherrschaft, welche bis zur japanischen Besetzung der Inseln im Zweiten Weltkrieg andauerte. Etwa 1 Million Filipinos (20 % der damaligen Bevölkerung) kamen aufgrund des Kriegs ums Leben, die rein militärischen Verluste waren deutlich niedriger und beliefen sich auf etwa 4.000 Amerikaner und 20.000 Filipinos.
Vorgeschichte

Ab 1896 war es auf den Philippinen zu einer Erhebung gegen die span- ische Fremdherrschaft gekommen, in deren Verlauf zum ersten Mal eine eigene philippinische Verfassung entstanden und eine provisorische Re- gierung gebildet worden war. Die Aufständischen konnten sich dabei aber militärisch nicht gegen die Spanier durchsetzen.
Ihre Anführer willigten Ende 1897 nach Verhandlungen mit den Spa- niern ein, die Inseln zu verlassen. Nach Ausbruch des Spanisch-Am- erikanischen Kriegs im April und der Schlacht in der Bucht von Manila im Mai 1898 kehrten sie zurück und begannen damit, das Land auf die Unabhängigkeit vorzubereiten. Am 12. Juni 1898 erklärte der junge
Emilio Aguinaldo die Unabhängigkeit und berief eine verfassunggebende Versammlung ein. Die USA waren zu diesem Zeitpunkt nur mit einem Flottengeschwader unter Kommodore George Dewey vertreten.
Um die spanische Herrschaft zu brechen, aber auch aufgrund der argwöhnisch betrachteten Unabhängig- keitserklärung, wurden in der Folge Truppen in Marsch gesetzt, die im August die spanische Garnison in Manila besiegten und von da ab die Stadt besetzt hielten. Dies war gleichzeitig die letzte Kampfhandlung und Abschluss des Spanisch-Amerikanischen Kriegs.
Im Juni 1898 wurde in den USA die Anti-Imperialist League gegründet, die sich gegen die Annektierung der Philippinen und anderer Gebiete aussprach. Zu ihr gehörten prominente Persönlichkeiten wie Mark Twain, Andrew Carnegie und Carl Schurz.
Im Januar 1899 kam es zur Ausrufung der philippinischen Verfassung und zur Gründung der philippinisch- en Republik. Schon einen Monat zuvor hatten jedoch Spanien und die USA den Pariser Vertrag unterzeich- net, nach dem die Philippinen, ebenso wie Guam, Kuba und Puerto Rico, den USA gegen Zahlung von 20 Millionen Dollar als Besitz überschrieben werden sollten.

Die Frage der Ratifizierung durch den US-Kongress löste eine heftige Debatte aus, denn der Erwerb von Kolonien widersprach dem amerik- anischen Selbstverständnis als einer Nation, die selbst erst durch eine Rebellion gegen das Mutterland entstanden war. Mark Twain schrieb in der Presse unter anderem:
"Why, we have gotten into a mess, a quagmire from which each fresh step renders the difficulty of extrication immensely grea- ter. I'm sure I wish I could see what we were getting out of it, and all it means to us as a nation."
Letztlich setzten sich die Imperialisten mit knapper Mehrheit durch, wodurch der Vertrag im Februar ratifiziert wurde. Auf den Philippinen
war man sich der Gefahr eines möglichen Krieges mit den USA infolge des Pariser Vertrags bewusst. Die Truppen der nationalen Armee wurden daher vorsorglich um Manila zusammengezogen, wo es mehrfach zu gegenseitigen Provokationen mit US-Truppen kam. Zum Ausbruch des Krieges kam es am 4. Februar, als eine US-Patrouille das Feuer auf eine Gruppe philippinischer Soldaten eröffnete.
Verlauf der Kämpfe
In der nun folgenden Schlacht von Manila erlitten die militärisch unterlegenen Philippiner eine empfind- liche Niederlage und mussten sich ins Landesinnere zurückziehen. Durch interne Machtkämpfe und der daraus folgenden Ermordung des talentierten philippinischen Generals Antonio Luna kam es zu einer weiteren Schwächung des Widerstandes, so dass den Filipinos nur noch der Guerillakrieg übrig blieb. Die Kampfhandlungen des ersten Kriegsjahres konzentrierten sich auf die Hauptinsel Luzon.
Es wurde dabei schnell deutlich, dass die Zahl der US-Truppen zu gering war, um eine entscheidende Niederlage der philippinischen Armee herbeizuführen. Es gelang dieser zumeist, größeren Gefechten auszuweichen. Außerdem konnten sie auf die Unterstützung der Bevölkerung zählen. Da ein Nachlassen des Widerstands nicht zu erwarten war, begann man auf Seiten der Amerikaner damit, auch gegen die Zivilbevölkerung vorzugehen.

Es wurde eine Taktik der "verbrannten Erde" angewendet, durch die nach und nach die Grundlage des Widerstands ausgetrocknet werden sollte. Eine groß angelegte Aktion zur Eroberung des philippinischen Hauptquartiers in Zentral-Luzon schlug 1900 fehl, da Aguinaldo recht- zeitig entkommen konnte.
Er führte danach den Kampf vom Norden der Insel aus weiter. Nach diesem Fehlschlag gab der amerikanische Befehlshaber Elwell Stephen Otis seinen Posten ab. Neuer Befehlshaber wurde General Arthur Mac Arthur, der Vater des späteren Befehlshabers der Pazifikstreitkräfte Douglas MacArthur. Im selben Jahr wurde auch William H. Taft auf die Philippinen entsandt.
Ihm gelang es, einen Teil der Oberschicht für eine amerikanisch geführte Zivilverwaltung zu gewinnen. Unter MacArthurs Kommando und dem seines Nachfolgers Adna R. Chaffee wurde die Strategie der ver- brannten Erde intensiviert. Auf den kleineren Inseln wurde nach einem festen Schema vorgegangen: zu- nächst wurde die Bevölkerung aufgefordert, sich in Sammellagern einzufinden.
Wer nach Ablauf einer festgelegten Frist außerhalb der Lager angetroffen wurde, galt als feindlicher Kom- battant und wurde erschossen. Die auf diese Weise entvölkerten Dörfer wurden in Brand gesteckt. Etliche Kriegsverbrechen der US-Armee fanden ihren Weg in die amerikanische Presse. Es wurde Folter gegen- über philippinischen Gefangenen angewandt, insbesondere der berüchtigte "Water Cure" bei dem Wasser gewaltsam durch den Mund eingeflößt wurde, um Todesangst vor dem Ertrinken zu erzeuge (Waterboar- ding), ähnlich dem Schwedentrunk. In einigen Dörfern wurden wahllos Männer, Frauen und Kinder über 10 Jahre ermordet.
Aguinaldo erteilte 1900 auch den Befehl, zu einer Guerillataktik überzugehen, da die vorhergehenden Kämpfe die hoffnungslose Überlegenheit der Amerikaner hinsichtlich Bewaffnung und Ausbildung gezeigt hatten. Zu einer kurzzeitigen Offensive der Filipinos kam es Ende 1900, kurz vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Das verfolgte Ziel einer Beeinflussung des Wahlkampfs wurde damit nicht er- reicht, Präsident McKinley wurde wiedergewählt.

Im Frühjahr 1901 wurde Aguinaldo schließlich gefasst, die Führung der philippinischen Aufständischen übernahmen auf der Insel Luzon General Miguel Malvar und auf der Insel Samar General . Das amerikanische Militär war nach der Verhaftung Aguinaldos der Meinung,den Krieg fak- tisch gewonnen zu haben und rechnete nicht mehr mit organisiertem Widerstand durch die Filipinos und einem Ende der Kampfhandlungen bis zum Dezember 1901. Als Folge dieser Fehleinschätzung wurden auf Samar am 27. September 1901 59 amerikanische Soldaten während eines Überfalls durch philippinische Guerilleros getötet. Von den rest- lichen Mitgliedern der ursprünglich 88 Soldaten umfassenden Einheit
wurden 23 verwundet. Nur 6 Soldaten blieben unverletzt. Dies war die schlimmste militärische Katast- rophe für die US-Streitkräfte seit der Schlacht am Little Bighorn. Als Reaktion auf dieses Ereignis wurden zwei US-amerikanische Brigaden mit der Bekämpfung der verbliebenen Aufständischen beauftragt. Eine Brigade unter dem Kommando von General J. Franklin Bell wurde auf Luzon eingesetzt, die andere unter General Jacob H. Smith auf Samar.
Während Bells Vorgehen von US-amerikanischen Militärwissenschaftlern auch heute noch als Beispiel für eine erfolgreiche Bekämpfung einer Guerillabewegung angesehen wird, führte das brutale Vorgehen von Smith zu einem öffentlichen Skandal und einem Militärgerichtsverfahren gegen ihn. Zur Vergeltung ord- nete Smith, der ein Veteran des Wounded-Knee-Massakers war, an, die ganze Insel Samar in eine „heul- ende Wildnis“ zu verwandeln:
„I want no prisoners. I wish you to kill and burn; the more you kill and burn the better it will please me.“
(" Ich wünsche keine Gefangenen. Ich wünsche, dass ihr tötet und niederbrennt; je mehr getötet und nie- dergebrannt wird, um so mehr wird es mich freuen.") Die Kriegsverbrechen von General Smiths Truppen wurden erst im März 1902 in den USA bekannt, führten aber dort zu großer Empörung. Von Januar bis Juni 1902 fand unter dem Vorsitz des republikanischen Senators Henry Cabot Lodge eine Senatsunter- suchung zu den Verbrechen des Philippinisch-Amerikanischen-Krieges statt.

Die Untersuchung führte, abgesehen von der Veröffentlichung mehrer- er umfangreicher Berichte, zu keinem Ergebnis. Erst der neue US-Prä- sident Theodore Roosevelt erklärte am 4.Juli 1902 den Krieg für been- det.
Etwa eine Million philippinische Zivilisten kamen aufgrund der Kampf- handlungen während des Krieges ums Leben. Die militärischen Ver- luste waren deutlich niedriger und beliefen sich auf etwa 4.000 US amerikanische Soldaten und 20.000 philippinische Aufständische.
Folgen
Ab etwa 1901 standen weite Teile der Inseln unter amerikanischer Verwaltung. Isoliert wurde noch über ein Jahrzehnt lang Widerstand geleistet, von den Moros im Süden der Inseln sogar bis 1916. In diesem Jahr wurde die Regierungsgewalt an die Filipinos übergeben, das Land blieb, mit der Unterbrechung durch die japanische Besetzung im Zweiten Weltkrieg, bis 1946 amerikanische Kolonie. Link: wikipedia
