Landreform auf den Philippinen

Landreform auf den Philippinen

Landlose Pächter erleiden Schikanierung und Hunger auf der Bondoc Halbinsel in der Quezon Provinz. Diese ist eine der ärmsten Regionen der Philippinen.

Der Großteil des Farmlandes in diesem Gebiet befindet sich in den Händen von einigen wenigen Großgrundbe- sitzern wie der Familie Uy aus San Vicente.

Aufgrund des politischen Einflusses der Familie Uy blieben

ihre Ländereien von der nationalen Agrarreform, welche 1988 in Kraft trat, verschont. Seit Mitte 1996 haben Pächter Anträge auf Land der Familie Uy eingereicht.

Kurz darauf begannen bewaffnete, von den Großgrundbesitzern angeheuerte Männer mit der systema- tischen Bedrohung der Pächter: sie werden mit Einschüchterung, Zerstörung ihres Hab und Gut, der Vertreibung von ihrem Land und physischer Gewalt konfrontiert.

Vier Bauernführer wurden bis heute getötet. Sieben Familien wird gegenwärtig der Zugang zu ihrem Land verwehrt und mehr als 300 Familien leiden Hunger und Unterernährung. Kürzlich wurden die Kokosnüsse von drei Pächtern gewaltsam und gegen deren Willen von angeheuerten Schlägern geerntet und das Haus eines Pächters zerstört.

Hintergrund

Der Hunger greift in den Philippinen um sich, vor allem in ländlichen Regionen wie der Bondoc Halbinsel, wo riesengroße Flächen an Farmland auf einige wenige Großgrundbesitzer verteilt sind. Der Großteil der dort ansässigen Bevölkerung arbeitet als Pächter unter einer rigiden 60 zu 40 Prozent Ernteteilung, zu- gunsten des Großgrundbesitzers.

San Vicente ist ein Dorf in San Narciso, eine der Gemeinden der Halbinsel. Der größte Teil des Landes in San Vicente gehört der Familie Uy oder befindet sich zumindest unter ihrer Kontrolle.

Zu der Familie gehört auch der frühere Bürgermeister von San Vicente, Juanito Uy. Sein politischer Ein- fluss erlaubte es ihm das Land von der Agrarreform, dem Comprehensive Agrarian Reform Program CARP auszuschließen, als Mitte 1996 mehrere Pächter anfingen Anträge auf Landumverteilung einzureichen.

Der letzte Antrag wurde 2003 von 76 Pächtern eingereicht. Der Initiative der Pächter wurde mit syste- matischen Bedrohungen durch bewaffnete, für die Familie Uy arbeitende Männer begegnet.

Die New People’s Army (NPA) bedroht und schikaniert die Bauern ebenfalls, vermutllich um Aktivitäten die einer Implementierung des CARP in dieser Region hilfreich sein könnten vorzubeugen. Die Pächter werden persönlich bedroht, ihre Häuser verbrannt, ihre Ernten gewaltsam beschlagnahmt.

Berichten zufolge wurden seit 1998 vier lokale Bauernführer ermordet. Aufgrund der unerträglichen Be- drohungen und der glaubwürdigen Todesdrohungen mussten mehrere Familien flüchten, andere wurden gewaltsam entfernt oder der Zugang zu ihren Feldern wurde ihnen von bewaffneten Schlägern verwehrt.

Im Augenblick sind sieben Familien vom Zugang zu ihrem Land ausgeschlossen, ungefähr 200 andere Familien befinden sich unter ständiger Bedrohung durch die Schlägertruppen und die NPA. Wegen dem System der Ernteteilung und der Tatsache, dass der Ernteanteil der Pächter durch die Landbesitzer weit unter dem Marktpreis aufgekauft wird, leiden derzeit alle Pächter der Familie Uy unter akuter Armut und Hunger.

In der Vergangenheit haben die organisierten Pächter die Regierung mehrmals aufgefordert, sie vor der Bedrohung durch die bewaffneten Schläger zu schützen. Es gab mehrere Dialoge mit dem DAR, wo die Bauern ihren Anspruch auf Schutz vor Bedrohung, friedlichen Besitz von Land und sofortige Erfassung ihres Besitzes deutlich machten. Allerdings wurden seitens der Regierung keine konkreten Maßnahmen ergriffen.

Schlimmer noch:

Während die Durchführung der Agrarreform nur schleppend vorangeht, bedient sich die Regierung legaler Formsachen, um die Bemühungen der Pächter auf Einbeziehung ihres Landes ins CARP zu blockieren. Die Entscheidung bei drei Verfahren steht noch aus und die Lage ist sehr angespannt, leiden doch alle Pächter der Familie Uy Hunger und sind ständig der Bedrohung einer baldigen, gewaltsamen Vertreibung ausge- setzt. Ebenso sind ihre Leben in Gefahr.