Philippinische Weihnachten

Das längste Weihnachtsfest der Welt
Die philippinische Weihnachtszeit ist die längste der Welt. Normalerweise hört man schon ab Mitte Oktober Weihnachtslieder im Radio, und die Läden in Manila und den anderen großen Städten be- ginnen mit dem Weihnachtsverkauf. Um den 1. Dezember herum er- scheinen dann die ersten »paroles« (Weihnachtslaternen aus Pa- pier). Bald sieht man sie in jedem Fenster, sogar in Autos, Bussen
und Jeepneys. Überall finden werden Laternenwettbewerbe statt. Mit ihrem Leuchten vermehren sie Lich- ter und Farben der Stadt,die für das freudige Fest dekoriert worden ist. Weihnachtsbäume werden auf- gestellt und mit dem »belen« oder »creche« (Krippe) geschmückt - ein Brauch, der angeblich vom Hl.
Franziskus stammt und von spanischen Missionaren auf die Philippinen gebracht wurde. Bei Tagesanbruch des 16. Dezember, sobald die ersten Hahnenschreie ertönen, beginnen im ganzen Land die Glocken der katholischen Kirchen mit großem Jubel zu läuten, um den »offiziellen« Beginn der Weihnachtszeit zu verkünden.

Blaskapellen marschieren aufgeregt durch die Stadt. Die Kinder feuern in den Straßen kleine Bambuskanonen ab.
Raketen steigen in den kühlen Dezember Himmel und zerbersten mit viel Getöse zu ihrer vollen Farbenpracht.
Der fröhliche Tumult soll die Leute aufwecken zur »Misa de Gallo« (der Hahnenmesse), einem 200 Jahre alten Brauch, der von den Ta- galog »Simbang Gabi« genannt wird und der von allen Weihnachts- bräuchen der einzige mit philippinischem Ursprung ist.
In keinem anderen Land der Welt gibt es eine solche Novene, einen solchen sich über neun aufeinander folgende Tage erstreckenden Zyklus von Hl. Messen, ein großartiges Vorspiel zur Geburt Christi.
Es wird erzählt, daß ein spanischer Priester die Bauern im Jahr einer reichen Ernte zusammenrief und sie mahnte, nun sei es Zeit, Gott zu danken für die großzügige Gabe, die er ihnen gemacht habe.
Es gab aber, schon lange bevor die katholischen Missionare auf die Inseln kamen, unter den heidnischen Filipinos den Brauch, reiche Ernten mit farbenfrohen Erntedankfesten zu feiern.

Da kam der pragmatische Priester auf den Gedanken, daß es doch ein gutes Mittel zur Verbreitung des neuen Glaubens wäre, wenn man ihn mit der heidnischen Überlieferung zu einer dramatischen Form verbinden würde.
So wurde die »Misa de Gallo« ein altehrwürdiges Fest, mit dem man Gott danken und ihn bitten will, daß sich die Gnade einer guten Ernte und des Wohlergehens auch im nächsten Jahr wiederholen möge. Durch die »Misa de Gallo« mit ihrer romantischen Verschmelzung von zauber-
haften volkstümlichen und religiösen Bräuchen wird das Herannahen des Weihnachtsfestes für einen Besucher der in der zweiten Dezemberwoche auf die Philippinen kommt, noch ergreifender. Nach der Messe versammeln sich die Leute an Eßständen, die im Innenhof der Kirche aufgebaut werden. Dort gibt es ein Frühstück aus Reiskuchen mit heißem Ingwerbier, und gemeinsam erwartet man den Sonnenauf- gang. Link: inselchen
Philippinischer Adventskranz

Einen Adventskranz gibt es auch, allerdings ist er mit drei violetten und einer rosa Kerze bestückt. In der Mitte des Kranzes steht eine weiße Kerze, die erst am Weihnachtstag selbst angezündet wird. ‚Merry Christ- mas‘, das wünscht man sich schon ab dem 16. Dezember, also mit Be- ginn der Weihnachtsnovene.
Am 24. Dezember, meist abends um 20 Uhr, ist dann der eigentliche Weihnachtsgottesdienst. In der Regel wird eine halbe Stunde zuvor ein Krippenspiel mit Herbergssuche aufgeführt.
Um das Ganze besonders eindrucksvoll zu gestalten, kommt z. B. am Ende des Krippenspiels in der Ka- thedrale von Alaminos aus der hintersten Ecke der Kirche ein großer Stern angeschwebt, der direkt vor der Krippe Halt macht und dann in hellem Glanz erstrahlt.
Aus dem Dunkel der Kirche kommen zwei kleine Engel in Weiß gekleidet und mit zwei Flügeln versehen, wo sie den ganzen Gottesdienst über an der Krippe stehen bleiben, sei denn sie sind von Zeit zu Zeit eingenickt. Am Ende der Feier werden die Gläubigen aufgefordert zur Krippe zu gehen.
Das ist der Moment, worauf man schon die ganze Zeit gewartet hat, was einen Ansturm auf das Jesuskind auslöst. Entweder man küsst das Jesuskind oder man wirft sich vor ihm auf den Boden, um ihm seine Ehrerbietung zum Ausdruck zu bringen.
Nach dem Gottesdienst isst man gemeinsam mit der Familie zu Abend, d. h. es gibt das traditionelle ‚Arroz Caldo‘, eine Suppe aus Reis, Huhn und Gemüse. Natürlich werden auch kleine Weihnachtsge- schenke verteilt.
Jedoch das, was wir unter besinnlichem Weihnachtsfest verstehen, ist hier weniger vorzufinden. Das Beisammensein hat eher den Charakter einer Party mit Weihnachtsmusik.
Ausklang Weihnachtszeit

Der 26. Dezember ist dann wieder ein ganz normaler Werktag, an dem Priester und Gottesvolk sich von den anstrengenden Tagen zuvor etwas erholen können.
Nach Weihnachten sieht man an vielen Krippen eine Figur stehen, die Jesus als Kleinkind darstellt, den Santo Nino. Es ist der größte Schutzpatron der Filipinos und stammt ursprünglich aus Cebu, dem südlichen Teil der Inselgruppe.
Ferdinand Magellan hatte im 16. Jahrhundert die Santo Nino Statue der Frau des damaligen Inselkönigs anlässlich ihrer Bekehrung zum Christentum geschenkt. Diese Jesusfiguren verbreiteten sich bald über das gesamte Inselreich und sollen in irgendeiner Form auch Wunder vollbracht haben.
Der Festtag des Santo Nino wird am 3. Sonntag im Januar gefeiert. So ist Weihnachten für die Filipinos ein Fest, das mit viel Temperament gefeiert wird und an dem jeder, wenn möglich, zuhause bei seiner Familie sein möchte, egal, wo er sich gerade in der Welt aufhält.
Das Geld für die Heimreise wird das ganze Jahr über zusammengespart. Will man in dieser Zeit einen Flug auf die Philippinen buchen, so ist es ratsam, dies mindestens ein halbes Jahr vorher zu tun, um ganz sicher zu gehen, auch einen Platz zu bekommen.
