Spanisch-Amerikanischer Krieg

Der Spanisch-Amerikanische Krieg war eine militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Königreich Spanien vom 25. April bis 12. August 1898 und ging als Splendid Little War in die US am- erikanische Geschichte ein. Er endete mit der Besetzung Kubas, Puerto Ricos, Guams und der Philippinen durch die USA und für Spanien mit dem Verlust seiner letzten bedeutsamen Kolonien. Der Spanisch-Am- erikanische Krieg stellt einen bedeutenden Abschnitt in der Geschichte der USA dar.

Er steht mit für den Anfang einer Politik der Vereinigten Staaten, ihre Interessensgebiete auszuweiten. Die Bezeichnung Splendid Little War geht auf den Secretary of State John Hay zurück, der in einem Brief an Theodore Roosevelt erklärte, es sei ein prima kleiner Krieg gewesen, der mit den besten Absichten be- gonnen habe und mit großartiger Intelligenz und in großartigem Geist weitergeführt sei, und bei dem das Glück den Tüchtigen belohnt habe.

Das spanische Kolonialreich

Spanien war nach der Entdeckung Amerikas zu einer bedeutenden europäischen Macht geworden. Doch schon im 18. Jahrhundert schwand der Einfluss des spanischen Großreichs.Nachdem Anfang des 19. Jahr- hunderts die gesamte Iberische Halbinsel von Napoleon unterworfen worden war, erreichten in fast ganz Lateinamerika die aufkommenden Unabhängigkeitsbewegungen ihr Ziel. Übrig blieben nur noch Besitz- ungen in der Karibik (v. a. Kuba), dem Pazifik (v. a. Philippinen) und an der west- und nordafrikanischen Küste.

Doch auch in diesen letzten Kolonien traten Unabhängigkeitsbestrebungen hervor, bedingt durch eine hohe und ungerechte Steuerlast und fehlende Mitwirkungsmöglichkeiten der Bevölkerung an Politik und Verwaltung. Das Spanien der Restauración verweigerte sich jedoch dringend notwendigen Reformschritt- en. Dazu kamen politische und wirtschaftliche Interessen der USA, die die einheimische Bevölkerung er- munterten, gegen die Kolonialmacht zu rebellieren.

Die US-amerikanischen Interessen in Kuba

Die Annexion oder der Kauf Kubas wurden wiederholt von US-Präsidenten erwogen. Nach Jefferson und Madison schätzte 1823 auch John Quincy Adams die Annexion Kubas als eine unverzichtbare Aufgabe ein. In den 1850er Jahren lehnte Spanien den Vorschlag der USA ab, Kuba zu verkaufen (Ostend Manifesto). Vor allem Politiker der Südstaaten waren vor dem Bürgerkrieg daran interessiert, mit Kuba einen weiteren Sklaven haltenden Staat in die Union einzugliedern.

Andererseits widersprachen jedoch rassistische Bedenken dem Ziel, Kuba (auf dem viele Menschen afri- kanischer Herkunft lebten) gleichberechtigt in die USA zu integrieren. Nachdem aber die USA im Jahre 1890 die Arrondierung ihres kontinentalen Staatsgebietes und dessen Erschließung abgeschlossen hatten und die Indianerkriege zu Ende gingen, griff die auf Erschließung neuer Märkte ausgerichtete US-Politik auf den verbliebenen Überseebesitz der alten Kolonialmacht Spanien über.

Der kubanische Unabhängigkeitskrieg 1868 – 1898

Auf Kuba veröffentlichte der Großgrundbesitzer Carlos Manuel de Céspedes 1868 den Grito de Yara, die erste Unabhängigkeitserklärung. Daraufhin begann ein zehn Jahre dauernder Krieg, der wesentlich zur Entstehung eines kubanischen Nationalgefühls beitrug, aber verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes hatte. Im Frieden von Zanjón 1878 wurden den Kubanern geringe Zugeständnisse gemacht, die als unzureichend empfunden wurden. Die Unabhängigkeitsbewegung war so nicht besänftigt worden, sondern eher gestärkt.Insbesondere der Schriftsteller José Martí setzte sich für die Befreiung ganz Latein- amerikas („Nuestra América“, span. „Unser Amerika“) ein.

Wirtschaftliche Probleme sowie die Unfähigkeit und Unwilligkeit der spanischen Kolonialverwaltung führt- en 1895 zu einem erneuten Aufstand unter der Führung Martís, der 1892 die Revolutionäre Partei Kubas gegründet hatte. Ihm war es gelungen, die beiden wichtigsten militärischen Führer der Unabhängigkeits- bewegung, Máximo Gómez und Antonio Maceo zu einer Wiederaufnahme des Unabhängigkeitskrieges zu vereinen. José Martí fiel im Kampf und wurde zum Nationalhelden. Der Guerillakrieg gegen Spanien wurde jedoch weitergeführt und brachte die Kolonialmacht an die Grenzen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähig- keit.

Mambi

Als Mambí Plural:Mambises bezeichneten die spanischen Kolonialtruppen die Guerilla-Kämpfer,die zwisch- en 1868 und 1898 für die Loslösung Kubas von der spanischen Kolonialmacht kämpften.

Die Etymologie des Wortes mambí ist umstritten:

Herkunft aus dem Bantu, der Sprache eines afrikanischen Volkes, aus dem sehr viele der auf Kuba leben- den Sklaven stammten. Das ursprüngliche Wort mbi soll verschiedene abwertende Bedeutungen haben (Fernando Ortíz Fernández, kubanischer Anthropologe). Auf Santo Domingo gab es einen gegen die span- ische Herrschaft kämpfenden Guerillero namens Juan Ethenius Mamby,einen ehemaligen schwarzen span- ischen Offizier, der sich 1846 den Aufständischen anschloss. Dieser Name wurde dann zur Sammelbe- zeichnung für alle Aufständischen auf Santo Domingo: „Die Mamby-Männer“.

Spanische Truppen, die zu Beginn des kubanischen Kampfes gegen Spanien 1868 von Santo Domingo nach Kuba kamen, wandten diese Bezeichnung dann auf die kubanischen Aufständischen an, die sie schließlich für sich selbst übernahmen (Philip Sheldon Foner, US-amerikanischer Historiker). Denkbar wäre auch, dass beide Erklärungen zutreffen. Zunächst wurde dieses Wort als Schimpfwort verstanden, später dann aber von den Aufständischen selbst verwendet.

Nach der Unabhängigkeit von Spanien in Kuba als Ehrenname verstanden, der bis heute für alle gegen die spanische Kolonialherrschaft kämpfenden Kubaner verwendet wird. Für die Spanier kam der Begriff „Gue- rilla“ als Bezeichnung nicht in Frage, da so die spanischen Kämpfer gegen die napoleonische Fremdherr- schaft genannt wurden. "Guerilla" hat also in Spanien eine grundlegende positive Konnotation, die auf Gegner Spaniens nicht angewendet werden durfte. Die Spanier bezeichneten ihre kubanischen Gegner als „Aufständische“, „Banditen“ oder eben als „Mambises“.

Ursachen und Anlass

Die USA dominierten zu diesem Zeitpunkt die kubanische Wirtschaft. Die auf der Insel seit 1895 stattfin- denden Kämpfe behinderten weitere Investitionen und schmälerten mögliche Gewinnperspektiven. Die Vereinigten Staaten erholten sich gerade von einer wirtschaftlichen Depression (1893–1897), der dritten nach Ende des Sezessionskriegs 1865.

Da weder Spanien noch die Unabhängigkeitskämpfer eine militärische Entscheidung auf Kuba bewirken konnten, drängte sich dem mächtigen Nachbarstaat das Problem immer mehr auf. Außerdem schien der „asiatische Markt“, schon seit langem auch für die USA verlockend, gerade in Bewegung zu geraten. Die Philippinen waren von hohem strategischen Wert, da Manila unter den Spaniern eine Drehscheibe des Handels zwischen Ostasien und Amerika geworden war. Die USA hatten schon deutliches Interesse an den pazifischen Inseln Hawaii und Samoa gezeigt. 

Die Interessen im Pazifik waren zwar nicht ausreichend, die US-Regierung zu einem Krieg mit Spanien zu bewegen, jedoch war die Eroberung Manilas bereits Teil der seit 1896 durchgespielten Kriegsszenarien der US-Regierung. Darüber hinaus war die spanische Politik gegenüber den Aufständischen auf Kuba sehr brutal und wurde von der US-Öffentlichkeit in besonderem Maße beachtet (Weyler the butcher). So er- klärte Präsident Grover Cleveland bereits im Dezember 1896, dass die USA nicht unbegrenzt Geduld ge- genüber Spanien zeigen würden. 

Präsident William McKinley führte schließlich in seiner Annual Message 1897 aus, dass die USA angesichts des anhaltenden spanischen Vernichtungsfeldzugs zu einer Intervention genötigt werden könnten. Gegen spanische Proteste schickten die USA mit der Maine unter Kapitän Charles Dwight Sigsbee ein Schlacht- schiff zu einem „Freundschaftsbesuch“ in den Hafen von Havanna. Gleichzeitig wurde die US-Flotte bei Key West zusammengezogen und es liefen Vorbereitungen für eine Blockade der Insel, um die spanischen Kolonialtruppen vom Nachschub abzuschneiden und weitere Truppenverstärkungen zu unterbinden.

Um Provokationen zu vermeiden, verbot der Kommandant der Maine der Besatzung, an Land zu gehen. Am 15. Februar 1898 kam es auf dem Schiff zu einer verheerenden Explosion, bei der 266 Seeleute den Tod fanden. Die USA beschuldigten Spanien, einen Angriff verübt zu haben; die US-amerikanische Öffent- lichkeit war empört. Unter anderem schürten die Publizisten William Randolph Hearst und Joseph Pulitzer die Stimmung gegen Spanien. Der Schlachtruf der Hearst-Presse lautete: „Denkt an die Maine – Zur Hölle mit Spanien!“

(„Remember the Maine, to hell with Spain!“). Hearst wies seinen Korrespondenten Remington an, in Ha- vanna zu bleiben und Bilder heranzuschaffen, damit er, Hearst, den Krieg heranschaffen könne („You furnish the pictures. I’ll furnish the war.” W. R. Hearst). Das Wrack der USS Maine ist Gegenstand vieler Nachforschungen geworden. U. a. eine Untersuchung 1976 kam zu dem Ergebnis, dass nicht, wie seiner- zeit von der US-Regierung vermutet, eine Mine unter dem Schiff detonierte, sondern die Explosion im In- nern der USS Maine stattfand. 

So könnte womöglich ein unentdeckter Schwelbrand in einem der Kohlebunker, der auf ein benachbartes Magazin übergriff, die Katastrophe ausgelöst haben. Eine neuere Untersuchung 1999 des National Geo- graphic Magazine hingegen weist auf eine extern verursachte Minenexplosion hin.

Kriegsverlauf

Der Krieg wurde auf dem philippinischen Archipel begonnen. Die US-Asienflotte besiegte am 1. Mai 1898 das veraltete spanische Geschwader unter Patricio Montojo y Pasarón in der Schlacht in der Bucht von Manila. Um die befestigte Garnison der Hauptstadt angreifen zu können, musste der US-Kommandant George Dewey aber auf Verstärkung aus den USA warten. In Schach gehalten wurden die Spanier zusätz- lich von philippinischen Nationalisten unter Emilio Aguinaldo, die in den USA zunächst einen Verbündeten sahen und sich auf deren vage Versprechungen verließen.

Im Juni begann mit der Landung von US-Einheiten auf Kuba bei Daiquiri und Siboney (später am 25. Juli auch auf Puerto Rico) der Krieg in der Karibik. Letztlich konnten auch hier die Spanier den kräftemäßig weit überlegenen USA nichts entgegen setzen. US-Schiffe blockierten sämtliche kubanischen Häfen und provozierten somit einen Durchbruchversuch der spanischen Flotte. 

An einem einzigen Tag, dem 3. Juli 1898, wurde die gesamte spanische Atlantikflotte unter Pascual Cer- vera von der zahlenmäßig und vor allem technisch überlegenen US-Marine unter William T. Sampson ver- nichtet (Seeschlacht von Santiago de Cuba). Auf dem kubanischen Festland siegten die USA zuvor am 24. Juni bei Las Guásimas und am 1. Juli bei El Caney, Kettle Hill und San Juan Hill (s. a. Rough Riders). Die US-Army hatte jedoch erhebliche Probleme mit Nachschub und Versorgung der Landetruppen.

Von den etwa 5000 US-Soldaten, die im Spanisch-Amerikanischen Krieg ihr Leben verloren, starben 4600 an tropischen Krankheiten, insbesondere am Gelbfieber. Nach der Niederlage auf dem karibischen Kriegs- schauplatz war auch auf den Philippinen die Lage der Spanier aussichtslos. Die Garnison in Manila verein- barte deshalb mit dem US-Oberbefehlshaber George Dewey die Kapitulation. Sie ergab sich lieber den Amerikanern als den Einheimischen, da sie deren Rache wegen der vorangegangenen kolonialen Unter- drückung fürchtete.

Das Kriegsende erfolgte mit der Unterzeichnung des sog. Vorfriedensprotokolls unter Vermittlung des französischen Botschafters Jules Cambon in Washington am 12. August 1898. Manila wurde in Folge von den USA besetzt. Die aufständischen Filipinos hingegen durften die Stadt nicht betreten. Nachdem diese am 12. Juni 1898 ihre Unabhängigkeit erklärt hatten, mussten sie allerdings erkennen, dass sie einer neuen, weitaus mächtigeren Kolonialmacht gegenüberstanden.

Der Friedensvertrag

Im Pariser Frieden 1898 (auch Vertrag von Paris) zwischen Spanien und den USA, unterzeichnet am 10. Dezember 1898 (ratifiziert vom US-Senat am 6.Februar 1899 und von Spanien am 19.März 1899) musste Spanien Puerto Rico, Guam und die Philippinen an die USA abtreten und erhielt dafür von den USA 20 Mil- lionen US-Dollar. Kuba wurde,wie im sogenannten Teller-Amendment festgelegt,formal unabhängig, blieb aber zunächst unter US-Besatzung. Durch das Platt-Amendment in der kubanischen Verfassung von 1901 war jedoch dessen faktische politische und militärische Abhängigkeit von den USA besiegelt. Spanien er- hielt außerdem für zehn Jahre die Erlaubnis, philippinische Häfen mit Schiffen anzulaufen und Handel zu denselben Konditionen zu betreiben wie die USA.

Kuba und Puerto Rico

Kuba wurde 1902 zur Republik erklärt. Die Souveränität war bis 1934 durch das Platt Amendment einge- schränkt,das den USA bei Beeinträchtigung US-amerikanischer Interessen ein jederzeitiges Interventions- recht in Kuba gab. Puerto Rico wurde eine US-amerikanische Überseebesitzung. 1900 beendete der Fora- ker Act die militärische Besatzung, 1917 wurden die Puertoricaner Staatsbürger (Jones-Shafroth Act), 1941 wurde der Insel ein assoziierter Status im föderalen Gefüge der Vereinigten Staaten eingeräumt.

Philippinen

Die Philippinen wurden als weitere Folge des Spanisch-Amerikanischen Krieges zu einer US-amerikanisch- en Überseebesitzung. Präsident William McKinley bezeichnete den Erwerb der Inselgruppe als ein „Gottes- geschenk“ und Senator Albert Beveridge sah sie als „Sprungbrett nach China“, dessen gigantische Märkte den Amerikanern nun offenstünden. Die Philippinen standen bis zur japanischen Besetzung 1941 unter direkter US-amerikanischer Verwaltung und erhielten erst mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1946 die formelle Unabhängigkeit.

Spanien

Im unterlegenen Spanien löste das Desaster von 1898 vom Untergang nationaler Größe eine intellektuelle Bewegung aus, aus der die so genannte „Generation von 1898“ hervorging, die für eine politische Neube- sinnung des Landes eintrat. Außerdem setzte eine verstärkte kulturelle und politische Umorientierung im Baskenland und Katalonien ein.Fortan wurde verstärkt die Autonomie bzw. nationale Unabhängigkeit vom spanischen Zentralstaat angestrebt. In den traditionell herrschenden Schichten wurde der Verlust an int- ernationaler Bedeutung als nationale Schande empfunden.

Vereinigte Staaten

Für die USA bildete der Spanisch-Amerikanische Krieg den Ausgangspunkt für eine koordinierte Militärver- waltung der USA, die im Joint Chiefs of Staff mündete. Vorbild hierfür war das preußisch-deutsche Heer mit seinem Generalstab. Mit dem Sieg von 1898 traten die USA trotz heimischer isolationistischer Beweg- ungen (Monroe-Doktrin) in den Kreis der imperialistischen Weltmächte ein.

Deutsches Reich

Mit dem Deutsch-Spanischen Vertrag über die Südseegebiete vom 12. Februar 1899 konnte das Deutsche Reich die Karolinen, die Palau-Inseln sowie die Marianen von Spanien erwerben.Zuvor hatte das Deutsche Reich bereits Interesse an den Philippinen gezeigt (so schlug z.B. der deutsche Gesandte in Manila, Fried- rich Krüger, die Begründung einer philippinischen Monarchie unter einem deutschen Prinzen vor) und im Sommer 1898 ein starkes Geschwader unter dem Kommando von Diederichs nach Manila entsandt.

Dieses Geschwader stand dort dem US-Geschwader unter George Dewey kampfbereit gegenüber (Manila-Zwischenfall). Es gibt Berichte, wonach von US-Seite sogar Warnschüsse abgefeuert wurden. Vor allem der Manila-Vorfall führte zu einer Entfremdung zwischen dem Deutschen Reich und den USA (vgl. Samoa-Krise), die US-Navy erarbeitete infolgedessen den ‚Black Plan’, der sich mit der Möglichkeit eines deutsch-amerikanischen Krieges befasste. Link: wikipedia

Zitat :

„Lange und große Auseinandersetzungen von der Art der Punischen Kriege werden aber kaum zu vermeiden sein.“