Geschichte

Die Kulintangmusik kann als ein uraltes Kulturgut gesehen werden,das den Einfluss des Islams,des Christentums und der westlichen Welt in sich trägt. Es heißt, auf den nördlichen Molukken existiert sie bereits seit Jahr- hunderten. Auf den Philippinen repräsentiert sie die höchste Form der Gongmusik, die von Filipinos zu erreichen ist. Obwohl diese Musik so alt ist, gibt es dennoch kaum verlässliche Zeitangaben,die über den Ursprung des Kulintang Aufschluss geben. Die frühesten geschichtlichen Berichte über Instrumente, die den heutigen ähneln, stammen aus dem 16. Jahr- hundert und wurden von verschiedenen europäischen Entdeckern doku- mentiert, die solche Instrumente bei ihrer Durchreise zu Gesicht bekam- en.
Aufgrund der wenigen Informationen, die aus der Zeit vor der Ankunft der Europäer stammen, gibt es lediglich Theorien darüber, wann die ersten Modelle von Kulingtang-artigen Instrumenten erbaut worden waren. Heute herrschen zwei Theorien vor. Die eine Theorie legt nahe, dass der Bronzegong bereits eine sehr alte Geschichte in Südostasien hat, den Indonesischen Archipel vor zwei oder auch dreitausend Jahren erreichte und seinen Weg auf die Philippinen im 3. Jahrhundert n. Chr. von China her fand.
Eine andere Theorie bezweifelt diese zeitlichen Einschätzungen und geht davon aus, dass das Kulintang nicht vor dem 15. Jahrhundert existiert haben kann, da sie von einer javanesischen Herkunft ausgeht und sich die Gongtradition dort erst in diesem Zeitraum entwickelt hatte. Trotz der verschiedenen Theorien darüber, in welchem Jahrhundert das Kulintang sich endgültig entwickelt hat, gehen beide gleichsam da- von aus,dass das Kulintang von einer ausländischen Musikkultur aufgegriffen und in die bis heute in dies- em Gebiet vorherrschende einheimische Tradition eingebunden wurde.
Es ist wahrscheinlich, dass die frühesten Gongs bei einheimischen Urvölkern dabei nicht zur Unterhaltung verwendet, sondern als eine einfache Möglichkeit der Aussendung von Signalen und der Übermittlung von Botschaften genutzt wurden. Die Kulintangmusik entwickelte sich somit aus einer einfachen Signalisier- ungsform heraus, ging über in eine Periode eines Ein-Gong-Ensemble mit einem einzigen Spieler (wie diejenigen, die bei den Ifugao von Luzon oder den Tiruray auf Mindanao anzutreffen waren) und entwick- elte sich letztlich zu einem Multi-Gong-Instrument mit mehreren Musiker.
Hierbei wurden musikalische Konzepten einbezogen, die ursprünglich von den Sunda stammten, ehe es sich schließlich zu dem heutigen Kulingtang-Ensemble entwickelte, bei dem weitere Instrumente wie der Dabakan und das Babendil/Babndir (philippinischer Gong) hinzugefügt wurden. Abrundend flossen letzt- lich dann noch musikalische Konzepte des Islam in diese Musikform ein, die von islamischen Händlern einst nach Südostasien gebracht worden waren.
Herkunft des Gong
Es wird vermutet, dass der Kulintanggong selbst einmal ein ausländisches musikalisches Element gewe- sen war, das schließlich in die bestehende Folkloremusik eingebunden wurde. Man geht davon aus, dass sich die Bezeichnung Kulintang von dem aus der sundanesischen Sprache stammenden Kolenang ableitet, da beide auffallende Gemeinsamkeiten aufweisen. Zusammen mit dem Faktum, dass beide wichtige Roll- en in ihren jeweiligen Ensembles spielen, zeigen beide, sowohl das Kulintang als auch das Kolenang, eine auffallende Gemeinsamkeit.

So zum Beispiel in den sich verjüngenden Rändern, die einen Gegensatz zu dem ausgesprochen schmalen javanesischen Bonang und dem breitrandigen laotischen Laotian Khong-Vong-Gongs aufweist. Gerade diese Ähnlichkeiten nähren die Haupttheorien, wonach das Kulintang ursprünglich auf die Philip- pinen importiert wurde, als das Kolenang seinen Weg über den malaiischen Archipel fand. Auf diese Etymologie gründend werden zwei Routen vorge- schlagen,die als Wege des Kulintang nach Mindanao in Frage kommen kön- nten:
Der eine führt von Sunda über Banjarmasin, die Brunei und den Sulu-Archi- pel. Diese Route zeichnet sich dadurch aus, dass das Wort “Kulintangan” hier gemeinschaftlich für eine horizontal angeordnete Reihe von Gongs verwendet wird. Die andere hat ihren Ausgangspunkt ebenfalls auf Sunda, verläuft aber über Timor, Sulawesi bzw. über die Molukken nach Mindanao, wo gleichermaßen jeweils die Wörter Kolintang und Kulintang geläufig sind.
Zukünftige Entwicklung
Die traditionelle Rolle der Kulintangmusik hat mittlerweile im ostmalaiischen Archipel abgenommen und ist aus vielen Gebieten verschwunden, wo sie früher noch von großer Bedeutung gewesen war. Die Kul- intang-Kultur hat auf den Philippinen, im Besonderen auf den nördlichen und zentralen Inseln von Luzon und den Visayas, aufgrund der dreihundert Jahre andauernden spanischen Kolonisation in diesen Gebiet- en nie eine herausragende Bekanntheit erfahren.
In gleicher Weise sind mittlerweile auch Sätze von fünf bronzenen Glockenspielen und einem Gong, die für die Totobuang-Musikgruppe der Buruinseln in den Zentralmolukken typisch waren, weitgehend un- gebräuchlich geworden. Kolintangsätze von mit Buckeln versehenen Kesselgongs wurden einmal vor langer Zeit auch in Gorontalo, im nördlichen Teil der Insel Sulawesi verwendet, sind jedoch mittlerweile auch hier verschwunden und wurden durch lokal vertrauere Instrumente ersetzt — ein Brettinstrument, das als Kolintang bekannt ist.

Die Tatsache, dass es heute noch Gebiete gibt, in denen sich trotz der europäischen Kolonialisierung die Kulintang-Tradition erhalten hat,ließ der Musik die Bezeichnung “the music of resistance” (die widerstands- fähige Musik) zukommen.Dennoch bedroht der Einfluss der Globalisier- ung und die Einführung von westlichen und ausländischen Wertvor- stellungen die Existenz der Kulintangmusik heutzutage mehr denn je. Jüngere Generationen wenden sich lieber westlicher Popmusik zu oder spielen mit anderen Kindern auf den Straßen, als ihre Zeit mit dem Erlernen und Einüben der traditionellen Instrumente ihrer Eltern zu verbringen.
Durch die Arbeit einiger Musikmeister wie Meister Danongan Kalanduyan und Usopay Cadar hat die Kulin- tangmusik jedoch eine Wiedergeburt erfahren. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Kulintangmusik im später 20. Jahrhundert die Ufer der Vereinigten Staaten erreichte. Dadurch, dass diese Meister ihre eig- enen Studenten aus Universitäten wie der University of Washington oder der San Francisco State Uni- versity nach Mindanao senden, um dort das Kulintang vor ihren eigenen Leuten zu spielen,entsteht so eine Wiederauferstehung dieser Musikkultur.
Viele der jüngeren Generationen der Maguindanao oder Maranao werden auf diese Art ermutigt,ihre eig- enen traditionellen Musik zu spielen, wenn sie sehen, das auch und vor allem ausländische Spieler mit dem Kulintang musizieren. Diese Wertschätzung, die von philippinischstämmigen Amerikanern der Musik entgegengebracht wird,gibt nun den Anstoß für eine Wiederbelebung dieser im Sterben begriffenen Tra- dition und wurde gleichzeitig zu einem Symbol für die Einheit der Überseefilipinos. Link: wikipedia
