Islamisierung der Südphilippinischen Inseln

Die Herrschaftszeit des hinduistischen Großreichs Majapahit währte nur knapp zwei Jahrhunderte; gegen Ende des 15. Jahrhunderts brach das kolonialindische Imperium unter der gewaltigen Machtentfaltung des islamischen Reichs von Malakka (1403-1511) zusammen.

Der Islam gewann die Oberhand über ein weites Gebiet, das von der Malauschen Halbinsel über den Malalischen Archipel bis zu den südphilippinischen Inseln reichte. In seinem Gefolge bildeten sich Mos- lemstaaten, die indische und islamische Elemente zu einer Einheit verschmolzen (als einzige rein hin- duistische Enklave blieb das indonesische Bali erhalten).

Der Islam hatte Südostasien entlang der Handelswege erreicht. Bereits in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten waren arabische Händler vereinzelt über die Grenzen des asiatischen Kontinents hinaus in die westpazifische Inselwelt vorgestoßen; Manila wurde im 12. Jahrhundert einer ihrer bedeutendsten Handelsplätze im südostasiatischen Raum.

Anfangs gab es keine Bekehrungsversuche; erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts begannen islamische Gelehrte, von Borneo her vordringend, auf den Sulu-Inseln ihr Missionierungswerk. 1380 erreichte der Araber Karim al-Makdum die kleine Insel Simunul und ließ dort die erste Moschee auf philippinischem Boden erbauen.

Zehn Jahre später folgte ihm der moslemische Malalenprinz Rajah Baginda von Sumatra mit seinen Ge- folgsleuten. Zu einer machtvollen Ausbreitung des Islam kam es aber erst gegen 1450 mit der Ankunft von Abu Bakr aus Johore, der von dem Sultanat Brunei aus die Insel Jolo unterwarf und das erste Sul- tanat von Jolo gründete.

Sharif Mohammed Kabungsuwan schließlich war der erste Moslemführer, der bis Mindanao vordrang; er heiratete dort eine einheimische Prinzessin und gründete 1475 das straff organisierte Sultanat Maguin- danao (mit der Stadt Cotabato als Zentrum).

Bemerkenswerterweise erwiesen sich die arabischmalalischen Eroberer-Missionare als vergleichsweise humane Kolonisatoren, die den Islam nicht mit Feuer und Schwert verbreiteten, sondern versuchten, mit Toleranz und Diplomatie ihre Interessen mit denen der Einheimischen zu verbinden.

Die meisten der südphilippinischen Stämme nahmen die neue Lehre willig an, nur wenige weigerten sich und wichen in die Berge zurück. Mit dem Koran gelangten auch die arabische Schrift, orientalische Kunst, arabisches Recht und der arabische Kalender auf einen Teil der philippinischen Inselwelt.

Bis Mitte des 16. Jahrhunderts war der Islam bereits punktuell auf der Hauptinsel Luzon vertreten. Eine weitere Ausdehnung der politischen und kulturellen Einflußsphäre der Söhne Allahs verhinderte erst die spanische Kolonisation.