Die Parabel von der Trockenzeit

Die Bauern eines philippinischen Dorfes waren zusammengekommen, um über ihre Erfahrungen und Probleme zu beraten. Die Reisernte war gerade abgeschlossen.
Es war eine gute Ernte gewesen. Es gab eigentlich nichts, über das sie sich beschweren konnten.
Aber sie wünschten sich, mehr Wasser zur Verfügung zu haben. Das Dorf hatte keine Bewässerung. So hingen die Bauern von den Nieder-
schlägen ab, die jeweils im Juni einsetzten. Deshalb konnten sie nur eine Reisernte pro Jahr einbringen. In der Trockenzeit wuchsen weder Reis noch Gemüse. „Was würde passieren, wenn wir die Trockenzeit abschaffen“, fragte ein Bauer. “Warum ?
Wir können eine zweite Ernte einbringen“, antwortete ein anderer. „Auch wenn wir nur zusätzliches Gemüse ernten könnten, es wäre doch immerhin etwas“, stimmten andere ein. Die Diskussion wurde immer heiterer, und die Bauern wetteiferten miteinander, sich die möglichen Erntesteigerungen aus- zumalen.
Dann fragte ein alter Mann, wie man diesen Traum verwirklichen wollte, auf welche Weise man die Trock- enzeit abschaffen wolle. „Nun, lasst uns Gott fragen" antwortete schlagfertig ein jüngerer Bauer. „Nur er kann es machen.“
Gesagt, getan. So gingen sie dann mit ihrem speziellen Anliegen, die Trockenzeit abzuschaffen, zu Gott. (Wo und wie sie ihn trafen, ist leider nicht überliefert.) Wider Erwarten stimmte Gott ihrem Anliegen so- fort zu. Die Bauern konnten es kaum glauben, aber die Entscheidung war klar.
Von nun an würde es keine Trockenzeit mehr geben, statt dessen sehr viel Regen und viele Möglichkeit- en, mehr Pflanzen anzubauen. Die Bauern richteten, so schnell sie konnten, ihre Felder her. Nun konnten sie das ganze Jahr über pflanzen und ernten. Binnen zweier Jahre brachten sie über fünf Reisernten ein. Ausserdem hatten sie viele verschiedene Gemüsearten geerntet. Sie fühlten sich, als wenn sie dem Para- dies nahe wären.

Im dritten Jahr aber galt es, den Preis zu zahlen. Die Felder wurden von Scharen von Insekten zerstört. So etwas hatten die Bauern zuvor noch nicht gesehen. Die Reisfelder waren verwüstet, und das Gemüse wurde von unzähligen kleinen Tieren vernichtet.
Die Bauern erinnerten sich an Gott. „Lasst uns Gott fragen, was passiert ist. Wir wollten doch nur die Abschaffung der Trockenzeit, aber keine Katastrophe. Was ist los? Gerade nun wo wir unsere Träume erfüllt sahen. Warum, Gott?“ Und Gott sprach:
„Ihr hattet mich um die Abschaffung der Trockenzeit gebeten. Ohne Feuchtigkeit sterben die meisten Insekten und werden so natürlich kontrolliert. Nun, entscheidet, was ihr wirklich wollt – höhere Erträge oder weniger Insekten?“ Die Bauern beugten ihre Köpfe. „Gott, gib uns die ursprünglichen Jahreszeiten zurück, so dass sich Trocken und Regenzeit abwechseln. Du weisst es am besten, Gott.“ Und seitdem wechseln sich auf der Erde die trockene und die nasse Jahreszeit wieder ab. Link: wirodive
