Schlacht um Peleliu
Die Schlacht um Peleliu oder Operation Stalemate II war ein Kriegsereignis des Zweiten Weltkriegs. Der Kampf um den örtlichen Flugplatz auf Peleliu, einer der Palauinseln, war für die US-Amerikaner sehr ver- lustreich, weil sie die japanischen Verteidiger unterschätzten.
Vorgeschichte
Nach der Eroberung der Marianen-Inseln im Stil des bisher erfolgreich praktizierten Island Hopping (Insel- springen) wandten sich Admiral Chester Nimitz und seine Strategen zwei neuen Zielen zu, der Philippinen Insel Mindanao und den Palau-Inseln in den westlichen Karolinen.
Letztere liegen 800 km östlich der Philippinen und 1600 km westlich von Truk. Auf einer dieser Inseln, auf Peleliu, unterhielten die Japaner einen großen Militärflugplatz, der nach der gelungenen amerikanischen Operation Hailstone gegen Truk und der Eroberung der Marianen durch die Alliierten in deren Blickfeld rückte.
Admiral William F. Halsey, der Befehlshaber der Südpazifikregion, hielt die Besetzung dieser Inselgruppe auf dem Weg zu den Philippinen für ein überflüssiges Wagnis, doch sein Vorgesetzter, Admiral Nimitz, war anderer Meinung. Er hielt die japanischen Einheiten auf den Inseln für eine potentielle Gefahr beim Angriff seiner Flotte auf Mindanao und Leyte. Nach heutiger Meinung angesehener Militärhistoriker sollte Halsey recht behalten.
Die japanischen Verteidiger
Peleliu stand als Völkerbundsmandat unter japanischer Verwaltung und lag im Verteidigungsbereich Palau unter dem Kommando von Generalleutnant Sadae Inoue,dem Befehlshaber der japanischen 14. Division. Bei dieser Einheit handelte es sich um einen bewährten Eliteverband, der im April 1944 vom chinesischen Kriegsschauplatz verlegt worden war. Auf Peleliu wurde eine Garnison von ca. 11.000 Mann Kampf- und Bautruppen stationiert, die sowohl Heeres- als auch Marineangehörige umfassten.
Den Kern der Verteidigung bildeten die ungefähr 5.400 Soldaten des verstärkten 2. Infanterieregiments der 14. Division unter Oberst Kunio Nakagawa und des 346. Infanteriebataillons der 53. selbständigen gemischten Brigade. Im Gegensatz zu anderen japanischen Offizieren dachte Inoue gar nicht daran, seine Soldaten in leichtsinnige Direktangriffe zu hetzen. Er nutzte vielmehr das Terrain der Insel dazu aus, eine wirksame Verteidigung aus der Tiefe aufzubauen.
Das Flugfeld lag auf der Südspitze der Insel im Schatten des Umurbrogol-Gebirges, einer schroffen Ab- folge von Gebirgskämmen, die mit üppiger Vegetation überzogen und von hunderten Höhlen durchsetzt waren. Die Insel war zu Beginn des Ersten Weltkriegs von Japan besetzt worden.
Später hatte Japan die Insel als Völkerbundsmandat erhalten und wirtschaftlich genutzt. Unter anderem war dabei für den Phosphat-Abbau ein Tunnelsystem errichtet worden. In einer der mehr als 500 Höhl- ungen, die zum Abfeuern von Haubitzen (vier 150mm und zwanzig 81mm Mörser sowie zahlreiche 20mm Maschinenkanonen) geöffnet und zwischen den Salven geschlossen werden konnten, hatten tausend Mann Platz.
Inoue sorgte dafür, dass in diesen Kavernen genügend Munition und Proviant lagerte. Im Hinblick auf die drohende Invasion drillte Inoue seine Leute in einer Taktik, die darauf abzielte, die schweren Verluste zu vermeiden, die man auf den anderen Inseln erlitten hatte.
Falls seine Leute die Amerikaner nicht daran hindern konnten, zu landen und einen Brückenkopf zu bild- en, sollten sie sich zurückziehen, Verteidigungsstellungen aufbauen und ihre Granatwerfer auf vorgege- bene Ziele abfeuern. Er wies seine Leute auch an, den traditionellen Selbstmord (Seppuku) zu unterlass- en, wenn der Feind ihre Linien überrennen sollte. Stattdessen sollten sie sich verstecken und dann die Gegner von hinten angreifen. Zusätzlich wurde die Zivilbevölkerung, um Opfer unter ihr zu vermeiden, auf die benachbarte Insel Koror evakuiert.
Vorbereitungen der Amerikaner für die Schlacht
Im Juli 1944 lag das U-Boot Burrfish ungefähr zwei Wochen vor Peleliu und machte durch das Periskop Aufnahmen von der Insel. Ein Team von fünf Kampfschwimmern näherte sich vom U-Boot aus unbemerkt dem Strand und erkundete die davor liegenden Riffe und Unterwasserhindernisse.
Ende August 1944 flogen amerikanische Bomber vom zurückeroberten Neuguinea aus Angriffe auf die Palau-Inseln. Danach attackierten Trägerflugzeuge der unter dem Kommando von Admiral Halsey stehen- den 3. Flotte die Inseln, gefolgt von einem dreitägigen Bombardement von Schlachtschiffen, Kreuzern und Zerstörern aus Rear Admiral Jesse B. Oldendorfs Marinestreitmacht. Etliche Ziele an der Oberfläche von Peleliu wurden zerstört. Die unterirdischen Anlagen erlitten jedoch kaum Schäden, da sie von der amerikanischen Aufklärung nicht entdeckt worden waren.
Nimitz plante den Beginn der Invasion von Peleliu für den 15. September, wobei gleichzeitig Mindanao angegriffen werden sollte. Die 1. US-Marinedivision unter Generalmajor William H. Rupertus bildete die Speerspitze gegen Peleliu, die dem III. Amphibious Corps von Generalmajor Roy S. Geiger und Vice Admiral Theodore S. Wilkinsons III. Amphibious Force unterstellt war. Am 13. September meldete Admi- ral Halsey, dass seine Piloten bei den Angriffen auf die Insel auf geringen Widerstand in der Luft gestoßen seien.
Davon erhoffte er sich, dass Nimitz die Operation Stalemate II sowie den Angriff auf Mindanao absagen würde, da die örtliche japanische Luftmacht schon aufgrund des Verlustes der Marianen gebrochen schien. Jedoch wurde nur die geplante Invasion von Mindanao auf unbestimmte Zeit vertagt, nicht aber der Angriff auf die Palau-Inseln.
Die Schlacht
Am 15. September 1944 begann die 1. US-Marinedivision planmäßig mit der Landung. Auf dem Weg zum Strand waren die Marines in ihren Amtracs wegen der Schäden, welche die 3. US-Flotte auf Peleliu ange- richtet hatte, noch recht siegessicher. Als die Amtracs jedoch ein mehrere hundert Meter vor der Küste liegendes Korallenriff erreichten, eröffneten die japanischen Geschützbatterien das Feuer. Im Zentrum der Invasionsfront konnte Colonel Harold D. Harris’ 5. Regiment relativ unbeschadet landen, aber im Norden erlitt das 1. Regiment größere Verluste, weil japanische Truppen von einer vorspringenden Klippe aus schießen konnten.
Am Südende des Strandes musste Colonel Herman H. Hanneken seine Soldaten des 7. Regiments durch eine enge Passage führen, die von Minen und Hindernissen flankiert war, so dass die japanischen Artill- eristen mit großer Genauigkeit auf die amerikanischen Landungsboote feuern konnten. Als das 5. und das 7. Regiment den Strand erreichten, zogen sich die japanischen Truppen landeinwärts zurück und bereite- ten sich auf einen Gegenangriff vor. Das 5. Regiment nutzte die Feuerpause dazu, um den Südrand des Flugfeldes zu besetzen.
Weiter südlich war das 7. Regiment in Verwirrung, weil ihre Amtracs unkoordiniert an nicht vereinbarten Stellen landen mussten. Im Norden der Landungsstelle wurde das 1. Regiment in ein Gefecht verwickelt. Beim Anlanden hatten die Japaner fast alle Kommando-Amtracs versenkt, sodass der Befehlshaber Colo- nel Lewis B. „Chesty“ Puller keine Möglichkeit hatte, per Funk Verstärkung anzufordern. An der Nordflan- ke standen Pullers Soldaten feindlichen Einheiten gegenüber, die in ihren gut platzierten und stahlver- stärkten Unterständen den ganzen Strand unter Beschuss hielten.
In einem mehrstündigen Kampf, bei dem die Japaner fast eine ganze amerikanische Kompanie aufreiben konnten, schaltete Pullers Regiment die japanischen Stellungen zur Linken aus. Daraufhin starteten von Infanterie begleitete 13 leichte Panzer der japanischen Streitkräfte einen Gegenangriff auf die Marines. Die Amerikaner mobilisierten zwölf Sherman-Panzer und konnten den Gegner mit Luftunterstützung aus- schalten. Da die japanischen Panzer nur schwach gepanzert waren, mussten sich die japanischen Truppen schließlich zurückziehen.
Die ganze Nacht und den nächsten Morgen beschossen die japanischen Streitkräfte das 1. Regiment mit Granatwerfern, doch später am selben Tag reagierten die Marines mit einem Bodenangriff. In der Zwisch- enzeit zogen die japanischen Einheiten vom Flugfeld in Richtung Ostküste ab,wodurch ihre Truppen zwei- geteilt wurden. Für die Amerikaner war das Rollfeld jedoch nutzlos, da die japanische Artillerie vom nahe- gelegenen Umurbrogol-Massiv jedes landende und startende Flugzeug beschießen konnte.
Während das 5. und 7. Regiment in Kämpfen mit japanischen Kräften in der Umgebung des Rollfeldes gebunden war, nahm das 1. Regiment die Umurbrogol-Stellungen in Angriff. Diese Berge waren zerklüf- tete, verwitterte Korallen mit dichter Vegetation und auch ohne Kampf schwierig zu besteigen. Am 17. September erreichten die amerikanischen Marines unter Puller den Fuß des Massivs und begannen ihren langsamen Aufstieg über die zahlreichen Gebirgskämme.
Mit Bazookas, Schiffsartillerie und Kampfflugzeugen vernichteten sie auf ihrem Weg zum Gipfel die Stel- lungen der japanischen Truppen in den Höhlen und erlitten dabei schwere Verluste. Nach drei Tagen auf der Insel Peleliu waren etwa 50 % der Soldaten des amerikanischen 1. Marineinfanterieregiments entwe- der tot oder verwundet. Der die Marines begleitende australische Fotograf Damien Parer wurde an diesem Tag getötet. Am 18. September starteten die Japaner am Umurbrogol einen Gegenangriff, mit dem sie einen Kamm zurückeroberten, den das 1. Regiment erst am Vortag besetzt hatte.
Nachdem sie weitere zwei Tage versucht hatte, den Berg zu erklimmen, war die amerikanische Einheit zu stark dezimiert. Nach dem Ausfall von über 1.700 Mann am von den Marines nun Bloody Nose Ridge ge- nannten Grat brauchten die Reste des amerikanischen 1. Regiments Verstärkung oder Entsatz. Obwohl ihnen das 7. Regiment zu Hilfe kam, wurde die Eroberung des Berges zur Pattsituation. Das japanische 2. Infanterieregiment hatte zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Drittel seiner Kampfstärke verloren.
Zur Entlastung des mitgenommenen 1. Marineinfanterieregiments kam am 23. September das 321. Regi- ment der 81. US-Infanteriedivision des Heeres an. Diese brach innerhalb von 13 Tagen den japanischen Widerstand auf der Nachbarinsel Angaur. Am 23. September schickten auch die japanischen Streitkräfte von den Nachbarinseln aus in zwei Wellen das 2. Bataillon des 15. Infanterieregiments als Verstärkung, wovon aber der größte Teil von der amerikanischen Marine entdeckt und bereits auf See vernichtet wur- de.
Zwei Tage später schlich sich das 5. Marineinfanterieregiment um die Westseite des Umurbrogols herum und nahm die Nordhälfte Pelelius ohne größere Probleme in Besitz. Dann stieg diese Einheit die Nordflan- ke des Berges hoch, während das amerikanische 321. Infanterieregiment von Westen und das 7. Marine- infanterieregiment von Süden her die japanischen Einheiten angriff. Nach und nach bahnten sich die drei amerikanischen Regimenter ihren Weg durch die japanischen Stellungen und schnürten die Reste der jap- anischen Einheiten auf der Spitze des Umurbrogols ein.
Mehrere Wochen vergingen, in denen beide Seiten Gipfel eroberten und wieder verloren und die ameri- kanischen Soldaten Höhlen sprengten oder mit Flammenwerfern ausräucherten,in denen japanische Sold- aten ihre Stellungen eingerichtet hatten. Ende Oktober verfügte Oberst Nakagawa inklusive der Leichtver- wundeten nur mehr über etwa 500 kampffähige Soldaten.
Die 5. und 7. amerikanischen Marineinfanterieregimenter waren nur noch zur Hälfte kampffähig, weshalb General Paul J. Muellers 81. Infanteriedivision die 1. US Marinedivision unter William H. Rupertus endgül- tig ablöste. Im Gegensatz zu den meisten Kommandeuren des Marine Corps plante Mueller Angriffe meth- odisch und suchte stets nach Möglichkeiten, Verluste zu minimieren. General Mueller verwendete Artill- erie, Granatwerfer und Napalm, um die restlichen japanischen Stellungen für die Infanterie sturmreif zu schießen.
Er setzte auch gepanzerte Bulldozer ein, die Wege für die Panzer planierten, während Pioniere eine lange Benzinleitung legten, mit der Feuer in gegnerische Höhlenbefestigungen gesprüht wurde,in denen die jap- anischen Soldaten ohne Fluchtweg verbrannten. Am 18. November war die Stärke der japanischen Ein- heiten bereits auf insgesamt 150 Mann geschrumpft. Am 24. November waren nur mehr 50 Mann kampf- fähig und 70 schwer oder leicht verletzt. Es gab auch keine schweren Waffen mehr, und die Gewehrmuni- tion, Handgranaten und Nahrungsmittelvorräte waren nahezu aufgebraucht.
Nach Abgabe eines letzten Funkspruchs und dem Verbrennen der Regimentsfahne sowie von Geheimdo- kumenten töteten Oberst Nakagawa, sein Stab und die Schwerverwundeten sich selbst. Um 18 Uhr be- gann Major Nemoto mit 56 Mann einen letzten Banzai-Angriff. Danach war der organisierte Widerstand gebrochen, wodurch man die Kämpfe am 25. November 1944 für beendet erklärte. Versprengte Japaner wurden allerdings noch Monate nach Kampfende aufgegriffen, und eine isolierte Einheit von etwa 80 Mann im Westen der Insel führte, in mehrere Gruppen aufgeteilt, noch zweieinhalb Jahre einen Kleinkrieg gegen die amerikanischen Truppen. Die letzten überlebenden 34 Mann ergaben sich erst am 21. April 1947 nach Aufruf durch einen ehemaligen Generalleutnant der Kaiserlichen Japanischen Armee.
Folgen der Schlacht
Bezeichnenderweise registrierten die Amerikaner in den USA das Gemetzel auf der Bloody Nose Ridge kaum, da man schon zu sehr auf die Befreiung der Philippinen fixiert war. General Douglas MacArthur legitimierte die Eroberung der Philippinen nicht nur als strategische Maßnahme, sondern behauptete vielmehr eine moralische Verpflichtung gegenüber den Einwohnern, die unter der japanischen Besatzung litten (→ Schlacht um Leyte).
Die Gesamtverluste, die das Marine Corps auf Peleliu davontrug, beliefen sich auf 6526, von denen 1252 Soldaten im Kampf oder aufgrund ihrer Verletzungen starben. Nach den einzelnen Regimentern der 1. Marineinfanteriedivision sehen die Gesamtverluste (Gefallene, Verwundete und Vermisste) folgendermaß- en aus: Colonel „Chesty“ Pullers 1. Regiment – 1749; 5. Regiment – 1378; 7. Regiment – 1497. Die Divi- sion wurde dermaßen geschwächt, dass sie erst wieder mit der am 1. April 1945 beginnenden Invasion von Okinawa zurück ins Kampfgeschehen kehrte.
Die 81. Infanteriedivision der US Army verzeichnete auf Peleliu 208 getötete Soldaten, bei 1393 Gesamt- ausfällen. Bei den Kämpfen auf der Nachbarinsel Angaur ließen 196 Mann ihr Leben (1676 Tote, Verwun- dete und Vermisste). Aufgrund der Gesamtverluste musste Admiral Halsey auf die geplante Einnahme der Insel Yap verzichten. Nach Ansicht heutiger Historiker hatte er recht mit seiner Behauptung, dass diese Schlacht (Peleliu und Angaur) unnötig war. Lediglich die gewonnene Kampferfahrung der 81. US-Infant- eriedivision konnte als positiver Aspekt angesehen werden. Auf japanischer Seite fielen im Kampf um Peleliu insgesamt etwa 95 % der Verteidiger. Link: wikipedia
